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Ein Leben wie freihändig Fahrrad Fahren
Den Schal immer flatternd hinterher
Die Balance halten in all den Jahren
Damit es rollt, immer mehr
Das Rad dreht sich, und ich dreh mich mit
Manchmal halt ich mich am Lenker fest
Der Himmel ist blau und die Wolken ziehen schnell
Und ich schau dorthin, wo du gerade stehst
Erst durch dich kann ich mich richtig sehen
So bin ich und so bin ich nicht
Aber das verschwimmt alles in den tiefen Seen
Des Bewusstseins tiefes Licht
Grenzen ziehen und Grenzen lösen
Schreiend, rufend, im freien Fall
Zieh ich die Schnürsenkel durch ihre Ösen
Damit ich sicher stehe, drunten im Tal

Ich sah mich
Einen Moment lang
Doch er zog vorüber
Ich sah mich blitzen
Einen Moment lang
Und ich wusste:
Ich bin da
Hier stehe ich
Ich steige hinzu
Und fahre vorbei
Mit dem Moment

Ich bin

Still, nur das Rauschen
Von Wellen und Wind
Ein wenig Möwengeschrei
Und Mauersegler jagen weit oben
Landeinwärts
Lichtreflexe
Zitternd
Flimmernd
Von den Wellen
Spielen in deinem Gesicht
Zeichnen
Ihre Schrift auf deine Netzhaut
Geheime Zeichen
Von Kommen und Vergehen
Die Finger im Sand
Stellen von Kies
Du lässt einen flachen Stein über die Wellen springen
Zieht er zwei Kreise oder fünf
Ehe er untergeht
Um sich weiter runden zu lassen
Von der beständigen Kraft
Dem Atem der Erde

Dies ist ein Berg mit dreierlei Spitzen
Und ich kann sie alle erstürmen
Ich stehe vorm Ganzen und blicke hoch
Seh´, wie sie sich vor mir türmen
Mache dich auf, du, mein Hasenherz
Streiche ein letztes Mal über dein Fell
Tu einen Schritt aus dir heraus
Nimm einen Schluck aus dem Lebensquell
Und werde zum weißen Adler
Unter fast rundem Mond, leuchtend, ganz hell

Dann breite deine Schwingen aus
Erhebe dich über Baumkronen
Mach dich auf zu dem Höhenflug
Hin, wo Träume und Vergebung wohnen
Lass eine Feder hier als Pfand
Der Schnee dort oben liegt hoch
Blendet das Auge
Ist Trügerisch, doch
Birgt auch hohe Belohnung
Wie sie kein irdisch König vermocht

Der Adler steigt auf, in die luftige Welt
Wo Himmelsbläue ihn umgibt
Wo es Hänge, Klüfte, Bäche zu schauen gilt
Die Erhabenheit des Seins sich verschiebt
Von der ersten Spitze schaut er ins Land
Wolkenweite und Tal unter sich
Von der zweiten Spitze erblicket er
Vergebung und Milde für sich und für dich
Die dritte Spitze nun zeiget ihm
Die Liebe im Herzen auf ewiglich
Die Liebe im Herzen auf ewiglich

Steinerne Rosen

Vor den Augen des Lichts
Freundest du dich mit dem Boden an
Wirfst dich auf die Knie
Wälzt dich auf dem Rücken
Windest, überwindest dich
Hände, die tasten
Den Boden unter sich
Glatt und warm ist er
Niemand tritt nach
Kein Lachen erschallt
Würmer, Asseln, egal
Tief weiter unten
Fallen über andres her

Vor den Augen des Lichts
Bewegst du dich zitternd zu Musik
Erhebst dich wieder
Kommst auf die Knie
Auf die Füße zurück
Stehst neu, frisch wie ein Fohlen
Auf deinen Beinen
Bestaunst das Wunder, dass sie dich tragen
Wohin der Weg dich führt
Wohin du willst
Wohin du deinem Herzen folgst

30.03.2011

Dieses Leben ist ein Spielplatz
Mit allem, was das Herz begehrt
Sandkasten, Rutsche, Wippe, Schaukel,
Matschstelle, Federpferd,
Drehdings, Pingpong, Basketballkorb
Einer Bank am Rand zum Sitzen
Heimlich rauchen
Abends, wenn die Spielkinder weg sind
Ich kann alles machen, was ich will
Aber Ich merkt schnell, wie´s einsam wird,
Schratig und verquer
Denn ohne Du gibt es kein Wippen
Macht das Schaukeln nicht lange Spaß
Wir wollt spielen, denn alleine
Ist der ganze Scheiß nichts wert.

