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Einrichtungskunst für Komfortzonen

Komfortzone. Seit geraumer Zeit schon beschäftigt mich dieser Begriff. Weckt Assoziationen von Sofalümmeln und Entspanntheit. – In den Englischsessions an der Uni haben wir so etwas „False Friends“ genannt. Falsche Freunde.

Komfort – Bequemlichkeit. Was genau ist denn für das Gehirn bequem? Der Mensch ist größtenteils ein Gewohnheitstier. Eingetretene Denkmusterpfade, bekannte, einschätzbare Empfindungen, das ist das, was uns Sicherheit gibt und uns überlebensfähig macht. Hört sich soweit immer noch einigermaßen nett und harmlos an. Mag sein, dass der eine oder andere Sofalümmler sich irgendwann aus reiner Langeweile oder Neugier aus seiner Komfortzone begibt. Doch was ist, wenn mensch es im Laufe seines Lebens gelernt hat/lernen musste, es sich auf einem Nagelbrett bequem zu machen? Als Fakir des Lebens sozusagen? Meistens ist dieses Dasein als Fakir gar nicht so bewusst. Das Pieksen der Nägel bereitet Schmerzen. Mensch windet und dreht sich auf dem Nagelbrett, was das Leiden nicht verringert. Manchmal, wenn es doch ins Bewusstsein hochblubbert, kommt der Wunsch, dieses Nagelbrett zu verlassen und trotzdem bereitet die Vorstellung, einfach aufzustehen, Angst. Das Fühlen dieser Unbequemlichkeit von Nagelbrett ist so vertraut, dass es schon wieder eine Gewohnheit, eine Bequemlichkeit der Denkmuster, eine vermeintliche Sicherheit, darstellt.

Manchmal gibt es Menschen, die es schließlich doch aus innerem Antrieb schaffen, sich von diesem Falschen Freund von einer Komfortzone abzuwenden. Manchmal verharren Menschen im Jammern und spüren sich von unsichtbarer Macht auf dieses Nagelbrett gedrückt. Manchmal braucht es zusätzlich einen Fingerzeig, ein Wachrütteln oder eine Handreichung zum Aufstehen, jedenfalls eine Hilfestellung von außen (und die innere Bereitschaft, diesen Fingerzeig und diese Hilfe auch anzunehmen – kein „Ja…ABER“ gelten zu lassen).

Dann beginnt ein neuer Weg. Ein Weg auf unbekannteren, „unkomfortablen“ Pfaden. Einen neuen Beruf finden, etwas anderes als Fakir. Ein Studium der Innenarchitektur des Lebens, zum Beispiel. Damit mensch sich eine neue, eine echte Komfortzone einrichten kann.

14.11.2015

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Wissen ist Macht, Nicht-Wissen macht auch nix

Manchmal schmerzt Erkenntnis sehr. Besonders, wenn es um den Sinn des Lebens geht. Wenn alle Felle davon zu schwimmen scheinen. Meine Lebensvision, sie entweicht. Immer mehr. Und ich kann ihr nur dabei zusehen; kann – will – sie so nicht mehr festhalten.
Was will das Leben (das Unterbewusstsein) mir damit sagen, dass mir immer und immer wieder das gleiche Muster in individuellen Variationen begegnet? Dass ich mir die Zähne ausbeiße? Mich vor allem mit einem Umfeld aus Psycho-Allergikern und bequemen Komfortzonenliebhabern umgebe, an denen jeder Selbstentwicklungsmissionsgedanke vergebene Liebesmüh ist. Wie kommt es, dass ich nicht in das Weitergeben und Anwenden der erlernten Methoden komme, ins Machen? Warum suche ich mir immer wieder die schwersten Ziele dafür aus?

Ja, es beschäftigt mich noch immer, das Helfen-Wollen.

Der kindlich-narzisstische „Ich-mach-meine-Eltern-und-dann-die-Welt-heil“-Gedanke sitzt scheinbar doch tiefer als ich vermutet hatte und hat sich mir in seinem Auflösen nun vollends entblößt. Ich werde wohl langsam erwachsen.

