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marotte

Geborgen im Höheren Sein
Nachsehend die menschlichen Marotten
Aus tiefstem Herzen dein
Denn sie füllen alle inneren Grotten
Ergibst du dich mutig dem liebevollen Lichtschein

Noch immer tanze ich allein
Doch ist das Gefühl ein anderes
Es ist ok, ich zu sein

Inmitten einer Gruppe
Beobachte ich
Andere
Mich
Uns

Es ist ok, ich zu sein
Noch immer tanze ich allein

6.4.2016

I. Die Enge überwinden

Meine Gedanken wandern. Sie wandern in die Zukunft.

Angst und Unsicherheit im Hinblick auf morgen. Ein Arzttermin. Was werde ich sagen?
Vorfreude und Planung im Blick auf nächste Woche. Eine Woche Urlaub. Ein Ferienhäuschen. Was nehmen wir mit? Was brauchen wir noch?

Dazwischen schweifen Blicke ins Hier und Jetzt. Sich auf den Weg zur Arbeit machen. Am Bahnsteig stehen. Menschen um mich herum. Haltestationen registrieren.

Der Arzttermin spielt sich immer wieder in den Vordergrund. – Du musst es ihr sagen…

Mein Hals wird eng. Wie wird sie reagieren, meine Psychiaterin? Sie ist so megavorsichtig. Ich kann sie ja auch verstehen, die große Verantwortung und so.

Doch hier geht es um mich! Um mein Leben. Um meine Autonomie. Und um Vertrauen in meinen Weg. Das ist es, worum ich bei ihr werben will. Vertrauen in mich, in mein eigenes Gespür.

Verzweiflung macht sich breit. Wie kann ich die richtige Kommunikation finden, wenn jede leidenschaftliche Äußerung als Anzeichen einer manischen Phase gedeutet werden könnte. Jede Träne als Zeichen psychischer Instabilität. Hab ich alles schon mit anderen Menschen in anderen Situationen erlebt. Wieviel Mensch darf ich bei ihr sein?

Vier Jahre lang war ich wieder das brave, angepasste Mädchen. Vor mir selbst und auch vor ihr. Habe jeden Ansatz kritischen Hinterfragens abspeisen lassen mit ihren wortgewandten rhetorischen Fragen, die mir die Argumente raubten. Mein wahres Selbst wieder stumm machten und nur aufs Funktionieren gerichtet waren.

Und doch habe ich es getan. Es ist einfach so passiert, eher zufällig anfangs. Immer öfter hatte ich meine tägliche Tablette vergessen. Bis ich irgendwann, als mir die Häufigkeit bewusster wurde, gedacht habe: nu brauche ich sie auch gar nicht mehr zu nehmen... – Der Mut, das Laufen ohne Krücke mal wieder zu wagen, war da.*

Bei den Kontrollterminen hatte ich mir jedes Mal vorgenommen, es ihr dieses Mal zu sagen. Aber immer blieben mir die Worte in der Kehle stecken. Stattdessen habe ich brav ihre üblichen Fragen beantwortet und mir neue Rezepte geben lassen. Es tat auch ganz gut, eine Extra-Packung als Sicherheitsnetz zu haben. Und ich habe mich selbst sehr genau beobachtet. Habe meine eigene Anti-Psychose-Checkliste, von der ich schon erzählt habe. Und mein Mann weiß es seit einiger Zeit auch.

Der Kloß im Hals ist immer noch da. Ist mächtig. Was kann ich tun, damit all das eben Durchdachte nicht zur Self-fulfilling Prophecy wird?

Mein Denken stößt gegen die Bande und wechselt die Richtung.

Und was ist, wenn ich nicht nur Vertrauen von ihr fordere, sondern auch selber Vertrauen in sie gebe? Ein bisschen Angst vor Enttäuschung ist da, aber ich spüre, das ist eine richtige Spur. Schließlich ist sie auch nur ein Mensch. Noch dazu einer, der mir eigentlich nichts Böses will.

