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Abgrenzung

Einem neu geborenen Fohlen gleich
Kommt sie wacklig auf die Beine
Stakst sie über die Wiese
Zielbewusst sucht sie sich
Mit Tasten und Stupsen ihre Nahrungsquelle

Frisch genährt
Wagt sie sich weiter
Neugierig, in größer werdenden Kreisen
Übermütig manchmal, fast geht sie durch
Versteigt sich

Bis sie ihre Gangart findet
Und in meist gleichmäßigem Schritt
Ein vor Kraft und Schönheit
Strotzendes Wesen ist
Das in der Herde seinen Platz hat

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Das Meer in uns

Wetter Helgoland Regenschauer

Auge in Auge
So stehen wir

Eine Begegnung hier im Raum

Ich bin da und du bist da

Eine Luke öffnet sich
Ein Blick in die Tiefe

Der weite Ozean
Aus dem wir alle kommen
Ich nehme ihn wahr
Spüre ihn tief in mir
Sehe auch dich darin
Wie kleine Einzeller
Mit dünner, durchlässiger Zellwand
Durchfließen wir die See
Durchfließt die See uns
Und füllt unser Inneres
Gleichzeitig fühle ich
Den Boden unter meinen Füßen
Meinen Körper in diesem Raum
Unseren Blickkontakt
Und wie ich ihn nicht nur aushalte
Sondern erwidere
Von Mensch zu Mensch
Mit einer Fülle von Geschenken:
Bewusstsein, Körper, Wahrnehmung, Persönlichkeit, Kontaktfähigkeit
Lebendige Dankbarkeit und Freude

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Helfen ohne Syndrom

Als interessierte Leserin bekomme ich regelmäßig die Neuveröffentlichungen des Carl-Auer-Verlages zugeschickt. Ein Titel hat mich dort besonders assoziativ angesprochen, ohne dass ich das Buch dazu gelesen hätte und auch nicht weiß, ob ich je dazu kommen werde. Der Titel lautet: Bitte nicht helfen! Es ist auch so schon schwer genug. In der letzten Zeit ist er mir wieder vermehrt in den Sinn gekommen. Gerade, weil ich momentan eine Freundschaft sehr hinterfrage und reflektiere, steigt diese Phrase immer wieder in mir auf. Was wird da laufend in mir angetriggert, das diese Freundschaft so anstrengend macht? Was hat damals meine Sympathie und Öffnung für diesen Menschen bewirkt? – Ich spüre hin. Es hat etwas mit der Suche nach Gleichgesinnten, nach Seelenverwandten, zu tun, soviel ist klar. Dann wird es schwieriger und schwammiger. Es hat auch etwas mit helfen Wollen zu tun…etwas zum Guten wenden…zu einer Entwicklung beitragen…. Jeglicher wohl gemeinte Ansatz kommt verdreht und verzerrt bei diesem Menschen an und führt eher noch zu einer Verschlimmerung der Lage. Das wird sehr stark widergespiegelt, sodass ich häufig genug meinen Fuß nur in letzter Sekunde aus der Rechtfertigungsfalle ziehen kann und einmal mehr frustriert das Gefühl habe, gegen eine Wand gelaufen zu sein. Das Letztere ein Gefühl, das ich von ziemlich klein auf kenne. Ganz langsam, wirklich in Trippelschritten, lerne ich nun doch dazu. Ich beginne, bei jedem Hilfeimpuls innezuhalten und mich zu fragen, was mich da gerade wieder angetriggert hat, wofür ich das gerade mache, was ich damit zu bewirken beabsichtige, ob ich es wirklich tun sollte, ob meine Intention auch wirklich klar und rein ist und entsprechend rüberkommen kann, ob ich Erfolg für mich erwarte, oder wirklich frei von Erwartungen und offen für Entwicklung bin. Ein sehr mühseliges Geschäft. Das Wort Helfersyndrom spukt durch meinen Kopf. Was macht echtes Helfen WIRKLICH aus? – Eine Nuss, die es für mich noch zu knacken gilt. Eine Nuss, die meine Lebensträume und –visionen in Frage stellt…

02.11.2015


Update April 2016
Mittlerweile ist ICH etwas gefestigter und klarer abgrenzungsfähig. Doch es bleibt bei mir die Frage: Was macht die Qualität des Helfens eigentlich aus? Wie ist das bei Euch so? Wie seht Ihr das? Ich würde mich über Kommentare freuen!

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Ankommen im Wir

Im Kreis
Gemeinsam tönend
Begleitet von der Shrutibox
Jeder in seinem Atemrhythmus
Jeder in seiner Tonlage
Weben wir einen Klangteppich
Ergibt sich ein Feld
Aus Energie
Freude steigt in mir auf
Erkenntnis wächst im Bauch
Im Herzen:
Ich bin ein Teil davon
Ein Faden in diesem Gewebe
Ohne mich
Fehlt eine Reihe
In diesem Teppich
Ohne die anderen Fäden
Gibt es keinen Teppich

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Stärke tanken

Ich war ein Baum
Gut verwurzelt mit der Erde
Spürte ich die Säfte, die mich nährten,
in mir aufsteigen
Mein Stamm war fest und stark
Stabil in seinen Jahresringen
Die von Vergangenem erzählten
Nur ein Astloch war da
Dort, wo ein Ast ausgefallen war
In diesem Astloch hauste eine Eule
Die mochte ich sehr

Ich war ein Bison
Ich rannte mit der Herde
Etwas einzeln, für mich, doch rannte ich mit ihr
Ich rannte durch die Steppe, bis ich mich erhob
In den Himmel hinein rannte ich
Immer weiter
Ich sah die Herde unter mir, wie sie sich immer neu formte
Einzelne vergingen, andere kamen dazu
Ich sah sie rennen

