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Auge in Auge
So stehen wir

Eine Begegnung hier im Raum

Ich bin da und du bist da

Eine Luke öffnet sich
Ein Blick in die Tiefe

Der weite Ozean
Aus dem wir alle kommen
Ich nehme ihn wahr
Spüre ihn tief in mir
Sehe auch dich darin
Wie kleine Einzeller
Mit dünner, durchlässiger Zellwand
Durchfließen wir die See
Durchfließt die See uns
Und füllt unser Inneres
Gleichzeitig fühle ich
Den Boden unter meinen Füßen
Meinen Körper in diesem Raum
Unseren Blickkontakt
Und wie ich ihn nicht nur aushalte
Sondern erwidere
Von Mensch zu Mensch
Mit einer Fülle von Geschenken:
Bewusstsein, Körper, Wahrnehmung, Persönlichkeit, Kontaktfähigkeit
Lebendige Dankbarkeit und Freude

Beim Sport nach Feierabend gerät mir eine Gesprächssequenz vom Vormittag wieder in den Sinn. Wie siehst du mich, Christina, würdest du mich eher als Extro oder als Intro sehen? Ich mag Schubladendenken nicht besonders, auch wenn es manchmal zur Orientierung beitragen kann. Aber wenn´s ihr hilft, ein positiveres neues Selbstbild zu entwickeln…was soll´s. Mit einer Vorahnung, keine „korrekte“ Antwort geben zu können, reagiere ich auf den Feedbackwunsch. Ich sehe dich eher als Extro, sage ich. Wäh, genau reingetappt. Hab schon wieder helfen wollen. Die Strafe folgt auf den Fuß in Form des nächsten Redeschwalls. Ja, könnte man meinen, nicht wahr? Mein Therapeut hat gesagt, das hätte ich mir antrainiert als Kind. Eigentlich bin ich eher Intro, erwidert sie. – Jetzt auf dem Crosstrainer, nachdem der stressige Arbeitstag von mir abfällt, bekomme ich den Kopf frei, um das Gespräch zu reflektieren. Meine Antwort war tatsächlich völlig egal. Es gibt doch immer Yin und Yang, die sich ergänzen und ineinandergreifen. Meistens steht halt ein Anteil einfach mehr im Vordergrund des Bewusstseins (und wohl auch des Selbstbildes). Als Wilbersche Archäologin hole ich den Pinsel raus und beginne, das Fundstück freizupinseln. Hm, interessanter Gedanke, spinne ich weiter: eigentlich bin ich ein Extro, den Intro habe ich mir nur antrainiert als Kind. Ich lache über die Vorstellung einer extrovertierten Christina. Aber dann werde ich ernster. Da ist tatsächlich etwas dran. Ich möchte die Offenheit, die in mir wohnt, herauslassen können. Das war mein Eingangsspruch in der Vorstellungsrunde zu Beginn der Ausbildung. Beides, die Zugewandtheit nach innen wie auch nach außen, sind Qualitäten, die in jedem von uns wohnen. Die Kunst ist es wohl, sie beide wahrnehmen zu lernen und im Idealfall zwischen beiden Polen wählen und nach Bedarf pendeln zu können. Hach, es gibt noch soooo viel zu lernen….

Als interessierte Leserin bekomme ich regelmäßig die Neuveröffentlichungen des Carl-Auer-Verlages zugeschickt. Ein Titel hat mich dort besonders assoziativ angesprochen, ohne dass ich das Buch dazu gelesen hätte und auch nicht weiß, ob ich je dazu kommen werde. Der Titel lautet: Bitte nicht helfen! Es ist auch so schon schwer genug. In der letzten Zeit ist er mir wieder vermehrt in den Sinn gekommen. Gerade, weil ich momentan eine Freundschaft sehr hinterfrage und reflektiere, steigt diese Phrase immer wieder in mir auf. Was wird da laufend in mir angetriggert, das diese Freundschaft so anstrengend macht? Was hat damals meine Sympathie und Öffnung für diesen Menschen bewirkt? – Ich spüre hin. Es hat etwas mit der Suche nach Gleichgesinnten, nach Seelenverwandten, zu tun, soviel ist klar. Dann wird es schwieriger und schwammiger. Es hat auch etwas mit helfen Wollen zu tun…etwas zum Guten wenden…zu einer Entwicklung beitragen…. Jeglicher wohl gemeinte Ansatz kommt verdreht und verzerrt bei diesem Menschen an und führt eher noch zu einer Verschlimmerung der Lage. Das wird sehr stark widergespiegelt, sodass ich häufig genug meinen Fuß nur in letzter Sekunde aus der Rechtfertigungsfalle ziehen kann und einmal mehr frustriert das Gefühl habe, gegen eine Wand gelaufen zu sein. Das Letztere ein Gefühl, das ich von ziemlich klein auf kenne. Ganz langsam, wirklich in Trippelschritten, lerne ich nun doch dazu. Ich beginne, bei jedem Hilfeimpuls innezuhalten und mich zu fragen, was mich da gerade wieder angetriggert hat, wofür ich das gerade mache, was ich damit zu bewirken beabsichtige, ob ich es wirklich tun sollte, ob meine Intention auch wirklich klar und rein ist und entsprechend rüberkommen kann, ob ich Erfolg für mich erwarte, oder wirklich frei von Erwartungen und offen für Entwicklung bin. Ein sehr mühseliges Geschäft. Das Wort Helfersyndrom spukt durch meinen Kopf. Was macht echtes Helfen WIRKLICH aus? – Eine Nuss, die es für mich noch zu knacken gilt. Eine Nuss, die meine Lebensträume und –visionen in Frage stellt…

02.11.2015


Update April 2016
Mittlerweile ist ICH etwas gefestigter und klarer abgrenzungsfähig. Doch es bleibt bei mir die Frage: Was macht die Qualität des Helfens eigentlich aus? Wie ist das bei Euch so? Wie seht Ihr das? Ich würde mich über Kommentare freuen!