03/2011

Prolog
„Ein Wunder eigentlich, dass du bei all den Doppelbotschaften nicht schizophren geworden bist“, sagt meine Therapeutin in einer unserer Gesprächsrunden.


Gut 5 Jahre später
Urknall – Es fängt an
Bämm, schlagartig öffnen sich meine Augen. Ich bin hellwach, stehe unter Strom. Wieviel Uhr ist es? Zwei Uhr nachts? Was ist los? Ich muss etwas tun… Ich muss etwas tun…Ich muss…Ich stehe auf. Ideen sprießen. Die muss ich jemandem mitteilen. Alle schlafen. Das Internet ist immer wach. Also setze ich mich an den Rechner. Ich stürze mich in Kontakt, zwänge mich auf. Ein Verliebtheitsgefühl macht sich breit in mir. Verliebt in wen? In mich selbst? In die Welt? Zwei Wochen vergehen. Strotzend vor Energie, ein Erleuchtungsgefühl in mir, wenig Schlaf, so weitet sich mein Bewusstsein. Bin sehr aufnahmefähig in dieser Zeit. Rezeptiv. Meine Sinne explodieren. Alles fühlt sich weit an! Meine Poren – weit geöffnet! Ich atme Empfindungen mit meiner Haut. Ich tanke Erlebnisse. Kulturveranstaltungen, Freundesbegegnungen – die Welt ist so schön, so bunt, so vielfältig. Jetzt endlich fängt es an! Jetzt endlich entfalte ich mein Potenzial, bin ich wirklich ich!

Es entwickelt sich
Gleichzeitig wächst Wut heran. Wut auf die Vergangenheit. Die vielen Jahre der Unterdrückung und Überanpassung. Der Unfähigkeit, für mich selbst einzustehen. Was haben die mit mir gemacht? Was habe ich mit mir machen lassen? Mein Partner kriegt es jetzt ab. Berechtigtes wie auch Unberechtigtes. Endlose Diskussionen. Klärungsbedarf.
Irgendwie muss ich das alles rauslassen. Ich schreibe und schreibe. Kleine glossenartige Abschnitte. Gedichte, Hörspielideen für Skripte, auch Skizzen für Bilder kommen. Ich komme gar nicht mit mit dem Schreiben. Meine Gedanken rasen zu schnell für meine Finger. Meine Schrift wird fahrig. Habe immer eine Kladde dabei.
Es gibt eine Instanz in mir, die macht sich Sorgen. Die sieht, dass ich zu wenig Schlaf habe, dass er nicht gesund ist, der Rhythmus, den ich jetzt habe. Ich gehe zur Beratung. Sprühend vor Energie und wohl durchaus auch Charme erzähle ich von mir. Unternehme Versuche, die Kräfte in mir auszubalancieren. Nicht genug. Nicht ernsthaft genug. Es fühlt sich zu schön an!
Immer mehr Anteile in mir machen sich bemerkbar. Mein inneres Team wächst und jeder fordert seinen Platz. Viele Gespräche auch mit meinem inneren Kind. Es wächst, es wird groß, auf einmal sitze ich mir selbst auf dem Schoß. Jetzt ist aber Schluss! Steh für dich selber! Sage ich der großen Kleinen. Du kannst das nämlich! Zum Glück habe ich auch einen starken Therapeutinnenanteil in mir. Ich therapiere mich selber. Das geht. In langsamen Schritten. Aber es geht. Es gibt Punkte, die beginnen zu heilen. Ich söhne mich mit einigen hinderlichen, alten Glaubenssätzen aus: mit mir selbst, mit meiner Familiengeschichte, mit meinen Eltern – das hat positive Auswirkungen in meinem realen Leben bis heute.

