Sie flüstert kitzelnd dir ins Ohr:
Geh weiter, du bist genau richtig in deiner Spur!
Sie umwebt im Federspiel dir Arme, Beine, Hals.
Haucht kleinsten Gedanken Überschwall zu.
Nährt sie mit leichter Dunkelheit.
Auf dass dein Strahlen sichtbar wird.
Halte die Sinne nur bereit.
Jede Zelle durchfährt magnetisches Gleißen
In flirrend atmendem Geöffnetsein
Nimm an deine Empfindsamkeit.

Sie ist ihm Kind, Geliebte, edle Dame, Göttin.
So zieht, so wiegt und hofiert er sie.
Er ist ihr Priester und Opfertier.
Sein Körper weitet sich aus.
Verbindet die Struktur einer jeden Zelle
Die ihren Teil erfüllt
Voll Eigenleben, nimmt sie kleinste Schwingung auf
Gibt sie ab an den großen Körper
Dessen Resonanz eine ganze Welt erfüllt
Wartet manche Zelle auf ihre Aufgabe, ihre eine kurze Schwingung in diesem Stück.
Wir hören dich, verstummt alles rundherum.
Du klingst mit uns, damit wir neu zusammen tönen.
Verspielt, verschmitzt, in höchsten Höhen,
voll Würde ihren Part empfangend
mittendrin, ein Teil davon,
Sich zärtlich hingebend in der Stimmen Vielklang.
Fast schmerzhaft, ermüdet, kehrt er zurück in den einen Körper.

Ich bin tot, ich schlafe nicht.
In der durchlässigen Zeit des Nebelmondes
Wandert es mich durch verhangene Welten
Mit geschlossenen Augen sehe ich
Nicht einmal, was in mir liegt
Einen Schritt
Und noch einen Schritt
Gehe ich
Fühlend, tastend, spürend
In Hoffnung auf ein neues Licht.

Ich bin nicht tot, ich schlafe nur
In Windmonds stürmischen Zeiten
Kauere ich, träume ich
Vom Wachsen und Werden
Von neuer Geburt
Vom Kommen und Staunen
In neuer Welt, in neuer Sicht.

Hart
Mit meinen Augen, weit geöffnet,
wandle ich auf meinem Weg.
Staunend, Saugend, Fragend, Wissend.
Neidisch, Gierig, Vereinnahmend, Ausschließend.
Freundlich, Weinend, Herzend, Berührend.
Warte ich auf den Moment,
In dem ich auch geben kann.
In echter Demut und Liebe.

Weich
Mit meinen Augen, weit geöffnet,
wandle ich durch diese Welt.
Sauge staunend alles ein,
Fragenden Blickes nach Antwort mich giert,
Kummervoll sehend auch Schmerzen und Leid,
Lustvoll genießend, gern abseits des Weges,
Sprießende Blüten aus Liebe und Neid.

Heute decke ich mich zu mit Dunkelheit.
Der Blick ist starr, ich fühle mich untot, unlebendig, taub und leer.

Ich hat heute Urlaub. Ich ist nicht daheim.
Hat sich davon gemacht, sich ganz unten verkrochen. Lässt sich nicht locken.
Schwester Eselin vermisst Ich sehr.
Weint und sehnt sich nach Ich.
Auch Es merkt, dass es wohl etwas zuviel geschwelgt hat. Hat ganz klein wenig ein schlechtes Gewissen.
Gemeinsam suchen sie Hilfe beim Du.
Zum Glück kann Du helfen.
Ganz langsam, behutsam, pult Du Ich heraus. Und Ich lunzt schüchtern um die Ecke.
Schwester Eselin, Es und Du schauen Ich freundlich an.
Etwas trotzig und schmollend sucht Ich seinen Platz.
Braucht noch etwas, um sich die Wunden zu lecken.
Doch ist Ich da. Und nimmt Wir wahr.

Ich bin wieder ganz. Leben kehrt in meine Augen zurück. Der dunkle Schleier stört. Also lege ich ihn einfach ab.