Etwas weitet sich in mir. Ich atme Vertrauen. Fülle meine Lungen damit und lasse es weiter durchs Herz und bis tief in den Bauch strömen.

Der Kloß im Hals wehrt sich noch, aber er wird poröser. Weiteratmen. Vertrauen haben. Atmen. Ein. Aus. Pause. Der Kloß löst sich. Meine Augen fangen an zu brennen, doch bleiben sie ohne Tränen. Immerhin sitze ich in der U-Bahn. (Obwohl das auch kein echtes Tränen-Hindernis ist.)

Schließlich weitet sich meine Kehle endlich wieder. Mein Entschluss ist klar:
Morgen will ich es ihr, morgen werde ich es ihr sagen.

II. Frei sein

Ich bin durch! Ich habe es ihr gesagt! Irgendwie kamen die richtigen Worte. Ohne Vorbereitung, ohne zurechtgelegtes, vordiktiertes Herunterrattern von Argumenten. Ohne aufgesetztes Schuldbewusstsein und ohne gespielten Enthusiasmus bin ich schlicht bei mir geblieben.

Sie war ganz offen! Hat sich sogar für mich gefreut und mir die Rückmeldung gegeben, ich würde ganz klar und stabil wirken. So konnten wir ganz offen von meiner inneren Checkliste und anderen Vorsorgemaßnahmen sprechen.

Als ich die Praxis verlasse, fällt ein Gewicht von mir ab.

Die Sonne scheint vom grauen Himmel und auf dem Weg zur Bahn setzt leichter Regen ein. Ich freue mich. Halte mein Gesicht in die leichten, kalten Tropfen; überquere noch die Straßenkreuzung.

Dann drehe ich mich um, um den Regenbogen zu betrachten.

*Wichtige Bemerkung dazu!!! Ich will niemanden durch diesen Text dazu ermutigen, leichtfertig seine Medikamenteneinnahme abzubrechen! Zumindest eine Zeitlang sind Medikamente ein wichtiger, notwendiger Bestandteil für die Therapie! Bereits ein Jahr zuvor hatte ich mit meinem Therapeuten das Ausschleichen durchgespielt und von ihm Ermutigung erfahren, es mit meiner Ärztin zu besprechen, was ich aber nie geschafft habe. Es ist reiner Zufall gewesen, dass es schlussendlich so gekommen ist, wie ich es hier geschildert habe. Es ist wichtig, diese Sache mit jemand Fachkundigem vorher zu besprechen und dessen Meinung dazu zu hören!

Der letzte Tag des Jahres ist da, und ich liege gesundheitlich angeschlagen im Bett. Kopf und Ohren dröhnen und schmerzen, Nase ist dicht, Hals brennt. Blöd!

So kann ich nicht schlafen, aber zum Wachsein bin ich zu schlaff. Ich hänge zwischen den Welten in diesem dösigen Zustand, den man auch oft vor dem Einschlafen hat. Fast wie im Traum tauchen zusammenhängende Bilder und Gedanken vor mir auf. Eine Art Bilanz meiner bisherigen künstlerisch-kreativen Laufbahn von der Oberstufen-Schulzeit übers Studium bis zur Ergotherapie in der Klinik damals.

Immer wieder taucht die Erinnerung an ein Praxisseminar an der Uni vor mir auf. Damals hatte ich ein Seminar zur Einführung in verschiedene Drucktechniken belegt. Der Honorardozent, selber ein bildender Künstler, hatte als frei auslegbares Oberthema „Selbst“ gewählt, das er uns in einer angenehm sachlichen Art in guter Balance zwischen planerischem Denken und Offenheit für Zufallseffekte näherbrachte. Der Kurs hat mir viel Spaß gemacht, denn zu dieser „schwarzen Kunst“ zieht es mich seit der Oberstufenzeit hin.