Es kippt
Mein Neues Ich bläht sich auf. Erst spüre ich nur die Blicke beim Einkaufen. Dann auch, wenn ich aus dem Haus gehe. Überall stehen sie und interessieren sich für MICH. Mit Handys halten sie Kontakt. Machen Fotos, verständigen sich darüber, wohin ich gehe, was ich tue. Kameras überall. Ich fange an, Haken zu schlagen.
Von klein auf habe ich gelernt, zwischen den Zeilen zu lesen, nonverbale Signale zu deuten, Bildsprache zu verstehen. Jetzt wendet sich dieses Können gegen mich. Die Bildsprache entwickelt ein Eigenleben. Alles ist ein Bild für Alles, ist ein Bild für MICH. Es geht um mich, immer nur um mich. Explodierende Kerne in Fukushima? Ein Bild für mein Innenleben. Rebellen gegen Gaddafi? Rebellen gegen mich. Auch in der U-Bahn und im Großraumbüro wird es laut. Ich kann die Gespräche der anderen nicht mehr ausblenden. Nicht mit Logik wegerklären. Was wollen die alle von mir? Mich erziehen? Mir gar helfen? Wer will mich jetzt erziehen? Wer ist der Regisseur? Wer ist Freund, wer ist Feind? Haha, ich trickse euch alle aus! Ihr kriegt mich nicht, ihr kriegt mich nicht! Meine Gefühle kämpfen gegen meinen Verstand. Da tobt der Sturm.

Es spitzt sich zu
Wem kann ich noch trauen? Wo fühl ich mich sicher? Ich ziehe mich zurück. Düsternis kommt über mich. Verschwörungstheorien überall. Verschlüsselte Verständigung. Können die gar meine Gedanken lesen? Was wollen die von mir? Ich darf nichts mehr aufschreiben, möglichst auch nichts denken. Muss mich dicht machen. Unverletzbar.
Ich werde immer verzweifelter. Sehe kaum noch einen Ausweg. Fühle mich meistens elend. Weiß nicht mehr, wohin mit mir. Zwanghafte Suizidvisionen. Alles in mir wehrt sich dagegen. Ich will leben, ich will leben!
Manchmal streicheln mich die Stimmen aus der Umwelt. Flüstern mir gute Gedanken zu. Trösten mich. Machen mir Mut. Schließlich sagen sie mir wohlmeinend: Geh zum Arzt…geh zum Arzt… Der Gedanke setzt sich fest. Schließlich bekomme ich es auch ganz direkt an mich gerichtet von wohlmeinenden Menschen gesagt. Ich mache einen Termin. DREI Monate Wartezeit! Irgendwie überbrücke ich diese Zeit. Gehe immer weiter zur Arbeit. Mir fehlt ja nichts. Ich werd mich nur mal durchchecken lassen. Vielleicht verschreibt er mir ein Medikament, wenn es sein muss, damit ich wieder fröhlicher bin.

