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Abendspaziergang

Mit schimmernden Augen schauen wir
Auf die elektrisch leuchtende Bahn
Und danach, mit schimmerndem Blick,
Schauen wir uns zärtlich an.
Du küsst mir sanft auf die Stirn,
Reibst deinen Bart an mir.
Eine Mücke führt ihren Tanz
Um uns herum.
Wir verharren als Naturdenkmal
Für diesen Augenblick.
Die Feldlerche singt
Letzten Gruß für heute
Im Dämmerlicht.
Die meisten Flieger schlafen schon.

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Steinerne Rosen

Steinerne Rosen

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Flashback in Schön

Einer dieser Momente,
wenn der Küchentresen wieder auf Augenhöhe ist.
Du scheinst zu schrumpfen,
wirst wieder klein.
Nah an der Erde,
dem Himmel so fern,
ist alles, was zählt,
dein Tun und dein Sein.
Du spielst auf dem Boden,
formst Kugeln daraus
und Würste, die du
auf dem Brettchen verkaufst.
Der Vater bezahlt mit Schokoladengeld
Heute vielleicht auch dein Mann
Jedenfalls dein goldener Held.
Irgendwann wächst du wieder
Der Himmel nähert sich
Du schüttelst dich kurz durch,
gehst
Und deckst in Gedenken an deine Kindheit den Balkontisch.

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Wiederannäherung

Die Welt ist eine Scheibe
Und ich dreh mich mit ihr
Ich lern gerad erst zu beschreiben
Erst später kommt die Kür
Solang guck ich in den Himmel
Und ich zeichne eine Tür
Von Sirius bis Rigel
Von Beteigeuze bis zu dir

Träum uns große Wolkenschlösser
Mit Geheimtüren und nem Park
Unser Kater wird zum Tiger
Und wir zwei sind riesenstark
Ach, ich würd so gern frei sprechen
Selbstbewusst singen wie ne Lassie-Singerin
Schreien in die ganze Welt: Ich bleib doch die Siegerin!

Doch hier sitz ich, summe leise
Eine hübsche kleine Weise
Fürs Glücklichsein, für dich und mich
Ein Anfang, immerhin.

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Friendly Reminder

Haveyoulovedyourselftoday

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Flashback – Der Zug

Ich glaube, heute Morgen habe ich Hirnwurst gefrühstückt. Jedenfalls kringelt sie sich durch meinen Kopf.
Ich schaffe es nicht, mich energetisch aufzuladen, fühle mich zu schwach. Da kommen die Hirnwürste, ganz alte, wieder zum Vorschein. Gut abgehangen, knüppelhart, kann man sie eigentlich höchstens in hauchdünnen Scheiben genießen. Mir baumeln sie aber komplett um die Ohren und knüppeln auf mich ein.
Ein uraltes Bild taucht vor meinem inneren Auge auf. Heute kann ich mich nur schwer dagegen wehren. Ich, als kleines Mädchen, ungefähr drei Jahre alt, sitze in einem Zug, allein. Nur mit meinem Kuscheltier. Es ist kein echter Zug. Er ist aus Holz und steht auf der Spielwiese meines Kindergartens. Um mich herum toben und spielen die anderen Kinder. Dieser Zug ist uninteressant für sie. Er bewegt sich nicht. Sie bewegen sich lieber selber. Darum ist er für mich genau richtig. Eine Insel, Symbol für mein Mich-weit-weg-Wünschen, hilft er mir über meine Sprachlosigkeit und Starre hinweg.
Die habe ich mir selber auferlegt. Wenn ich gar nichts sage, kann „es“ auch nicht aus mir herauskommen. Ich soll nämlich nichts davon erzählen. Von dem, das ich nicht verstehe zuhause. Bestimmt hat mir jemand versucht zu erklären, dass es dem Papa ganz, ganz schlecht gehe. Dass man ihn nicht stören dürfe. Dass er in den Beinen kein Gefühl mehr hätte und deshalb nicht merken könne, wenn man ihm Legosteine in die Schuhe tue.
Wirklich konkret erinnern kann ich mich nur an eines – wie mir eingetrichtert wird, was ich zu sagen habe, wenn mich jemand fragt, wie es ihm gehe: „Den Umständen entsprechend.“ Ich verstehe diesen Satz nicht. Ich weiß nicht, was „Umstände“ sind. Ich frage nicht nach. Ich sehe ihren Kummer. Und höre auf zu sprechen. Unbemerkt von meiner Familie.
„Christina hat heute wieder ihren Mund zuhause vergessen“, scherzen die Kindergärtnerinnen oft morgens mit mir. Darüber muss ich immer kichern. Und mir prüfend ins Gesicht fassen.
Sprechen tue ich noch, aber nur das Nötigste, mit Menschen, die „die Umstände“ kennen, um ein braves Kind zu sein. Ansonsten nur im Spiel mit mir selbst. Leise. „Die Umstände“ sind unaussprechlich.
Nun sehe ich mich also in diesem Zug. Ein kleines Mädchen, das darauf wartet, dass er endlich losfährt. Zur Abreise bereit.
***
Irgendwie schaffe ich es doch noch aufzustehen, zu duschen, mich anzuziehen und zur Arbeit zu gehen. Thank God it´s Friday!
Nehme zaghaft Verbindung zu den Menschen in meiner Umgebung auf. Komme langsam aus meinem Selbstmitleidssumpf heraus. Kann mich von dem Bild lösen.
Liebevoll auf dieses kleine Mädchen schauen und ihm sagen: „Ich bin da für dich, bei mir brauchst du nichts zu sagen, ich weiß es schon alles. Bei mir darfst du einfach sein“. Und mir wird klar, der Zug bin ich.

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Frohes neues Jahr! :)

Glück, Gesundheit, Freude, Liebe & ein bisschen zauberhaften Glitter

Glück, Gesundheit, Freude, Liebe & ein bisschen zauberhaften Glitter

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Mein Herz

Mein armes, verletztes Herz
Mein geliebtes, liebendes Herz
Mein starkes, waches Herz
Mein kraftvolles, sinnliches Herz
Du bist in mir
Du schlägst in mir
Du bewahrst meine Kraft
Du füllst mich mit Leben

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Vertrauen

Ich bin gefallen
Und habe geschrien.

Danach war alles dunkel und leer.
Und leicht. So leicht.
Ungläubigkeit breitet sich aus.
War ich das wirklich?
Habe ich das getan?
Und ihr seid noch hier?
Und habt mich noch lieb?

Ja, haben sie gesagt.
Ja!