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vision einer perle

Lass mich noch einmal schlafen
Und träumen den großen Traum
Die Perle will noch reifen
Bevor sie wandert auf den Saum

Vielleicht noch zwei, drei Nächte
Die Perle ist wirklich groß
Sie glänzt ganz wunderbar muttern
Und vatern – was meint das bloß

Treffen die zwei aufeinander
Wird aus dem Ich ein Wir
Das dauerhaft hält zusammen
Und rund wird aus mir und dir

Dann öffne ich die Augen
Viel bunter ist jetzt die Welt
Alles leichter und erreichbar
Ich selbst als mein strahlender Held

Doch ist das dann noch wichtig
Ganz sicher bin ich mir nicht
Auf jeden Fall erfüllt mich
Dann ganz das innere Licht

















Hier und Jetzt
Ist alles gut
Es gibt nichts zu meckern
Aber auch keinen Mut
Es gibt Sehnsucht
Nach alten Tagen
Gedanken
Die nach Freiheit jagen
Doch nur im Untergrund
Abgeschirmt, tonlos

Vielleicht
Ein anderes Mal
Zu tief
Droht noch das Stimmental
Hier und Jetzt
Ist alles gut
Es gibt nichts zu meckern
Aber auch keinen Mut

Vielleicht ein anderes Mal

Mikro-Moment

Kalte Tatsachen
Im Moment verhaftet
Wo all die Nebenwirkungen spürbar sind
Im Körper
Gewackel in den Gliedmaßen
Wie Gummi fühlst du dich
Unrast im Körper
Doch der Geist
Steht still
Kann nicht
Darf nicht
Weiter denken
Nicht
Am Himmel kreisen
Wird der Mikro-Moment kostbar
In dem du
Mitten beim Gehen
Die Nebenwirkungen vergisst
Und dass du Medikamente nimmst
Nur, weil der Körper
In genau diesem Mikro-Moment
Genau das macht
Was du willst

Verwandte Texte:
Vorgänger-Gedicht: Medikamente und Selbstliebe
Text: Das, was jetzt gerade ist

Weg-mit-Herz

Der Weg mit Herz soll ein leichter sein
So sagst du mir durch die Blume
Sagst mir damit, mein Weg fühlt sich schwer für dich an
Vielleicht sei ich noch auf der Suche

Doch ich kann dir verraten: mein Weg ist der leichteste
Von allen, die sich mir bieten
Alles andere wiegt viel, viel schwerer
Und bringt mir Unfrieden

Mag sein, dass mancher Weg für dich leichter aussieht
Oder einfach nur bequem?
Mein Herz weiß genau, wohin es strebt
Irgendwann wirst du das auch sehn

So kann ich dich nur drum bitten:
Hab auch du Vertrauen
In mir ist es schon fest verankert
Brauchst nur runter zu schauen

Vertrauen ist auf meine Brust tätowiert
Nun warte ich ganz gebannt
Mög es bald bei dir heimisch sein
Mein lieber, guter Verstand

Kundalini-Schlange

Kundalini – das ist die Kraft der Schlange, die in jedem von uns schlummert und die uns mit ungeahnten Kräften und Fähigkeiten erfüllen kann. Wenn man vorbereitet ist…
Als ich zum ersten Mal von diesem Phänomen erfuhr und was es bedeutete, bin ich aus meiner Psychose-Wolke gefallen. Auch wenn ich innerlich das Gefühl hatte, dass in mir etwas Größeres und durchaus Gutes in Gang war, so war ich vorher insbesondere damit befasst, mich mit meiner Krankheit auseinanderzusetzen. Denn so wurde ich in meinem Umfeld gesehen: als krank. War ich hauptsächlich dabei, mich selbst zu bemitleiden und mit dem Kranksein irgendwie ein Stück Lebensfreude zu haben, so rückte dieses Phänomen alles wieder gerade in mir. Nicht, dass die durchaus krankhaften Züge in mir völlig weggeblasen wären. Aber ein tiefes Verstehen und Staunen setzte ein. Ein „Ach-soooo-Gefühl“. Den Blick auf die Schätze zu werfen, die da in uns vorhanden sind, ist doch viel erfreulicher und sowieso auch effektiver. Zum Beispiel habe ich in der letzten Zeit viel über Chakras gelernt. Und dass viel Wahrheit in der Chakrenlehre steckt. Und ich hatte zuvor überhaupt keine Ahnung davon. Wirklich null…
Mehr zur Kundalini-Kraft erfahrt Ihr hier.

gelbe-Tulpe

Gelb und grün vor Neid zu sein
Ist das wirklich so verwerflich?