Von der Wahrnehmung über die Erkenntnis und das Wissen um den Schmerz des Gehenlassens bis hin zum Fühlen ist es ein Weg: erst nachdem ich die letzten Male darüber geschrieben habe, kommt hier und jetzt, unter der Dusche, endlich, der Schmerz zu mir. Der Kummer in meinem Herzen, der das Gehenlassen ermöglicht. Der auch das Weitergehen ermöglicht. Auch einen kurzen Moment in der Selbstmitleidsstarre meines Kind-Ichs erlaube ich mir. Doch ehe ich darin zu zerfließen drohe und mich mit dem Duschwasser den Abfluss herunterspüle, konzentriere ich mich wieder auf mein Herz. Auf das Fühlen. Hinter dem Kummer ist noch mehr. Da ist auch Vertrauen. Vertrauen in das Leben. Vertrauen, dass durch dieses Gehenlassen Platz für etwas Neues entsteht. Keine Ahnung, was es sein könnte. Vielleicht etwas komplett Neues, Andersartiges. Vielleicht kehrt die Vision auch in transformierter Form zurück. Ich habe keinen blassen Schimmer. Das Vertrauen hilft mir, dieses Nicht-Wissen, diese Leere, auszuhalten und durch den Schmerz zu gehen.
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Die Dusche läuft noch immer. Viel länger als gewöhnlich lasse ich das fließende Wasser mich reinigen an Körper und Geist. Es tut so gut und macht mich wieder bereit für das Hier und Jetzt. Was brauche ich jetzt? Wenn ich loslassen will, brauche ich guten Halt, so paradox es auch klingt. Und den hole ich mir jetzt auch.

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Und als was willst du heute gehen?

Beim Sport nach Feierabend gerät mir eine Gesprächssequenz vom Vormittag wieder in den Sinn. Wie siehst du mich, Christina, würdest du mich eher als Extro oder als Intro sehen? Ich mag Schubladendenken nicht besonders, auch wenn es manchmal zur Orientierung beitragen kann. Aber wenn´s ihr hilft, ein positiveres neues Selbstbild zu entwickeln…was soll´s. Mit einer Vorahnung, keine „korrekte“ Antwort geben zu können, reagiere ich auf den Feedbackwunsch. Ich sehe dich eher als Extro, sage ich. Wäh, genau reingetappt. Hab schon wieder helfen wollen. Die Strafe folgt auf den Fuß in Form des nächsten Redeschwalls. Ja, könnte man meinen, nicht wahr? Mein Therapeut hat gesagt, das hätte ich mir antrainiert als Kind. Eigentlich bin ich eher Intro, erwidert sie. – Jetzt auf dem Crosstrainer, nachdem der stressige Arbeitstag von mir abfällt, bekomme ich den Kopf frei, um das Gespräch zu reflektieren. Meine Antwort war tatsächlich völlig egal. Es gibt doch immer Yin und Yang, die sich ergänzen und ineinandergreifen. Meistens steht halt ein Anteil einfach mehr im Vordergrund des Bewusstseins (und wohl auch des Selbstbildes). Als Wilbersche Archäologin hole ich den Pinsel raus und beginne, das Fundstück freizupinseln. Hm, interessanter Gedanke, spinne ich weiter: eigentlich bin ich ein Extro, den Intro habe ich mir nur antrainiert als Kind. Ich lache über die Vorstellung einer extrovertierten Christina. Aber dann werde ich ernster. Da ist tatsächlich etwas dran. Ich möchte die Offenheit, die in mir wohnt, herauslassen können. Das war mein Eingangsspruch in der Vorstellungsrunde zu Beginn der Ausbildung. Beides, die Zugewandtheit nach innen wie auch nach außen, sind Qualitäten, die in jedem von uns wohnen. Die Kunst ist es wohl, sie beide wahrnehmen zu lernen und im Idealfall zwischen beiden Polen wählen und nach Bedarf pendeln zu können. Hach, es gibt noch soooo viel zu lernen….