Krank!
„Ich glaube, Sie haben eine Psychose. Ich schreibe Sie dann mal krank“, sagt die Ärztin. Ich falle aus allen Wolken. Krank? So ein Quatsch. Mir fehlt doch nichts! Seit fast einem Jahr geht es mir so, und ich konnte immer arbeiten gehen. Die soll mir ein Medikament verschreiben, und gut ist.
„Sie sollten in eine Klinik gehen. Dort wird es besser werden.“
Eine Klinik…na, toll. Mit lauter Hirnis, was soll ich da? Und dann auch noch Schulmedizin. Die wissen doch gar nicht, was gut ist. Und auf den Spirit achten die schon gar nicht.
Ich gehe in die Klinik. Um Ostern herum, ein Jahr, nachdem es angefangen hat. Es ist Urlaubszeit. Nur notdürftige Versorgung. Kaum Beschäftigung. Wenig Ansprache. Gibt es hier keine Therapeuten? Wofür bin ich hier? Das Schlimmste ist der Geruch. Und das Heimweh.
Hier, von denen, will ich keine Medikamente nehmen. Das wird in einer Weise respektiert, die mir deutlich macht, dass man mich zur Einwilligung in eine medikamentöse Behandlung bringen will. Die Stimmen werden wieder ungnädiger. Tuscheln. Selektive Wahrnehmung mischt sich mit meinen Gedanken. Was will die hier? Die gehört nicht hierher! Die hat doch nix. Die Depressiven rotten sich zusammen. Ich werde blöd von der Seite angemacht. Nach ein paar ineffektiven Wochen halte ich es nicht mehr aus und entlasse mich selbst. Hier und so finde ich keine Heilung.
Was jetzt? Eine Tagesklinik soll die Lösung sein. Eine kurze Zeit geht es hier besser. Dann, nach einem Wochenendausflug, liege ich endlich völlig am Boden. Ich gebe jede Gegenwehr auf. Macht mit mir, was ihr wollt. Gebt mir Tabletten. Ich will nur, dass es endlich aufhört mit dieser Quälerei. Ich will, dass es besser wird!
Zurück in den stationären Aufenthalt. Diesmal endlich mit etwas mehr Behandlung. Kurze Gespräche, medikamentöse Einstellung, Ergotherapie (eher spärliches Angebot in engen, überfüllten Räumen), Höhepunkt ist die wöchentliche Tanztherapie. Auch Trommeln darf ich ein paar Mal gehen. Die meiste Zeit verbringe ich vor dem kleinen Aquarium oder bei den Rauchern am Eingang, um nicht so alleine zu sein. Mein Partner besucht mich jeden Tag nach der Arbeit. Das ist mein absolutes Highlight. Andere Kontakte lasse ich kaum zu. Dies ist kein Ort für gemütliche Treffen. Außerdem sind die meisten meiner Freunde unsicher im Umgang mit mir und brauchen nach all der Aufregung erstmal eine Pause.

Abwarten
Eigentlich ist alles hier nur ein Ausharren und Warten, dass es besser wird. Reizarmut hilft dabei. Mein Partner ist froh und erleichtert, mich sicher untergebracht und auf mich aufgepasst zu wissen. Fürs Lesen bin ich noch zu flirrig, kann mich nicht konzentrieren. Fernsehen gibt es nur im Gemeinschaftsraum. Scheißprogramm! Die Zeit zieht sich.
Die Medikamente schlagen endlich an. Es wird besser. Die Gedanken beruhigen sich, kommen fast zum Stillstand. Ich werde langsam und schläfrig. Ich, eine begeisterte Esserin, habe Ekel vor Essen und nehme rapide ab. Hab ich früher nur von geträumt. Jetzt macht mir das Tempo Angst. Will außerdem nur noch schlafen.
Schließlich hält man mich für bereit für den Übergang in die Tagesklinik. Hier hocken die Insassen viel aufeinander und mein Rückzugs- und Schlafbedürfnis überwiegen, also gehe ich meistens in den Ruheraum und döse auf dem Schlafsessel vor mich hin. Das missfällt den Schwestern hier. Ich bekomme neue Medikamente. Diese wirken bald besser. Das Schlafbedürfnis sinkt. Ich setze mich zu den anderen und lausche deren Unterhaltungen. Keiner so richtig auf meiner Wellenlänge, keine verwandte Seele in Sicht.
Nach und nach entstehen einige, wenige, lose Bekanntschaften. Eher Sympathien. Immerhin gibt es noch heute losen Kontakt. Zarte Annäherungen. Ich gebe mir Mühe, mich an gemeinschaftlichen Aktivitäten zu beteiligen. Das fiel mir schon immer schwer. Ist nicht leichter geworden. Richtig ätzend ist das zweiwöchentliche gemeinsame Kochen.
Acht Monate nach der Diagnose hält man mich endlich für so weit, dass ich die Tagesklinik verlassen kann.