Haben zu wollen
Was andere haben
Bringt mich mit meinem Selbst
Mit dem, was mir am Herzen liegt
In Kontakt

Sein zu wollen
Was andere sind
Bringt mich mit meinem Selbst
Mit dem, was mir am Herzen liegt
In Kontakt

Der Abgleich
Was ich haben will
Was ich sein will
Und was ich habe
Und was ich bin
Stärkt mich
Immer wieder

Die Balance zu halten
Stärkt die Sonne
Die mich
Von innen wärmt
Und Kraft gibt
Um alles wachsen zu lassen

Spiegelbild

Lang Ersehntes
Erhofftes
Tritt nun ein
So lange Einstudiertes
Eingeübtes
Lass es kommen
Spüre dein Herz klopfen
Die Vorfreude
Die Aufregung
Auch große Ängste
Vor Patzern
Vor Fehlern
Lass sie kommen
Verbinde dich
Vertraue
Und lausche
Alles ist genau so
Wie es sein soll
In diesem Moment

Nun atme tief durch
Wenn du es
Nicht schon vorher getan hast
Tritt heraus
Und zeige dich ihnen
Nur Mut
Es ist gut

Noch immer tanze ich allein
Doch ist das Gefühl ein anderes
Es ist ok, ich zu sein

Inmitten einer Gruppe
Beobachte ich
Andere
Mich
Uns

Es ist ok, ich zu sein
Noch immer tanze ich allein

6.4.2016

Komfortzone. Seit geraumer Zeit schon beschäftigt mich dieser Begriff. Weckt Assoziationen von Sofalümmeln und Entspanntheit. – In den Englischsessions an der Uni haben wir so etwas „False Friends“ genannt. Falsche Freunde.

Komfort – Bequemlichkeit. Was genau ist denn für das Gehirn bequem? Der Mensch ist größtenteils ein Gewohnheitstier. Eingetretene Denkmusterpfade, bekannte, einschätzbare Empfindungen, das ist das, was uns Sicherheit gibt und uns überlebensfähig macht. Hört sich soweit immer noch einigermaßen nett und harmlos an. Mag sein, dass der eine oder andere Sofalümmler sich irgendwann aus reiner Langeweile oder Neugier aus seiner Komfortzone begibt. Doch was ist, wenn mensch es im Laufe seines Lebens gelernt hat/lernen musste, es sich auf einem Nagelbrett bequem zu machen? Als Fakir des Lebens sozusagen? Meistens ist dieses Dasein als Fakir gar nicht so bewusst. Das Pieksen der Nägel bereitet Schmerzen. Mensch windet und dreht sich auf dem Nagelbrett, was das Leiden nicht verringert. Manchmal, wenn es doch ins Bewusstsein hochblubbert, kommt der Wunsch, dieses Nagelbrett zu verlassen und trotzdem bereitet die Vorstellung, einfach aufzustehen, Angst. Das Fühlen dieser Unbequemlichkeit von Nagelbrett ist so vertraut, dass es schon wieder eine Gewohnheit, eine Bequemlichkeit der Denkmuster, eine vermeintliche Sicherheit, darstellt.

Manchmal gibt es Menschen, die es schließlich doch aus innerem Antrieb schaffen, sich von diesem Falschen Freund von einer Komfortzone abzuwenden. Manchmal verharren Menschen im Jammern und spüren sich von unsichtbarer Macht auf dieses Nagelbrett gedrückt. Manchmal braucht es zusätzlich einen Fingerzeig, ein Wachrütteln oder eine Handreichung zum Aufstehen, jedenfalls eine Hilfestellung von außen (und die innere Bereitschaft, diesen Fingerzeig und diese Hilfe auch anzunehmen – kein „Ja…ABER“ gelten zu lassen).

Dann beginnt ein neuer Weg. Ein Weg auf unbekannteren, „unkomfortablen“ Pfaden. Einen neuen Beruf finden, etwas anderes als Fakir. Ein Studium der Innenarchitektur des Lebens, zum Beispiel. Damit mensch sich eine neue, eine echte Komfortzone einrichten kann.

14.11.2015

I. Die Enge überwinden

Meine Gedanken wandern. Sie wandern in die Zukunft.

Angst und Unsicherheit im Hinblick auf morgen. Ein Arzttermin. Was werde ich sagen?
Vorfreude und Planung im Blick auf nächste Woche. Eine Woche Urlaub. Ein Ferienhäuschen. Was nehmen wir mit? Was brauchen wir noch?

Dazwischen schweifen Blicke ins Hier und Jetzt. Sich auf den Weg zur Arbeit machen. Am Bahnsteig stehen. Menschen um mich herum. Haltestationen registrieren.

Der Arzttermin spielt sich immer wieder in den Vordergrund. – Du musst es ihr sagen…

Mein Hals wird eng. Wie wird sie reagieren, meine Psychiaterin? Sie ist so megavorsichtig. Ich kann sie ja auch verstehen, die große Verantwortung und so.

Doch hier geht es um mich! Um mein Leben. Um meine Autonomie. Und um Vertrauen in meinen Weg. Das ist es, worum ich bei ihr werben will. Vertrauen in mich, in mein eigenes Gespür.