Besonders eine Technik, die ich bisher nur dieses eine Mal durchgeführt habe, ist mir hängen geblieben: Aquatinta. Eine Ätztechnik, bei der man in mehreren Stufen abwechselnd die Druckplatte imprägniert und in die Ätzlösung legt, sodass durch verschiedene Helligkeitsstufen das Motiv erkennbar wird. Eine für mich recht anspruchsvolle, aber reizvolle Aufgabe, denn hier braucht es eine gut strukturierte und umgekehrt logische Denkweise. Man muss sozusagen negativ denken – alle Stellen, die hell bleiben sollen, müssen mit dem dunklen Lack imprägniert werden.

Es ist das einzige Werk in diesem Kurs, in dem ich mich dazu überwinden kann, mich vor den Spiegel zu setzen und ganz konkret Gesichts- und Wesenszüge einzufangen versuche. Nachdem ich also zögerlich in einigen Strichen mein Gesicht auf ein Blatt Papier skizziert habe, beginne ich mit der Übertragung und Planung für den Druckstock.

Negativ denken macht Spaß! Das Pferd von hinten aufzuzäumen scheint wohl eine Wesensart von mir zu sein, wie ich so im allgemeinen Rückblick feststelle.

Irgendwann schließlich kommt es endlich zum Druck. Gespannt auf das Ergebnis drehe ich das Papier um, nachdem es aus der Druckerwalze kommt, und bin platt. Es ist ein absoluter Wow-Effekt! Aus ein paar eher unmotivierten Linien ist eine verschiedenstufig abgetönte Fläche entstanden. Zufall und Planung haben sich auf wunderbare Weise ergänzt. Ich freue mich riesig, dass ich das Prinzip des Negativdenkens richtig verstanden und angewendet habe. Das Motiv ist zufälligerweise mein Gesicht und eher zweitrangig für mich.

Mit diesem Erfolgsgefühl komme ich einige Zeit später auf Heimatbesuch und präsentiere die Ergebnisse aus diesem Kurs. Wie so oft wird alles mit einem freundlichen Nicken abgetan. Doch bei dem Aquatintaselbst hält meine Mutter kurz die Luft an. Meine Begeisterung kommt nicht richtig an. Ihr Mund wird zu einem Strich. Dann holt sie aus und schlägt mir ein „Die Kinnpartie ist zu breit geworden“ um die Ohren. Das war´s.

Freude und Begeisterung sacken in mir wieder zusammen. Für eine lange Zeit kann ich diesen Druck nicht ohne diesen Schmerz betrachten, bis beides in Vergessenheit versinkt.

Mein Traumbewusstsein wandert zur nächsten Station. In der Klinik, in der ersten Zeit auf der Station, hatte ich das kurze Glück, dass die Ergotherapieabteilung relativ spärlich besucht war. So hatte der ehrenamtlich dort arbeitende Künstler dort unten im Keller etwas intensivere Betreuungszeit für mich übrig. Ohne von meiner Vorliebe fürs Drucken zu wissen, schlägt er mir bei meinem ersten Besuch dort unten vor, einen Linolschnitt zu machen. Sehr untypisch, wie spätere Erfahrung zeigt. So kann ich mich dem Thema während meiner Krankheit wieder annähern. Das schrittweise Vorgehen wirkt sehr strukturbildend, was mir in dieser Phase der Psychose mit mangelnder Konzentrationsfähigkeit sehr gut tut, weil es das Tempo aus meinen Gedankenströmen herausnimmt. Es gelingt mir in dieser Zeit, einen Linolschnitt anzufertigen. Schließlich aber füllt sich die Klinik und damit die Ergotherapie wieder nach den Ostertagen. Der Künstler nimmt die scharfen Ausschabewerkzeuge wieder unter Verschluss, hat keine Zeit mehr für mich, der Platz in den engen Räumlichkeiten wird knapper, die Acrylmaler breiten sich mit Staffeleien, Modellen und Betreuungsansprüchen aus. Ich ziehe mich zurück.

