vision einer perle

Lass mich noch einmal schlafen
Und träumen den großen Traum
Die Perle will noch reifen
Bevor sie wandert auf den Saum

Vielleicht noch zwei, drei Nächte
Die Perle ist wirklich groß
Sie glänzt ganz wunderbar muttern
Und vatern – was meint das bloß

Treffen die zwei aufeinander
Wird aus dem Ich ein Wir
Das dauerhaft hält zusammen
Und rund wird aus mir und dir

Dann öffne ich die Augen
Viel bunter ist jetzt die Welt
Alles leichter und erreichbar
Ich selbst als mein strahlender Held

Doch ist das dann noch wichtig
Ganz sicher bin ich mir nicht
Auf jeden Fall erfüllt mich
Dann ganz das innere Licht

















Wenn im Herzen
Du dich ins Kindsein versetzt
Wenn kichernd du vor deinem Kind
Dich hinterm Laternenpfahl versteckst
Es darf sein
Wenn vorm geschlossenen Auge
Wildes Farbspiel du siehst
Wenn du vor Freude
Eine Träne vergießt
Es darf sein
Wenn ein Wort dir
Schmerzen zufügt
Wenn du erkennst
Dass dein Verstand dich belügt
Es darf sein
Lass dein Herz sprechen
Dir zeigen, wo´s langgeht
Mit dem Verstand sich verbünden
Mit dem es sich berät
Es darf sein
Es kommt drauf an
Was du draus machst
Und darauf, dass am Ende
Im Herzen du lachst
Es darf sein
Lass es sein

Fast magisch dieser Augenblick
Kommt ein erstes stilles Blättchen
Kristallgefrorenen Regens
Vom Himmel hinunter
Stippelnd, prickelnd
Werden es langsam mehr
Behutsam segelnd, doch zielbewusst
Bahnen sie sich ihren Weg zur Erde
Ein kleiner Windhauch
Spielt mit ihnen
Weht dir die ersten
Zarten Schneeflocken um die Nase
Wie wachgeküsst
Wendet sich dein Blick nach oben
Lässt du dich weiterküssen
Dankbar
Wie verzaubert dieser Augenblick

Hab mit offenen Augen
Mich ins Leben geträumt
Hab die Muschel geöffnet
Perlen aufgesäumt
Und auch wenn der rote Faden
Noch viel Platz lässt an meiner Perlenschnur
Schimmert ihr perfekter Glanz
Jedes Glied für sich ist längst schon ganz

All der Wachheit Träume
Alle Lebendigkeiten
Lassen viele Möglichkeiten für die große Entdeckungstour

Schweift der Blick auch in die Ferne
Sieht in diese Welt hinein
Wie es sein könnte und wie es ist
Lässt sich leiten von des Herzens lila Wärme
Hin zu Horizonten
Die das Herz im Hier und Jetzt vermisst
Hab mit offenen Augen
Mich ins Leben geträumt
Hab geduldig, beharrlich
Was mich hindert aus dem Weg geräumt
Und auch wenn ich weitergehe
Dem großen Ziel entgegen
Sehe ich es vollends klar:
Hey, jetzt bin ich rundum da

All die Hindernisse
All die Horizonte –
Das ist mein Leben

kleiner Vogel Hoffnung

Kleines Fünkchen Hoffnung
Entflammst du?
Werde ich es schaffen
Dich über den Fluss zu tragen?

Kleiner Vogel Hoffnung
Heilt dein Flügel?
Wirst du im Sommerwind
Wieder Pirouetten schlagen?

Kleine Krume Hoffnung
Mehrst du dich wundersam?
Wird deine reiche Nahrung
Dem Leben wieder Freude sagen?

Ja, ich bin da und ich wachse beständig
Wenn du mich lässt, dann werd ich lebendig

Hier und Jetzt
Ist alles gut
Es gibt nichts zu meckern
Aber auch keinen Mut
Es gibt Sehnsucht
Nach alten Tagen
Gedanken
Die nach Freiheit jagen
Doch nur im Untergrund
Abgeschirmt, tonlos

Vielleicht
Ein anderes Mal
Zu tief
Droht noch das Stimmental
Hier und Jetzt
Ist alles gut
Es gibt nichts zu meckern
Aber auch keinen Mut

Vielleicht ein anderes Mal

Sonnenaufgang

An den Perfektionismus
Ich will dich nicht mundtot machen, aber bitte halt´s Maul
Deine Sprüche sind zynisch, fies, frech und faul
Sag, wie kann ich auch dich zum Herzen noch führen?
Die Liebe dann kannst du bedingungslos spüren
Du bist nicht dumm, doch wie kann deine Stimme mir nutzen?
Sie fordert absolute Reinheit, den Feind vom Gutsein
Das Leben des Menschen ist beides, boshaft und gut
Die Waage zu halten, das macht mir Mut
Vielleicht kannst du meine Wächterin fürs Gleichgewicht sein?
Eine Seiltänzerin mit Regenschirm, ja, das wär´ fein
Das braucht noch viel Übung, na, dann, exercise
Aha, deine Stimme wird freundlicher und leis
Das Seil liegt am Boden, es gibt dir den Grund
Den Balanceakt zu üben, bitte, halt nicht den Mund
So bist du mir sympathisch, so kann mein Herz dich nehmen
Kennt ihr euch erst besser, kannst du dich weiter rauslehnen
Das Seil höher hängen, Pirouetten drehen
Kunststückchen lernen, nur nicht überdehnen
Das alles braucht Zeit, bitte nicht mein ganzes Leben
Wir sind alle Meister, die üben – es wird sich ergeben… es wird sich ergeben

wintergedicht

Schnee liegt auf allen Oberflächen
Ruhig und schleierhaft weiß
Gedämpft sind alle Töne
Alles ist still und leis
Die Einladung zum Schlafen
Nehm gerne ich nun an
Ich träume mir mein Leben
Soweit ich träumen kann
Kommt irgendwann ein Sommer?
Ich träum ihn mir herbei
Dann erwacht das Leben wieder
Die Gedanken werden frei

Mikro-Moment

Kalte Tatsachen
Im Moment verhaftet
Wo all die Nebenwirkungen spürbar sind
Im Körper
Gewackel in den Gliedmaßen
Wie Gummi fühlst du dich
Unrast im Körper
Doch der Geist
Steht still
Kann nicht
Darf nicht
Weiter denken
Nicht
Am Himmel kreisen
Wird der Mikro-Moment kostbar
In dem du
Mitten beim Gehen
Die Nebenwirkungen vergisst
Und dass du Medikamente nimmst
Nur, weil der Körper
In genau diesem Mikro-Moment
Genau das macht
Was du willst

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