Verzweiflung macht sich breit. Wie kann ich die richtige Kommunikation finden, wenn jede leidenschaftliche Äußerung als Anzeichen einer manischen Phase gedeutet werden könnte. Jede Träne als Zeichen psychischer Instabilität. Hab ich alles schon mit anderen Menschen in anderen Situationen erlebt. Wieviel Mensch darf ich bei ihr sein?

Vier Jahre lang war ich wieder das brave, angepasste Mädchen. Vor mir selbst und auch vor ihr. Habe jeden Ansatz kritischen Hinterfragens abspeisen lassen mit ihren wortgewandten rhetorischen Fragen, die mir die Argumente raubten. Mein wahres Selbst wieder stumm machten und nur aufs Funktionieren gerichtet waren.

Und doch habe ich es getan. Es ist einfach so passiert, eher zufällig anfangs. Immer öfter hatte ich meine tägliche Tablette vergessen. Bis ich irgendwann, als mir die Häufigkeit bewusster wurde, gedacht habe: nu brauche ich sie auch gar nicht mehr zu nehmen... – Der Mut, das Laufen ohne Krücke mal wieder zu wagen, war da.*

Bei den Kontrollterminen hatte ich mir jedes Mal vorgenommen, es ihr dieses Mal zu sagen. Aber immer blieben mir die Worte in der Kehle stecken. Stattdessen habe ich brav ihre üblichen Fragen beantwortet und mir neue Rezepte geben lassen. Es tat auch ganz gut, eine Extra-Packung als Sicherheitsnetz zu haben. Und ich habe mich selbst sehr genau beobachtet. Habe meine eigene Anti-Psychose-Checkliste, von der ich schon erzählt habe. Und mein Mann weiß es seit einiger Zeit auch.

Der Kloß im Hals ist immer noch da. Ist mächtig. Was kann ich tun, damit all das eben Durchdachte nicht zur Self-fulfilling Prophecy wird?

Mein Denken stößt gegen die Bande und wechselt die Richtung.

Und was ist, wenn ich nicht nur Vertrauen von ihr fordere, sondern auch selber Vertrauen in sie gebe? Ein bisschen Angst vor Enttäuschung ist da, aber ich spüre, das ist eine richtige Spur. Schließlich ist sie auch nur ein Mensch. Noch dazu einer, der mir eigentlich nichts Böses will.

Etwas weitet sich in mir. Ich atme Vertrauen. Fülle meine Lungen damit und lasse es weiter durchs Herz und bis tief in den Bauch strömen.

Der Kloß im Hals wehrt sich noch, aber er wird poröser. Weiteratmen. Vertrauen haben. Atmen. Ein. Aus. Pause. Der Kloß löst sich. Meine Augen fangen an zu brennen, doch bleiben sie ohne Tränen. Immerhin sitze ich in der U-Bahn. (Obwohl das auch kein echtes Tränen-Hindernis ist.)

Schließlich weitet sich meine Kehle endlich wieder. Mein Entschluss ist klar:
Morgen will ich es ihr, morgen werde ich es ihr sagen.

II. Frei sein

Ich bin durch! Ich habe es ihr gesagt! Irgendwie kamen die richtigen Worte. Ohne Vorbereitung, ohne zurechtgelegtes, vordiktiertes Herunterrattern von Argumenten. Ohne aufgesetztes Schuldbewusstsein und ohne gespielten Enthusiasmus bin ich schlicht bei mir geblieben.

Sie war ganz offen! Hat sich sogar für mich gefreut und mir die Rückmeldung gegeben, ich würde ganz klar und stabil wirken. So konnten wir ganz offen von meiner inneren Checkliste und anderen Vorsorgemaßnahmen sprechen.

Als ich die Praxis verlasse, fällt ein Gewicht von mir ab.

Die Sonne scheint vom grauen Himmel und auf dem Weg zur Bahn setzt leichter Regen ein. Ich freue mich. Halte mein Gesicht in die leichten, kalten Tropfen; überquere noch die Straßenkreuzung.

Dann drehe ich mich um, um den Regenbogen zu betrachten.

*Wichtige Bemerkung dazu!!! Ich will niemanden durch diesen Text dazu ermutigen, leichtfertig seine Medikamenteneinnahme abzubrechen! Zumindest eine Zeitlang sind Medikamente ein wichtiger, notwendiger Bestandteil für die Therapie! Bereits ein Jahr zuvor hatte ich mit meinem Therapeuten das Ausschleichen durchgespielt und von ihm Ermutigung erfahren, es mit meiner Ärztin zu besprechen, was ich aber nie geschafft habe. Es ist reiner Zufall gewesen, dass es schlussendlich so gekommen ist, wie ich es hier geschildert habe. Es ist wichtig, diese Sache mit jemand Fachkundigem vorher zu besprechen und dessen Meinung dazu zu hören!