Nach einiger Zeit lerne ich doch noch etwas Neues kennen, eine malerische Technik diesmal. Ich fange an, mich ein wenig mit Seidenmalerei zu befassen. Materialbeschaffenheit und Farbgestaltungsmöglichkeiten gefallen mir. Auch hier kann/muss man mit Konturen arbeiten. Auch wenn es aufgrund der Enge in den Räumlichkeiten relativ schwer ist, fertige ich drei sehr verschiedenartige Tücher an. Handwerklich sicherlich noch ausbaufähig – die Gestaltung beruht sehr auf Versuch und Irrtum – gefallen mir die Motive dennoch. An diese drei Tücher denke ich jetzt im Traumbewusstsein. Und ein Geschenk kommt zu mir, eine Erkenntnis: Dieses kreative Tätigsein ist doch eine wunderbare Gabe! Sie ist nicht so selbstverständlich, wie ich sie immer abgetan habe. Und sie ist meiner Wertschätzung würdig. Ich brauche mich nicht mehr mit dem Kämpfen und Resignieren im Wunsch nach einem echten „Das hast du gut gemacht“ meiner Familie abzustrampeln. Ich darf und kann mir selbst ein „Das hast du gut gemacht“ geben. Und genau in diesem Moment spüre ich die Sehnsucht und gleichzeitig die Tatkraft in mir, endlich wieder negativ zu denken und künstlerisch tätig zu werden. Dazu brauche ich nur geeignete Räume und etwas Anleitung. Wieder einmal bin ich so dankbar, in dieser großen, wunderbaren Stadt mit ihren vielfältigen kulturellen Angeboten gelandet zu sein. Mein Tor zur Welt.

31.12.2015
Aquatintaselbstwerdung

Eine sehr auf Äußeres bedachte Kollegin fasst es als Erste in Worte:
„Du siehst irgendwie anders aus. Warst du beim Friseur?“ – „Nein.“

„Hast du neue Ohrringe?“ – „Nein.“
„Hm, komisch.“
Irritiert macht sie sich wieder an die Arbeit.

Mein inneres Lächeln bahnt sich einen Weg in mein Gesicht. Mir dämmert, was sie meinen könnte… Es ist mein erster Arbeitstag nach einem sehr intensiven Ausbildungsmodul. Aus eigenen Beobachtungen weiß ich, dass die ganzheitlichen Selbsterfahrungsübungen, die wir dort durchführen, oft wie eine auch optisch wahrnehmbare Frischzellenkur wirken. Gesichter werden feinporiger, rosiger und glätten sich. Oftmals wird die gesamte Ausstrahlung heller, ganz abgesehen von der körperlichen Seite. – Das dürfte mittlerweile nichts ganz Neues mehr sein. Aber etwas sehr Neues gab es diesmal für mich. Ich habe meine Selbst-Heilung an ganz, ganz tief sitzenden Punkten gespürt und gesehen. Eine Art Verdichtung. Etwas hat sich zusammengefügt und eine klaffende Lücke endlich, endlich dauerhaft und stabil verschlossen. Das erfüllt mich mit einem Frieden, wie ich ihn noch nie verspürt habe.

Ich schaue auf meine Finger. Sie sind nicht mehr durchscheinend. Als wäre der Beam-Vorgang abgeschlossen und mein Körper vollständig materialisiert auf diesem Planeten. Scotty hat gute Arbeit geleistet.

Ich bin angekommen. Endlich kann ich mit den anderen spielen gehen ohne Angst vor den frechen Kindern am anderen Ende der Straße, vor denen meine Eltern mich immer gewarnt haben.

