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Medikamente und Selbstliebe

graue Wolken

Wenn du die Sonne nicht mehr sehen kannst
Weil die Krücken dich binden auf mittlerer Höh´
Weder Berggipfel noch Talsohle kannst seh´n
Wenn die dampfschlafende Gräue dich umgibt
Als Nebelschwaden um dich schmiegt
Sind alle Eindrücke gedämpft
Egal, ob da dein Haupt gekränzt
Oder als Wurm du auf dem Boden dich windest
Weil du den Eigen-Sinn nicht mehr findest
Wenn die Stimmen von allen Seiten verhallen
Musst du hilflos im Hier und Jetzt verharren
Kannst das weinende Kind in dir bloß halten
Leise hoffen, dass Gott den Trost wird walten
Vielleicht auch die Zeit, das wachsende Moos
Wie findest du hier die Selbstliebe bloß?

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Wer´s sagt, isses selber

Egoist! Schimpft der Vater gerne über dieses oder jenes. Das Kind versteht nicht. Was ist ein Egoist?, fragt es nach. Ein Ich-Mensch, erklärt der Vater. Jemand, der nur an sich denkt. Das Kind möchte ein liebes Kind sein. An sich denken ist nicht lieb. Das Kind gibt sich große Mühe, sich zu vergessen. Lange Zeit mit Erfolg. Sanft, leise, aber beständig protestiert das Herz. Der Vater kann sich doch nicht irren?!
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Das heranwachsende Kind spürt einen beständigen, bohrenden Schmerz. Es beobachtet und denkt nach: die Menschen, die oft über Ich-Menschen schimpfen, schimpfen doch eigentlich, weil sie sich durch diesen Egoismus irgendwie bedrängt oder verletzt fühlen. Also denken diese Menschen ja auch an sich und sind selber und noch viel mehr als die anderen Ich-Menschen. Es spürt: Irgendetwas ist da faul an dieser Sache. Etwas setzt sich in Bewegung. Der Vater muss sich geirrt haben. Doch noch immer ist Ich-Mensch-Denkerei sehr negativ belegt für das heranwachsende Kind.
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Der ist so egoistisch, hört die Frau. Sie muss bitter lächeln. Die Worte kommen aus dem Telefon. Immer wieder. Alle anderen sind egoistisch, weil sie keine Rücksicht auf SIE nehmen, der Sprecherin nicht den Platz anbieten, den sie sich selbst nicht zugesteht. Die Frau denkt an ihren Vater und erkennt: Egoismus ist Selbstfürsorge, Selbstliebe. Der Vater hat sich geirrt!
Das Herz spürt: irgendwo dazwischen liegt die Wahrheit. Die Kunst liegt in der Balance. Und in der Brille, die der Betrachter aufhat.