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Frau Mutter

mutter-maria

Bereits seit gut zwei Wochen arbeitet ein Begriff in mir, an dem ich noch immer zu knabbern habe. Da ist wohl noch etwas am reifen und braucht scheinbar noch Zeit.
Ganz spontan aber hat das Leben, der Kosmos, oder wie auch immer man es bezeichnen mag, heute die Aufgabe zu mir gebracht, mich mit diesem Mutter-Aspekt des Menschseins schreibend zu befassen und zu teilen. Ohne große weitere Recherche lasse ich das jetzt mal walten und wirken.

Seit meine kleine Sonne bei uns lebt, ist die Erinnerung an dieses alte Kirchenlied zurückgekommen:

Maria breit den Mantel aus,
mach Schirm und Schild für uns daraus,
lass uns darunter sicher stehn,
bis alle Sturm vorübergehn.

Bei allem Schmerz, den der Aspekt der Mutter verursachen mag – kein anderes Wesen hat so viel Macht über unser Dasein und unser Werden wie unsere Mütter – bringt dieses Lied das Versöhnende in den Vordergrund. Und bringt Heilung ins Herz. Wir sind jetzt und hier (wenn auch vielleicht mit unseren Verletztheiten). Ob Mann oder Frau, jeder von uns hat von beiden Geschlechtern Aspekte in sich, die wir in unserem von Gegensätzen geprägten Denken dem eher Männlichen oder Weiblichen zuordnen. Wir tragen beides in uns.
Es gibt etwas, das uns alle vereint: Jeder von uns hat eine Mutter. Und jeder von uns trägt auch die Mütterlichkeit in sich.
Die Vorstellung, dass wir alle unter dem weiten Mantel der Mutter stehen und durch ihn vor den schlimmsten Stürmen geschützt sind, wirkt tröstlich. Und bei der Innenschau auf die eigenen mütterlichen Aspekte stelle ich fest, dass auch ich einen schützenden Mantel habe, den ich ausbreiten kann. Sein Radius ist halt auf meine mir eigenen Möglichkeiten heruntergebrochen. Doch das Bewusstsein, dass ich mein Bestes gebe, um ihn schützend wirken zu lassen – möglichst ohne erstickend zu wirken…

Noch ein weiterer Liedertext ruft Heilung für uns und andere herbei, ein Mantra:

Om Tare tuttare ture soha

Dabei steht der Urlaut Om für Aspekte der Dreifaltigkeit, zum Beispiel Körper, Geist und Seele, womit wir das Göttliche (in uns und um uns herum und in diesem Fall in der Verkörperung durch Tara) anrufen. Tare bezieht sich auf Tara, den erleuchteten Aspekt der Frau, also die Verbindung des Weiblichen zur göttlichen Kraft. Tuttare ture soha bittet diese reinigende, göttliche Kraft zu uns, in unser Bewusstsein, in unser Herz und dass wir von ihr gänzlich durchdrungen sein mögen.

Damit diese Innenschau nicht noch mehr zu einer Predigt wird, möchte ich diese Gedanken jetzt erstmal so stehen und wirken lassen. Die Bitte, die göttliche Kraft in uns selber spüren zu dürfen, ist doch ein schönes Schlusswort.

Om Tare tuttare ture soha

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Als ich sichtbar wurde II

Eine sehr auf Äußeres bedachte Kollegin fasst es als Erste in Worte:
„Du siehst irgendwie anders aus. Warst du beim Friseur?“ – „Nein.“

„Hast du neue Ohrringe?“ – „Nein.“
„Hm, komisch.“
Irritiert macht sie sich wieder an die Arbeit.

Mein inneres Lächeln bahnt sich einen Weg in mein Gesicht. Mir dämmert, was sie meinen könnte… Es ist mein erster Arbeitstag nach einem sehr intensiven Ausbildungsmodul. Aus eigenen Beobachtungen weiß ich, dass die ganzheitlichen Selbsterfahrungsübungen, die wir dort durchführen, oft wie eine auch optisch wahrnehmbare Frischzellenkur wirken. Gesichter werden feinporiger, rosiger und glätten sich. Oftmals wird die gesamte Ausstrahlung heller, ganz abgesehen von der körperlichen Seite. – Das dürfte mittlerweile nichts ganz Neues mehr sein. Aber etwas sehr Neues gab es diesmal für mich. Ich habe meine Selbst-Heilung an ganz, ganz tief sitzenden Punkten gespürt und gesehen. Eine Art Verdichtung. Etwas hat sich zusammengefügt und eine klaffende Lücke endlich, endlich dauerhaft und stabil verschlossen. Das erfüllt mich mit einem Frieden, wie ich ihn noch nie verspürt habe.

Ich schaue auf meine Finger. Sie sind nicht mehr durchscheinend. Als wäre der Beam-Vorgang abgeschlossen und mein Körper vollständig materialisiert auf diesem Planeten. Scotty hat gute Arbeit geleistet.

Ich bin angekommen. Endlich kann ich mit den anderen spielen gehen ohne Angst vor den frechen Kindern am anderen Ende der Straße, vor denen meine Eltern mich immer gewarnt haben.