Er hat mich zum Gespräch gebeten. Er macht sich Sorgen, weil ich wieder angefangen habe zu schreiben. Er will, dass ich mit ihm spreche. Ihm das mitteile, was in mir vorgeht. Er hat Sorge, dass „es“ wieder losgeht. Seine Alarmglocken gehen schnell an. Bei jeder Regung von Lebensfreude in mir, bei jedem Fließenlassen von Ausdruck, wie zum Beispiel Schreiben. Seine Psycho-Allergie macht es nicht leichter, mich ihm mitzuteilen. Seine Abwehrkräfte sind so schnell aktivierbar. Zu einem Teil aber kann ich seine Sorge verstehen. Auch ich beobachte mich. Gehe Körperempfindungen durch, gehe meine persönliche Anti-Psychose-Checkliste durch. Versuche, eine Ausgewogenheit zu finden von expressiver Äußerung, z.B. Schreiben, Alltagsgelebe, Ruhepausen und gemeinsam verbrachter Zeit.
Ich lasse mich ein. Erkläre ihm die Gedankengänge, die ich niederschreibe, um sie für mich klarer zu kriegen. Erkläre, woher manch ein Gedankenfragment, ein Gefühl, herkommt, dass ich manchmal hinterfrage. Zum Beispiel über das Helfenwollen und die wirklichen Motive zum Helfen. Gehe in meine Kindheit und versuche, es ihm aufzurollen. Noch während ich rede, macht sich ein resignierendes Gefühl in mir breit, doch ich versuche es weiter. Sein Gesichtsausdruck und seine Reaktionen verraten mir, dass er meine Not, meine Unzufriedenheit hinter dem Ganzen nicht so recht erfassen kann; doch ein Hauch kommt bei ihm an. Und er gibt mir etwas ganz Kostbares: ein Feedback, wie er mich sieht. Dass er keine Notwendigkeit sieht für meine Weiterentwicklung. Dass ich gut bin, so wie ich bin. Ich sehe seine Selbstauskunft in dem Feedback. Aber ich nehme es an. Eine unerwünschte Analyse seiner Worte würde seine Psycho-Allergie aktivieren. Damit wäre keinem von uns geholfen. Ich schaue auf die liebevolle Seite seiner Äußerungen und das Spiegelbild seiner Außenwahrnehmung von mir und öffne das Beziehungs- und Sachohr weiter: es zeigt mir, dass ich dabei bin, mich in meinem Perfektionismus zu versteigen. Dass ich wieder in dem Film der harten Selbstkritik und zu großen Ansprüche gefangen zu werden drohe. Erschöpft beenden wir das Gespräch einvernehmlich, packen die schweren Themen beiseite und beschließen, nun den Feierabend zu genießen.


Das Gespräch wirkt nach. Zwei Tage später erinnere ich mich daran, wie ich mich vor einiger Zeit mit einem positiven Schatten befasst habe: der nur schwach ausgeprägten aggressiven Seite, die zu mangelhaftem Durchsetzungsvermögen führt – meine verdammte Sanftmut. Segen und Fluch in einem. In einem Ritual hatte ich mich doch dafür entschlossen, für sie zu gehen, sie anzunehmen als den Schatz, der sie auch ist. Irgendwie hatte ich das wieder vergessen. Mit diesem Blickwinkel kann ich auch die anderen Selbsterkenntnisse entspannter und erwartungsfreier sehen.
Der herausgenommene Druck erleichtert und entspannt die Kommunikation zwischen ihm und mir (und mir und mir).
Ich bin dankbar für die Erdung, bin meinem Fels in der Brandung dankbar. Und das sage ich ihm auch.