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Helfen ohne Syndrom

Als interessierte Leserin bekomme ich regelmäßig die Neuveröffentlichungen des Carl-Auer-Verlages zugeschickt. Ein Titel hat mich dort besonders assoziativ angesprochen, ohne dass ich das Buch dazu gelesen hätte und auch nicht weiß, ob ich je dazu kommen werde. Der Titel lautet: Bitte nicht helfen! Es ist auch so schon schwer genug. In der letzten Zeit ist er mir wieder vermehrt in den Sinn gekommen. Gerade, weil ich momentan eine Freundschaft sehr hinterfrage und reflektiere, steigt diese Phrase immer wieder in mir auf. Was wird da laufend in mir angetriggert, das diese Freundschaft so anstrengend macht? Was hat damals meine Sympathie und Öffnung für diesen Menschen bewirkt? – Ich spüre hin. Es hat etwas mit der Suche nach Gleichgesinnten, nach Seelenverwandten, zu tun, soviel ist klar. Dann wird es schwieriger und schwammiger. Es hat auch etwas mit helfen Wollen zu tun…etwas zum Guten wenden…zu einer Entwicklung beitragen…. Jeglicher wohl gemeinte Ansatz kommt verdreht und verzerrt bei diesem Menschen an und führt eher noch zu einer Verschlimmerung der Lage. Das wird sehr stark widergespiegelt, sodass ich häufig genug meinen Fuß nur in letzter Sekunde aus der Rechtfertigungsfalle ziehen kann und einmal mehr frustriert das Gefühl habe, gegen eine Wand gelaufen zu sein. Das Letztere ein Gefühl, das ich von ziemlich klein auf kenne. Ganz langsam, wirklich in Trippelschritten, lerne ich nun doch dazu. Ich beginne, bei jedem Hilfeimpuls innezuhalten und mich zu fragen, was mich da gerade wieder angetriggert hat, wofür ich das gerade mache, was ich damit zu bewirken beabsichtige, ob ich es wirklich tun sollte, ob meine Intention auch wirklich klar und rein ist und entsprechend rüberkommen kann, ob ich Erfolg für mich erwarte, oder wirklich frei von Erwartungen und offen für Entwicklung bin. Ein sehr mühseliges Geschäft. Das Wort Helfersyndrom spukt durch meinen Kopf. Was macht echtes Helfen WIRKLICH aus? – Eine Nuss, die es für mich noch zu knacken gilt. Eine Nuss, die meine Lebensträume und –visionen in Frage stellt…

02.11.2015


Update April 2016
Mittlerweile ist ICH etwas gefestigter und klarer abgrenzungsfähig. Doch es bleibt bei mir die Frage: Was macht die Qualität des Helfens eigentlich aus? Wie ist das bei Euch so? Wie seht Ihr das? Ich würde mich über Kommentare freuen!