Zurück ins Leben
Wie soll es nun weitergehen? Ich hänge in der Luft. Mein befristeter Anstellungsvertrag ist vor drei Monaten ausgelaufen. Ich hatte keine Kraft, um mein Recht auf Festanstellung nach vier Jahren zu kämpfen. Zu einer anderen Wiedereingliederungsmaßnahme kann ich mich nicht entschließen. Ich habe unfassbares Glück! Kaum bin ich entlassen, meldet sich eine Freundin mit einem Jobangebot aus ihrer Firma. Diese Firma ist Dienstleister für meine alte Firma, sodass ich sogar an den alten Ort zurückkehren kann, nur in eine andere Abteilung. Eine Halbtagsstelle im Büro – das werde ich wohl wuppen. Auch ohne Wiedereingliederung.
Es wird hart. Sehr hart! Niemand außer meiner Freundin weiß hier von meiner Vorgeschichte. Leistung wird verlangt und ich stehe medikamentenbedingt auf einer Leitung, die länger als üblich ist. Eine ungünstige, arbeitsreiche Phase als Einstieg. Alle sind voll beschäftigt. Mit Fragen weiterzukommen, gehört zur Firmenphilosophie. Wer fragt, gewinnt… Ich komme mit Fragen kaum weiter. Fahrige, unvollständige Erklärungen. Ungeduld. Vorwürfe. „Du hast schon wieder…“ Einer Kollegin passt aus irgendwelchen Gründen meine Nase nicht. Ihr Tonfall und ihre Umgangsform grenzen an Mobbing. Mein ohnehin nicht sehr großes Aggressivitätspotenzial wird durch die Medikamente noch mehr gedeckelt. Ich habe nichts entgegen zu setzen, nur mein Durchhaltevermögen. Meine Freundin schwankt zwischen Misstrauen in meine Wahrnehmung und eigener Wahrnehmung des hohen Aggressivitätsgrades meiner Kollegin. Ihr eigenes Erkennen der Situation gewinnt. Sie versucht zu vermitteln. Ein erster Schritt für mich, auch wieder mehr Vertrauen in die Richtigkeit meiner eigenen Wahrnehmung zu fassen.
Irgendwann bin ich schließlich doch eingearbeitet, erledige meine Arbeit angemessen und zuverlässig. Kommunikation und Integration in das Team fallen weiter schwer. Wieder kommt mir das Glück entgegen: die aggressive Kollegin verlässt das Unternehmen. Jetzt geht es aufwärts. Entfristung meines Vertrages, Aufstockung der Stundenzahl auf meinen Wunsch. Ich kann mich etwas mehr für Kommunikation im Team öffnen, muss nicht mehr so viel Energie in Selbstschutz investieren. Erstes Vertrauen kommt mir entgegen. Und auch Zutrauen. Mir werden verantwortungsvollere Aufgaben übergeben.

Ein Schritt nach vorn
Vier Jahre vergehen. Mein Vertrauen in mich und meine Wahrnehmung/Intuition wächst. Meine Dankbarkeit für das schlichte, leistungsfähige Funktionieren im Alltag wandelt sich nach und nach zum Wunsch, wieder einen Schritt nach vorne zu machen. Meine Lebensträume wieder aufzunehmen und zu verfolgen. Die Grunddankbarkeit für das (Wieder-? Neue?)Einssein von Körper, Gefühlen und Verstand bleibt.
Schließlich ergibt es sich, eher zufällig, aus einer Unterhaltung heraus, dass ich beginne, meine früher begonnene Ausbildung zur Selbsterfahrung und -entfaltung wiederaufzunehmen. Natürlich macht mir das auch Angst, denn damit fing alles an: Dass ich den Turbogang in meiner Entwicklung einlegen wollte, immer mehr als in die Vollen gegangen bin. Ich muss gut auf mich achten. Auch Partner und Freunde schauen besorgt, aber mein Drang, meinen Traum zu leben, ist größer. Und: an der Angst geht´s lang, das habe ich in der Therapie gelernt. Alles andere ist Vermeidung und Minderung der Lebensenergie, nacktes Überleben. Ich gebe gut auf mich Acht in der kommenden Zeit und frage auch mein Umfeld nach Alarmzeichen. Es geht alles gut! Meine Haltung hat sich verändert. Kein Turbogang mehr, bitte.