Hab ein neues Wort gelernt: Titration – Feindosierung, eine Fingerfertigkeit, die bei der therapeutischen Arbeit unbedingt angebracht ist.
Das Wort schwingt in mir mit und hallt von allen inneren Wänden zurück. Feindosierung – eine Fingerfertigkeit, die ich gerne mehr hätte. Vielleicht übe ich sie gerade bereits, bin nicht ganz sicher.
Seitdem ich in meine Ausbildung wiedereingestiegen bin, merke ich, wie auch alle Sinnlichkeit wieder mehr zum Leben erwacht. So schön es sich auch anfühlt, es macht mich auch sehr wachsam, um nicht zu sagen, alarmbereit. Die Neigung zu einer nervlichen Überstimuliertheit mit psychotischen Folgen und die Liebe zur Selbsterforschung verlangen eine Ausbalancierung, die tatsächlich ein Gefühl für die richtige Schrittgröße benötigt. Es ist ein Tanz um den Vulkan.
Auch von außen bekomme ich die Notwendigkeit dieser Kunst gespiegelt, wenn wieder mal eines meiner Hilfsangebote gegen die Wand gefahren ist. Irgendwie kriege ich es (noch) nicht hin, das zu kommunizieren, was ich wirklich ausdrücken will. Dabei einladend und offen zu sein und das auch auszustrahlen.

Ein Glück, dass ich ganz gerne mal tanze. Und der Vulkan birgt ein Risiko, das auch Nervenkitzel verspricht. Hab schon immer gerne passgenau gearbeitet… No risk no fun. Und es übt den seelischen Gleichgewichtssinn.

Und doch: etwas in mir verbietet es mir, mich an anderen zu erproben, diese Kunst am Gegenüber zu üben. Ein ethisches (oder moralisches?) Dilemma für mich. Doch von meinem Traum loslassen? Tut sehr, sehr weh, diese Vorstellung. Trotzdem, irgendwie eine richtige Spur…

Als ich sichtbar wurde
Als mir ein Rückgrat wuchs
Und ich Gestalt annahm
War es schon spät
Millionen von Jahren waren vergangen
Ganze Erdzeitalter
So kroch ich aus dem Meer
Und erkundete das Land
Manchmal sitze ich am Strand
Kostbar fühlt sich mir der Sand unter den Fußsohlen an
Und blicke voll Liebe und Ruhe
Manchmal auch Sehnsucht
Aufs weite Meer hinaus

 

Wetter Helgoland Regenschauer

Auge in Auge
So stehen wir

Eine Begegnung hier im Raum

Ich bin da und du bist da

Eine Luke öffnet sich
Ein Blick in die Tiefe

Der weite Ozean
Aus dem wir alle kommen
Ich nehme ihn wahr
Spüre ihn tief in mir
Sehe auch dich darin
Wie kleine Einzeller
Mit dünner, durchlässiger Zellwand
Durchfließen wir die See
Durchfließt die See uns
Und füllt unser Inneres
Gleichzeitig fühle ich
Den Boden unter meinen Füßen
Meinen Körper in diesem Raum
Unseren Blickkontakt
Und wie ich ihn nicht nur aushalte
Sondern erwidere
Von Mensch zu Mensch
Mit einer Fülle von Geschenken:
Bewusstsein, Körper, Wahrnehmung, Persönlichkeit, Kontaktfähigkeit
Lebendige Dankbarkeit und Freude

Ich war ein Baum
Gut verwurzelt mit der Erde
Spürte ich die Säfte, die mich nährten,
in mir aufsteigen
Mein Stamm war fest und stark
Stabil in seinen Jahresringen
Die von Vergangenem erzählten
Nur ein Astloch war da
Dort, wo ein Ast ausgefallen war
In diesem Astloch hauste eine Eule
Die mochte ich sehr

Ich war ein Bison
Ich rannte mit der Herde
Etwas einzeln, für mich, doch rannte ich mit ihr
Ich rannte durch die Steppe, bis ich mich erhob
In den Himmel hinein rannte ich
Immer weiter
Ich sah die Herde unter mir, wie sie sich immer neu formte
Einzelne vergingen, andere kamen dazu
Ich sah sie rennen

Ich schwebte in das Blau des Himmels hinein
Ich ging auf im Blau
Und es war gut~~