Ich schwebte in das Blau des Himmels hinein
Ich ging auf im Blau
Und es war gut~~

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Wie schön das Leben ist, wenn es uns von seinen Reichtümern schenkt

Eines meiner Lieblingsbilder hat mich schon durch mehrere Wohnungen begleitet. Jetzt hängt es in unserer Küche. Es ist gerade mal postkartengroß, bereits etwas verblichen und stammt aus einem Kunstkalender. Ich glaube, von 1994.
Es zeigt einen Wecker, der auf kurz nach 11 steht, ein Buch, eine Kokosnuss im Hintergrund, zwei Apfelsinen am linken Rand und eine angeschnittene Melone, von der eine Scheibe saftig dem Betrachter ins Auge lacht und die mich nicht nur an die Freuden des Gaumens denken lässt. Unter allem verläuft ein Banner: „Qué bonita es la vida, cuando noi da de sus riguezas“. Ich kann kein Spanisch, aber soviel verstehe ich. – Wie schön das Leben ist, wenn es uns von seinen Reichtümern schenkt.
Ein Blick auf dieses Bild lässt mir immer wieder Kummer und Sorgen vergehen. Vergänglichkeit kann auch tröstlich sein. Vorhandener Kummer und Sorgen werden vergehen. Und machen Platz für die schönen Seiten des Lebens. Ich spüre, wie mir schon beim Schreiben dieser Worte Tränen in die Augen steigen, weil mich die Schönheit des Lebens so überwältigt. Was braucht es mehr? Muße, etwas Zeit, vielleicht eben gerade das Bewusstsein der Vergänglichkeit, damit wir das Leben auch genießen können. Ein gutes Buch. Leckere, frische Köstlichkeiten, die uns nähren. Und was ist köstlicher als die Sinne genießen zu lassen? Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen. Etwas Grundlegendes scheint das Bild zunächst nicht zu zeigen: Freunde, Beziehungen, Seelenverwandte. Aber selbst das können diese paar abgebildeten Früchte versinnbildlichen. Jeder Mensch so unterschiedlich wie die Früchte hier und doch vereint. Essen als geselliger Akt. Ein Buch kann man vorlesen. Das Buch des Lebens wird von vielen Menschen mitgeschrieben. Sinnlichkeit zu mehreren genießen. Und so finde ich hier alles vereint, das mich durch dunkle Zeiten trägt. In einem kleinen Bildchen, einem Abdruck von einem Kunstwerk. Danke, Frida Kahlo.

 

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Erdung

Ein Leben wie freihändig Fahrrad Fahren
Den Schal immer flatternd hinterher
Die Balance halten in all den Jahren
Damit es rollt, immer mehr
Das Rad dreht sich, und ich dreh mich mit
Manchmal halt ich mich am Lenker fest
Der Himmel ist blau und die Wolken ziehen schnell
Und ich schau dorthin, wo du gerade stehst
Erst durch dich kann ich mich richtig sehen
So bin ich und so bin ich nicht
Aber das verschwimmt alles in den tiefen Seen
Des Bewusstseins tiefes Licht
Grenzen ziehen und Grenzen lösen
Schreiend, rufend, im freien Fall
Zieh ich die Schnürsenkel durch ihre Ösen
Damit ich sicher stehe, drunten im Tal

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Zwei Angler

Es regnet.
Regentag.
Aus dem Auto steigen
Zwei junge Männer,
fröhlich und
erwartungsstark.
Packen aus dem Kofferraum
Ihre Ausrüstung heraus.
Ein großer Schirm, zwei Angelruten,
ein Bier für jeden.
Kichernd zwinkern sie mir zu
Zwei Verschworene
Die das größte Geheimnis teilen.
Später gehe ich wieder vorbei.
Ich sehe sie sitzen
Unterm Schirm
Der in Tarnfarben strahlt
Von wahrer Schönheit.
Von dem größten Geheimnis.
Verbundenheit.

Ich schau ihnen zu.
Ein Rätsel für mich.
Ein schönes, fürwahr,
doch sicherlich lösbar
Im Ich mit dem Du.

Ich schau ihnen zu.
Wünsch mir dich hier.
Das Rätsel zu lösen.
Aus Ich, Du wird Wir.

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Sich ausweiten

Moment des Glücks
Die Welt steht still
Zwischen zwei Rillen in der Musik
Entsteht Stille in dir
Steigt auf
Weitet sich aus
In diesem Augenblick
Moment des Glücks
Ein Ring
Von Fröhlichkeit um dich
Bebt die Musik durch dich hindurch
Endlose Vibration
Steigt auf
Weitet sich aus
Moment des Glücks
Berührung
Wenn zwei Arme sich streifen
Freundes Umarmung
Verbinden sich Herzen
Steigen Worte auf
Weiten sich aus
Verbinden dich
Mit der Außenwelt

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Einsamkeit

Dieses Leben ist ein Spielplatz
Mit allem, was das Herz begehrt
Sandkasten, Rutsche, Wippe, Schaukel,
Matschstelle, Federpferd,
Drehdings, Pingpong, Basketballkorb
Einer Bank am Rand zum Sitzen
Heimlich rauchen
Abends, wenn die Spielkinder weg sind
Ich kann alles machen, was ich will
Aber Ich merkt schnell, wie´s einsam wird,
Schratig und verquer
Denn ohne Du gibt es kein Wippen
Macht das Schaukeln nicht lange Spaß
Wir wollt spielen, denn alleine
Ist der ganze Scheiß nichts wert.

03/2011