Im Kreis
Gemeinsam tönend
Begleitet von der Shrutibox
Jeder in seinem Atemrhythmus
Jeder in seiner Tonlage
Weben wir einen Klangteppich
Ergibt sich ein Feld
Aus Energie
Freude steigt in mir auf
Erkenntnis wächst im Bauch
Im Herzen:
Ich bin ein Teil davon
Ein Faden in diesem Gewebe
Ohne mich
Fehlt eine Reihe
In diesem Teppich
Ohne die anderen Fäden
Gibt es keinen Teppich

Egoist! Schimpft der Vater gerne über dieses oder jenes. Das Kind versteht nicht. Was ist ein Egoist?, fragt es nach. Ein Ich-Mensch, erklärt der Vater. Jemand, der nur an sich denkt. Das Kind möchte ein liebes Kind sein. An sich denken ist nicht lieb. Das Kind gibt sich große Mühe, sich zu vergessen. Lange Zeit mit Erfolg. Sanft, leise, aber beständig protestiert das Herz. Der Vater kann sich doch nicht irren?!
***
Das heranwachsende Kind spürt einen beständigen, bohrenden Schmerz. Es beobachtet und denkt nach: die Menschen, die oft über Ich-Menschen schimpfen, schimpfen doch eigentlich, weil sie sich durch diesen Egoismus irgendwie bedrängt oder verletzt fühlen. Also denken diese Menschen ja auch an sich und sind selber und noch viel mehr als die anderen Ich-Menschen. Es spürt: Irgendetwas ist da faul an dieser Sache. Etwas setzt sich in Bewegung. Der Vater muss sich geirrt haben. Doch noch immer ist Ich-Mensch-Denkerei sehr negativ belegt für das heranwachsende Kind.
***
Der ist so egoistisch, hört die Frau. Sie muss bitter lächeln. Die Worte kommen aus dem Telefon. Immer wieder. Alle anderen sind egoistisch, weil sie keine Rücksicht auf SIE nehmen, der Sprecherin nicht den Platz anbieten, den sie sich selbst nicht zugesteht. Die Frau denkt an ihren Vater und erkennt: Egoismus ist Selbstfürsorge, Selbstliebe. Der Vater hat sich geirrt!
Das Herz spürt: irgendwo dazwischen liegt die Wahrheit. Die Kunst liegt in der Balance. Und in der Brille, die der Betrachter aufhat.

Sternenschwester
Die Luft ist klar
Und deine Augen auch
Tief ziehst du den Atem ein
Er füllt dich aus
Nährt deine Lebensflamme

Du schaust in diese Welt
Freundlich und unverstellt
Sternenschwester
Komm, tanz mit mir
Lass uns sprühende Bahnen ziehen
Im Kosmos die fernen Sonnen sehen

Geblendet von Allumfassenheit
Setzen wir Sonnenbrillen auf
Und unseren Weg auf dieser Erde fort
Doch erhellt uns innerlich
Unser eigenes Lebenslicht
Sternenschwester

Ich war ein Baum
Gut verwurzelt mit der Erde
Spürte ich die Säfte, die mich nährten,
in mir aufsteigen
Mein Stamm war fest und stark
Stabil in seinen Jahresringen
Die von Vergangenem erzählten
Nur ein Astloch war da
Dort, wo ein Ast ausgefallen war
In diesem Astloch hauste eine Eule
Die mochte ich sehr

Ich war ein Bison
Ich rannte mit der Herde
Etwas einzeln, für mich, doch rannte ich mit ihr
Ich rannte durch die Steppe, bis ich mich erhob
In den Himmel hinein rannte ich
Immer weiter
Ich sah die Herde unter mir, wie sie sich immer neu formte
Einzelne vergingen, andere kamen dazu
Ich sah sie rennen

Ich schwebte in das Blau des Himmels hinein
Ich ging auf im Blau
Und es war gut~~

Picasso

🙂

Ein Leben wie freihändig Fahrrad Fahren
Den Schal immer flatternd hinterher
Die Balance halten in all den Jahren
Damit es rollt, immer mehr
Das Rad dreht sich, und ich dreh mich mit
Manchmal halt ich mich am Lenker fest
Der Himmel ist blau und die Wolken ziehen schnell
Und ich schau dorthin, wo du gerade stehst
Erst durch dich kann ich mich richtig sehen
So bin ich und so bin ich nicht
Aber das verschwimmt alles in den tiefen Seen
Des Bewusstseins tiefes Licht
Grenzen ziehen und Grenzen lösen
Schreiend, rufend, im freien Fall
Zieh ich die Schnürsenkel durch ihre Ösen
Damit ich sicher stehe, drunten im Tal

Ich sah mich
Einen Moment lang
Doch er zog vorüber
Ich sah mich blitzen
Einen Moment lang
Und ich wusste:
Ich bin da
Hier stehe ich
Ich steige hinzu
Und fahre vorbei
Mit dem Moment