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Übende Meister

Sonnenaufgang

An den Perfektionismus
Ich will dich nicht mundtot machen, aber bitte halt´s Maul
Deine Sprüche sind zynisch, fies, frech und faul
Sag, wie kann ich auch dich zum Herzen noch führen?
Die Liebe dann kannst du bedingungslos spüren
Du bist nicht dumm, doch wie kann deine Stimme mir nutzen?
Sie fordert absolute Reinheit, den Feind vom Gutsein
Das Leben des Menschen ist beides, boshaft und gut
Die Waage zu halten, das macht mir Mut
Vielleicht kannst du meine Wächterin fürs Gleichgewicht sein?
Eine Seiltänzerin mit Regenschirm, ja, das wär´ fein
Das braucht noch viel Übung, na, dann, exercise
Aha, deine Stimme wird freundlicher und leis
Das Seil liegt am Boden, es gibt dir den Grund
Den Balanceakt zu üben, bitte, halt nicht den Mund
So bist du mir sympathisch, so kann mein Herz dich nehmen
Kennt ihr euch erst besser, kannst du dich weiter rauslehnen
Das Seil höher hängen, Pirouetten drehen
Kunststückchen lernen, nur nicht überdehnen
Das alles braucht Zeit, bitte nicht mein ganzes Leben
Wir sind alle Meister, die üben – es wird sich ergeben… es wird sich ergeben

Frieden und Liebe

Feuer

Finde
Liebe für Dich selbst
Aus tiefstem Herzen
Ganz inniglich
Immer wieder

So wird die Liebe
Nicht nur aus dir herausstrahlen
Sondern auch dich selbst
Immer mehr mit Frieden erfüllen

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You may use your brain :)

Liebes Gehirn
Du verwaltest alles in mir
Dafür wollte ich dir einmal danken
Von der Wahrnehmung
Bis zur Verarbeitung von Gefühlen
Von der Koordination der Körperfunktionen
Von der Fähigkeit des Denkens, Verstehens und Lernens
Von der Fähigkeit, mein Sein mit Bewusstsein zu verbinden
Und mit Herz und Bauch abzustimmen
Auch wenn ich dich manchmal daran erinnern muss
Bis hin zu der Signalgebung
All diese Funktionen in Taten umzusetzen
Oder eben auch nicht
Du machst das ganz wunderbar!
Das ist nicht selbstverständlich
Merci bien

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Flashback – Der Zug

Ich glaube, heute Morgen habe ich Hirnwurst gefrühstückt. Jedenfalls kringelt sie sich durch meinen Kopf.
Ich schaffe es nicht, mich energetisch aufzuladen, fühle mich zu schwach. Da kommen die Hirnwürste, ganz alte, wieder zum Vorschein. Gut abgehangen, knüppelhart, kann man sie eigentlich höchstens in hauchdünnen Scheiben genießen. Mir baumeln sie aber komplett um die Ohren und knüppeln auf mich ein.
Ein uraltes Bild taucht vor meinem inneren Auge auf. Heute kann ich mich nur schwer dagegen wehren. Ich, als kleines Mädchen, ungefähr drei Jahre alt, sitze in einem Zug, allein. Nur mit meinem Kuscheltier. Es ist kein echter Zug. Er ist aus Holz und steht auf der Spielwiese meines Kindergartens. Um mich herum toben und spielen die anderen Kinder. Dieser Zug ist uninteressant für sie. Er bewegt sich nicht. Sie bewegen sich lieber selber. Darum ist er für mich genau richtig. Eine Insel, Symbol für mein Mich-weit-weg-Wünschen, hilft er mir über meine Sprachlosigkeit und Starre hinweg.
Die habe ich mir selber auferlegt. Wenn ich gar nichts sage, kann „es“ auch nicht aus mir herauskommen. Ich soll nämlich nichts davon erzählen. Von dem, das ich nicht verstehe zuhause. Bestimmt hat mir jemand versucht zu erklären, dass es dem Papa ganz, ganz schlecht gehe. Dass man ihn nicht stören dürfe. Dass er in den Beinen kein Gefühl mehr hätte und deshalb nicht merken könne, wenn man ihm Legosteine in die Schuhe tue.
Wirklich konkret erinnern kann ich mich nur an eines – wie mir eingetrichtert wird, was ich zu sagen habe, wenn mich jemand fragt, wie es ihm gehe: „Den Umständen entsprechend.“ Ich verstehe diesen Satz nicht. Ich weiß nicht, was „Umstände“ sind. Ich frage nicht nach. Ich sehe ihren Kummer. Und höre auf zu sprechen. Unbemerkt von meiner Familie.
„Christina hat heute wieder ihren Mund zuhause vergessen“, scherzen die Kindergärtnerinnen oft morgens mit mir. Darüber muss ich immer kichern. Und mir prüfend ins Gesicht fassen.
Sprechen tue ich noch, aber nur das Nötigste, mit Menschen, die „die Umstände“ kennen, um ein braves Kind zu sein. Ansonsten nur im Spiel mit mir selbst. Leise. „Die Umstände“ sind unaussprechlich.
Nun sehe ich mich also in diesem Zug. Ein kleines Mädchen, das darauf wartet, dass er endlich losfährt. Zur Abreise bereit.
***
Irgendwie schaffe ich es doch noch aufzustehen, zu duschen, mich anzuziehen und zur Arbeit zu gehen. Thank God it´s Friday!
Nehme zaghaft Verbindung zu den Menschen in meiner Umgebung auf. Komme langsam aus meinem Selbstmitleidssumpf heraus. Kann mich von dem Bild lösen.
Liebevoll auf dieses kleine Mädchen schauen und ihm sagen: „Ich bin da für dich, bei mir brauchst du nichts zu sagen, ich weiß es schon alles. Bei mir darfst du einfach sein“. Und mir wird klar, der Zug bin ich.

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Das Erwachen

Sie flüstert kitzelnd dir ins Ohr:
Geh weiter, du bist genau richtig in deiner Spur!
Sie umwebt im Federspiel dir Arme, Beine, Hals.
Haucht kleinsten Gedanken Überschwall zu.
Nährt sie mit leichter Dunkelheit.
Auf dass dein Strahlen sichtbar wird.
Halte die Sinne nur bereit.
Jede Zelle durchfährt magnetisches Gleißen
In flirrend atmendem Geöffnetsein
Nimm an deine Empfindsamkeit.

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Zwei Blickwinkel

Hart
Mit meinen Augen, weit geöffnet,
wandle ich auf meinem Weg.
Staunend, Saugend, Fragend, Wissend.
Neidisch, Gierig, Vereinnahmend, Ausschließend.
Freundlich, Weinend, Herzend, Berührend.
Warte ich auf den Moment,
In dem ich auch geben kann.
In echter Demut und Liebe.

Weich
Mit meinen Augen, weit geöffnet,
wandle ich durch diese Welt.
Sauge staunend alles ein,
Fragenden Blickes nach Antwort mich giert,
Kummervoll sehend auch Schmerzen und Leid,
Lustvoll genießend, gern abseits des Weges,
Sprießende Blüten aus Liebe und Neid.

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Meins

Mein Schmerz
Meine Starre
Meine Trauer
Meine Schwäche
Meine Ernsthaftigkeit
Mein Hass
Mein Zorn
Mein Herz
Meine Beweglichkeit
Meine Liebe
Meine Freude
Meine Kraft
Meine Melancholie
Mein Humor
Meine Feinfühligkeit
Mein Gesichtssinn
Meine Seele
Meine Tiefe
Mein Tempo