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Als ich sichtbar wurde

Als ich sichtbar wurde
Als mir ein Rückgrat wuchs
Und ich Gestalt annahm
War es schon spät
Millionen von Jahren waren vergangen
Ganze Erdzeitalter
So kroch ich aus dem Meer
Und erkundete das Land
Manchmal sitze ich am Strand
Kostbar fühlt sich mir der Sand unter den Fußsohlen an
Und blicke voll Liebe und Ruhe
Manchmal auch Sehnsucht
Aufs weite Meer hinaus

 

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Das Meer in uns

Wetter Helgoland Regenschauer

Auge in Auge
So stehen wir

Eine Begegnung hier im Raum

Ich bin da und du bist da

Eine Luke öffnet sich
Ein Blick in die Tiefe

Der weite Ozean
Aus dem wir alle kommen
Ich nehme ihn wahr
Spüre ihn tief in mir
Sehe auch dich darin
Wie kleine Einzeller
Mit dünner, durchlässiger Zellwand
Durchfließen wir die See
Durchfließt die See uns
Und füllt unser Inneres
Gleichzeitig fühle ich
Den Boden unter meinen Füßen
Meinen Körper in diesem Raum
Unseren Blickkontakt
Und wie ich ihn nicht nur aushalte
Sondern erwidere
Von Mensch zu Mensch
Mit einer Fülle von Geschenken:
Bewusstsein, Körper, Wahrnehmung, Persönlichkeit, Kontaktfähigkeit
Lebendige Dankbarkeit und Freude

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Zwei Angler

Es regnet.
Regentag.
Aus dem Auto steigen
Zwei junge Männer,
fröhlich und
erwartungsstark.
Packen aus dem Kofferraum
Ihre Ausrüstung heraus.
Ein großer Schirm, zwei Angelruten,
ein Bier für jeden.
Kichernd zwinkern sie mir zu
Zwei Verschworene
Die das größte Geheimnis teilen.
Später gehe ich wieder vorbei.
Ich sehe sie sitzen
Unterm Schirm
Der in Tarnfarben strahlt
Von wahrer Schönheit.
Von dem größten Geheimnis.
Verbundenheit.

Ich schau ihnen zu.
Ein Rätsel für mich.
Ein schönes, fürwahr,
doch sicherlich lösbar
Im Ich mit dem Du.

Ich schau ihnen zu.
Wünsch mir dich hier.
Das Rätsel zu lösen.
Aus Ich, Du wird Wir.

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Abendspaziergang

Mit schimmernden Augen schauen wir
Auf die elektrisch leuchtende Bahn
Und danach, mit schimmerndem Blick,
Schauen wir uns zärtlich an.
Du küsst mir sanft auf die Stirn,
Reibst deinen Bart an mir.
Eine Mücke führt ihren Tanz
Um uns herum.
Wir verharren als Naturdenkmal
Für diesen Augenblick.
Die Feldlerche singt
Letzten Gruß für heute
Im Dämmerlicht.
Die meisten Flieger schlafen schon.

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Flashback in Schön

Einer dieser Momente,
wenn der Küchentresen wieder auf Augenhöhe ist.
Du scheinst zu schrumpfen,
wirst wieder klein.
Nah an der Erde,
dem Himmel so fern,
ist alles, was zählt,
dein Tun und dein Sein.
Du spielst auf dem Boden,
formst Kugeln daraus
und Würste, die du
auf dem Brettchen verkaufst.
Der Vater bezahlt mit Schokoladengeld
Heute vielleicht auch dein Mann
Jedenfalls dein goldener Held.
Irgendwann wächst du wieder
Der Himmel nähert sich
Du schüttelst dich kurz durch,
gehst
Und deckst in Gedenken an deine Kindheit den Balkontisch.

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Kind sein

Heute
Wacht auf
Wirft einen Blick auf das verlassene Elternhaus
Wirft einen Blick auf den Weg vor sich
Ein kleines Kind, das endlich spielen will
Mädchen, Junge
Hüpft den Weg entlang
Schaut die Blumen am Rand
Sieht den Weg vor sich
Und macht sich auf
Hinter die Biegung zu kommen

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Sich ausweiten

Moment des Glücks
Die Welt steht still
Zwischen zwei Rillen in der Musik
Entsteht Stille in dir
Steigt auf
Weitet sich aus
In diesem Augenblick
Moment des Glücks
Ein Ring
Von Fröhlichkeit um dich
Bebt die Musik durch dich hindurch
Endlose Vibration
Steigt auf
Weitet sich aus
Moment des Glücks
Berührung
Wenn zwei Arme sich streifen
Freundes Umarmung
Verbinden sich Herzen
Steigen Worte auf
Weiten sich aus
Verbinden dich
Mit der Außenwelt

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Einsamkeit

Dieses Leben ist ein Spielplatz
Mit allem, was das Herz begehrt
Sandkasten, Rutsche, Wippe, Schaukel,
Matschstelle, Federpferd,
Drehdings, Pingpong, Basketballkorb
Einer Bank am Rand zum Sitzen
Heimlich rauchen
Abends, wenn die Spielkinder weg sind
Ich kann alles machen, was ich will
Aber Ich merkt schnell, wie´s einsam wird,
Schratig und verquer
Denn ohne Du gibt es kein Wippen
Macht das Schaukeln nicht lange Spaß
Wir wollt spielen, denn alleine
Ist der ganze Scheiß nichts wert.

03/2011