Heilung
Ich könnte weinen, so schön ist es! Ich habe meine Heilung gesehen! Während einer Meditation, die eigentlich auf ein anderes Thema zielte, bekam ich es ganz deutlich vor Augen. Und konnte es auch spüren. So schön, so schön! Ich nehme ein Ich wahr, ein gesundes, kleines Ich, das eine konkrete Form annimmt, nicht mehr nur so durch die Gegend wabert. Ehe man sich von einem Ich lösen kann, muss es ja überhaupt erstmal da sein. Da ist meine Entwicklung etwas gegenläufig zu der der anderen. Das ist mein Weg. Freude erfüllt mich und Zuversicht. Dafür war diese Episode also gut. Mein Energielevel steigt an. Eine Veranlagung zur Überstrapazierung meiner Nervenbahnen scheint in mir vorhanden zu sein, jetzt heißt es: Ruhe bewahren! Sich Zeit lassen. KEINEN Turbogang einlegen. Mit den Füßen auf der Erde bleiben und einfach bewusst genießen, was da kommt.
Hoffen wir das Beste!

Nachwort
Das ist mein Versuch, den Ablauf dieser Episode einigermaßen strukturiert nachzuvollziehen und zu rekapitulieren. In Wirklichkeit fand vieles parallel und auf vielen verschiedenen Ebenen statt.
Ich gebe es zu, ich bin überwiegend Materialistin. Ich glaube, dass so ziemlich das meiste sich in irgendwelchen Zellen abspielt und mit einem Begriff versehen werden kann. Feinstofflichkeit, meinetwegen. Mit Neurowissenschaften lässt sich bestimmt vieles begründen, was sich in mir abgespielt hat. Aber ich bin keine Neurowissenschaftlerin. Ich kann nur aus meiner Sicht sprechen und habe für mich wahrgenommen, dass eine Art Umprogrammierung von Nervenbahnen und –zellen innerlich spürbar stattgefunden hat. Reinigende Blitzlichtgewitter im Gehirn. Das explosionsartige Abplatzen einer Panzerung, ein starker Entwicklungsschub. Das habe ich hier nur schwer darstellen können. Aber ich möchte es nicht unerwähnt lassen. Und doch… und doch… ein Funke Glauben an das Höhere ist noch da. Wie setzt sich das Bewusstsein zusammen? Was macht das Wunder des Lebens aus? Wer kann das schon vollkommen abschließend sagen? Irgendetwas ist da. „I want to believe…“
Heute sehe ich diese Zeit als sehr schmerzhafte, wenn auch zum Teil unterhaltsame und anregende, Integrationsphase der initiierten Persönlichkeitsentwicklung an. Themen und Glaubenssätze, an denen ich sonst vielleicht ein Leben lang schwer zu knabbern gehabt hätte, haben sich aufgelöst oder sehr gelockert. Ich bin dankbar, es erlebt, es überlebt zu haben. Der Turbogang hat gewirkt. Aber er ist sehr risikoreich. Die eigenen Grenzen kennen, auch mal zu achten und nicht ständig zu überschreiten. Respekt vor sich selber und für das eigene Tempo zu haben. Das Ich nicht nur abwertend zu sehen als etwas, das man auflösen sollte, sondern auch als einen kostbaren Schatz, der uns zu Individuen macht und zu unserem Bestehen in dieser Welt befähigt. Nicht zu groß und nicht zu klein. Persönlichkeitsanteile in sich wahrnehmen und ihnen einen Platz zugestehen. Sie nicht ausblenden oder gar ausreißen wollen. Balance halten. Pausen einlegen. Das habe ich daraus mitgenommen.

Fragt man mich heute, wie es mir geht, kann ich vor mir selber eingestehen, ehe ich eine „normal“ verkraftbare Antwort gebe: Den meisten von mir geht´s gut, danke!

Stand 22.10.2015

Nebel wacht auf
Erhebt sich
Aus seinem wässernen Bett
Schlägt verschlafen mit den Flügeln
Während hinter der Brücke
Der Kanal noch träumt
Vom Lampionleuchten
Letzte Nacht
Von fröhlichen Stimmen
Von Bootsfahrt und Ruderern
Baumrinde erzählt ihre Geschichte
Indes
Wandernden Blickes
Im blanken Auge
Des Kaninchens
Das Läufe sich streckend wartet
Auf der anderen Straßenseite