Mein Herz weint.
Schon wieder ein Anschlag. Ein Akt des Schreckens und der Gewalt. Im Namen der Religion. Der Missbrauch der menschengemachten Version des Glaubens an etwas Höheres. Und ich schäme mich, dass auch ich einer Religion angehöre, die im Laufe ihrer Geschichte immer wieder Extremismus und Gewalt hervorgerufen hat. Dass ich bis heute nicht den Mut habe, sie abzustreifen, einfach weil sie ein wichtiger Wurzelzweig für mich war.

In dem Buch “Eine andere Kindheit“ von Iris Johansson erwähnt die Autorin ihre Ansicht, dass Religionen nur die von Menschenhand geformten Schubladen für etwas unfassbar viel Höheres und Weiteres darstellen.

Vom Dalai Lama gibt es das Zitat, dass Spiritualität wie Wasser sei, und der menschliche Glaube der Teebeutel, den wir in das Wasser geben. – Lässt es sich wirklich um den Geschmack des Tees streiten? Muss das wirklich sein? DAS wäre Egoismus.

Eben auf Facebook habe ich auch noch das wunderbare Zitat von Mahatma Ghandi aufgeschnappt: „You must not lose faith in humanity. Humanity is an ocean; if a few drops oft he ocean are dirty, the ocean does not become dirty.“ – Verliert nicht den Glauben an die Menschlichkeit. Menschlichkeit ist ein Ozean; wenn ein paar Tropfen im Ozean verunreinigt sind, wird davon nicht der ganze Ozean verunreinigt…

Bitte, bitte, bitte. Lasst uns nicht den Glauben an die Menschlichkeit verlieren. Lasst uns unsere Herzen nicht mit Hass, Misstrauen und Rachegefühlen verunreinigen, die den Ozean mit einer Ölpest vergiften würden. In aufrichtiger Trauer, Christina

14.11.2015

Wir atmen gemeinsam
Doch jeder für sich
Von Luft getragen
Streichelt höhere Hand
Über Seelen, über Haare
Stärkt Vertrauen
In sich Ruhen
Steigt in Stille Freude auf

Ich tanze, ich tanze, seht doch nur her!
Ich fliege, ich drehe, werde immer mehr!
Werde ganz viele, bis ich mich verlier.
Ein Raum voller Leere, blaues Feuer in mir!
Nein, es ist Himmel, ist Weite, ist leicht.
Ein Brausen, ein Stürmen, das nichts andrem gleicht.
Löst sich auf, erscheint wieder, pulsiert in mir drin.
Kehrt zurück, verliert sich und ich spüre: ich bin!

Die helle Schwester
Aus der Ferne
Aus ur-hoher Kuppel
Schwingend am Trapez
Verströmt sie flitternden Funkenregen
Der Körper kühl und weich umschmeichelt
Zärtlich über Wangen streichelt
Kühn herab in Ausschnitte rinnt
Die Sinne mitnimmt
Und dem Leben Krone und Leichtigkeit schenkt.

Die dunkle Schwester
Aus der Grotte
Aus ur-tiefem Gestein
Wiegend im Takt
Verteilt sie rhythmischen Daseinsfluss
Der Lauf sich warm und pulsierend erströmt
Weise Wellenklang vertönt
Wahrhaftig Anfang und Ende umfasst
Die Mitte enthält
Und dem Leben Wurzel und Kraft schenkt.

Aus dem Wasser aufgestiegen
In die Luft.
Nicht ganz seinem Element
Doch verbunden
Durch seiner Federn Schwingen
Fliegt er
Über die Oberfläche.
Konzentriert
Majestätisch
Mit klingenden Flügeln
Sein Dasein feiernd.
Jeder Start
Jede Landung
Drei Herzsprünge –
Geht er weit über sich hinaus

Ein Herzsprung ist´s
Ihn zu erblicken.
Das Klingen der Federn
Im Ohr.
Einen Traum
Ihm mitzuschicken
Voller Sehnsucht,
Die sich
Auf der Oberfläche spiegelt.
Pupille und Herz
sich weitend,
Um der Schönheit
Dieses Augenblicks
Ein Stück Ewigkeit
Zu geben.