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Der Motor

Das Telefon dudelt. Innerlich zucke ich zusammen. Ich werde nicht drangehen, nehme ich mir vor. Mein pflichtbewusstes, gewissenhaftes Herz klopft. Ich halte es aus, denn Eigenschutz geht vor.
Irgendwann habe ich dir mal erzählt, wann ich meistens morgens aufstehe. Das hast du dir gemerkt. Pünktlich greifst du zum Hörer und wählst meine Nummer. Das ist deine Art von Rücksichtnahme: nicht vor dem Aufstehen anzurufen. Manchmal verbirgst du deine Nummer. Glaubst du wirklich, dass das deine Chancen erhöht, dass ich drangehe?
Ich stehe wieder einmal vor der Entscheidung: Frühstücken, mich fertig zu machen für den Tag und noch ein paar Momente für mich zu haben; vielleicht etwas zu schreiben, vielleicht etwas, das erledigt werden muss, zu erledigen und dann pünktlich auf der Arbeit zu sein (also theoretisch auch pünktlich Feierabend machen zu können). – Oder ans Telefon zu gehen, mir deinen Schwall anzuhören, mich davon runterziehen zu lassen, mich hilflos und wehrlos zu fühlen, weil ich nicht zu Wort komme und die paar Worte von mir kaum zu dir durchdringen oder in einer weiteren Rechtfertigungsschleife abgewehrt werden und dann auch noch zu spät zur Arbeit zu erscheinen.
Manchmal bringen mein schlechtes Gewissen und ein nicht kleinzukriegender Glaube an das Gute mich dazu, doch dranzugehen. Durchschnittliche Gesprächsdauer: 53 Minuten.
Im Klartext: du kriegst dein Leben nicht auf die Reihe. Aber in meine Gedankenwelt bist du eingedrungen. Ob ich ans Telefon gehe oder nicht. Mein lösungsorientiertes Denken scannt alles mir Bekannte, Bewusste, Begegnende nach einer Lösung, nach einem Ansatzpunkt für dich.
Eines Tages reißt mir der Geduldsfaden. Ich stelle mir ein Ultimatum: Ich entschließe mich, jetzt noch ein Hilfsangebot, eine Lösungsmöglichkeit in den Raum zu stellen für dich und wenn du diesmal nicht einen Schritt tust, dann werde ich diese Freundschaft (?) kündigen. Ich kann es nicht mehr mit ansehen und anhören, deine seelische und verbale Selbstzerfleischung. Meine Grenze ist längst überschritten. Allein der Gedanke, dass eine Kündigung unserer Beziehung dir den letzten Kick geben könnte, hält mich fest. Was für eine Last!
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Ich will Kontakt zu einer Klinik aufnehmen, von der ich schon sehr viel Gutes gehört habe und die mit den Methoden arbeitet, die ich selber erlerne und durchgemacht habe. Du hast bereits selber dort angefragt vor einiger Zeit, doch ich brauche Klarheit und Fakten für mich, denen ich vertrauen kann. Da ich mündlich nun einmal nicht so gut bin, wähle ich die schriftliche Kontaktaufnahme. Ist gar nicht so einfach, eine E-Mail-Adresse ausfindig zu machen. Aber ich finde eine.
Auf meine E-Mail bekomme ich eine kurze Rückmeldung. Ich „darf“ Kontakt aufnehmen – telefonisch.
Es braucht zwei Tage, ehe ich mir ein Herz fasse. Ich will diese Sache vom Tisch haben, will Klarheit, wenigstens für mich. Also wähle ich die Nummer. Beim zweiten Mal komme ich durch. Ich spreche mit der Aufnahmepsychologin, versuche, den Fall zu schildern. Doch sie stürzt sich gleich auf mich. Genau das hatte ich befürchtet. Sie ist Psychologin, sie kann nicht anders. Was denn mit mir wäre, dass ich mich so schlecht von dieser Freundin abgrenzen könne. Dass sie mir wünsche, dass ich da ganz schnell eine Begleitung hätte, um das zu lernen… Wieder dieses Gefühl, wenn jemand mir nicht zuhört und auf das, was ich sage, eingeht: wehrlos und unfähig. Gleichzeitig empfinde ich Wut und gebe auf. – Natürlich hat sie Recht, das weiß ich. Abgrenzung ist eine Baustelle für mich. Aber, bitte, ist es nicht einfach mal menschlich, dass man bei all den Lebensmüdigkeitsschwällen, die da auf einen mehrmals die Woche einströmen, aufweicht? Jetzt gerade geht es nicht um mich, sondern um jemand anderen. Und mit meiner eigenen Menschwerdung und all dem Kram werkele ich nun schon wirklich genug herum. Da sorge ich durchaus für mich selbst. All das kann diese Frau natürlich nicht wissen. Und ich kann es nicht in Worte fassen, habe schon wieder aufgegeben, habe auch keine Lust, mich in so eine Rechtfertigungs- und Erklärungsschleife so tief hineinzubegeben. Ein paar sehr allgemeingültige Eckdaten über den Aufenthalt in der Klinik erhalte ich immerhin und auch die Erlaubnis, dass die Freundin sich an diese Nummer wenden könne. Wütend auf mich selbst und entmutigt lege ich auf.
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Die Wut erfüllt mich mit Energie. Sie wird mir zum Motor. Ich weiß: diese Energie wird nicht lange vorhalten und dann fresse ich sie in mich hinein und wende sie gegen mich. Also: Wann, wenn nicht jetzt? Telefon wieder in die Hand, Nummer gewählt, jetzt spreche ich! – Ich habe Glück, meine Freundin geht dran. Ihre weinerliche Stimme schreit schon wieder nach Fürsorge. Ich höre nicht hin. Jetzt spreche ich! Klare, kurze Ansagen in einem festen, eindringlichen Ton; die richtigen Worte kommen zur richtigen Zeit wie von allein. Ich sage ihr nichts Neues, aber in einem neuen Tonfall. Dass ich an einer Grenze angekommen bin, dass sie dringend professionelle und kontinuierliche Hilfe braucht und sie sich holen muss, dass es niemanden gibt, der für ihr Leben die Verantwortung übernehmen kann außer ihr selbst. Sie ist still. Sie hört zu! Kurze Rechtfertigungsansätze überrolle ich. Nein, jetzt rede ich! Das, was ich da sage, scheint bei ihr anzukommen. Ihre Erwiderungen klingen ein wenig aufgeräumter als sonst. Meinerseits ist alles gesagt. Der Energiepegel sinkt rapide. Er reicht gerade noch, einen Schlusspunkt unter das Gespräch zu ziehen und sie nicht wieder zu sehr ins Reden kommen zu lassen.
Spürbar erleichtert lege ich auf. Der Weg ist vorbereitet. Jetzt ist es an ihr, etwas daraus zu machen. Es ist nicht mehr bei mir, es ist bei ihr. Wo es hin gehört.
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So schade, dass ich es bis jetzt nicht schaffe, meine übliche Gelassenheit verlässlich und steuerbar mit der Gesprächs- und Durchsetzungsfähigkeit der Wut zu verbinden. Ich schenke diesem Gedanken ein Lächeln. Ganz schön hoch gegriffenes Ziel, etwas für den Feinschliff. Naja, vielleicht, eines Tages, wenn ich mal groß bin…