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Seit ungefähr Oktober des letzten Jahres sind Erfolg und Glücksgefühle in meinem Leben am sprudelnden Fließen, obwohl der Lauf bereits einige Zeit zuvor als kleiner, manchmal tröpfelnder, Gebirgsbach begonnen hat. Alles fügt sich immer wieder in so wundersam perfekter Weise zusammen, dass ich fast ein bisschen misstrauisch bin und nach Pferdefüßen suche. Nicht alles ist angenehm. Meinen lieben Kater vermisse ich noch immer schmerzlich und bewahre die Erinnerung an ihn in meinem Herzen. Und doch fügt sich auch hier etwas zusammen und ergibt einen Sinn. Es ist, als hätte er den richtigen Moment abgewartet, in dem ich bereit war, ihn einigermaßen gehen lassen zu können, und dafür liebe ich ihn nur noch umso mehr.

Vor wenigen Monaten ist die Sonne bei uns eingezogen, das Glück, ein kleines Pflegekind. Manchmal schreit und quakt es und ist nicht immer leicht zu verstehen, das Glück. Aber wir finden uns zusammen. Immer mehr. Bindung und Vertrauen beruhen auf einer gewissen Gegenseitigkeit, auch wenn ich die Große bin.

Es ist so wunderschön, Entwicklung zu sehen, auf beiden Seiten. Immer wieder gibt es Schlüsselerlebnisse, die uns einander näher bringen und immer wieder genau dann, wenn ich gerade besonders das Gefühl habe, auf dem Zahnfleisch zu gehen und nicht mehr weiter zu wissen.

Auch berufliche Ziele und Pläne für eine Teilselbständigkeit kommen ins Rollen. Was sonst neben dem Job in kleinen Schritten hätte verwirklicht werden müssen, das kann ich jetzt während der Elternzeit mit besserer Energie in den Atempausen, die das Glück mir beschert, auf den Weg bringen. Schritt für Schritt kann ich so eine konkrete berufliche Vision entwickeln und ihr nachgehen. Endlich komme ich an meinen Wahren Willen heran und das ist ein wirklich sehr erfüllendes Gefühl.

Ja, es ist viel und scheinbar klingt das für viele nach „alles auf einmal“. Immer wieder höre ich Kritik und Zweifel. Aber für mich passt alles wunderbar zusammen und ich bin ziemlich sicher, dass es einen Weg gibt, der genau richtig ist, egal wie er verläuft. Das einzige, was mal wieder viiiiel Übung und Pflege braucht, ist die Geduld. Wirklich Schritt für Schritt zu gehen. Selber das vorzuleben, was ich der kleinen Sonne dauernd predige. Die hat nämlich auch Hummeln im Hintern. Ähnlicher könnten wir uns kaum sein…

Auch wenn jetzt gerade weniger Zeit zum Schreiben ist, für Stichworte und Notizen für später als Erinnerungshilfe und Inspiration reicht sie allemal.

Für jetzt genieße ich das Glück und die Sonne.

***

Von den Kindern

Deine Kinder sind nicht deine Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht
des Lebens nach sich selbst.

Sie kommen durch dich, aber nicht von dir,
und obwohl sie mit dir sind, gehören sie dir doch nicht.

Du kannst ihnen deine Liebe geben,
aber nicht deine Gedanken,
denn sie haben ihre eigenen Gedanken.

Du kannst ihrem Körper ein Heim geben,
aber nicht ihrer Seele,
denn ihre Seele wohnt im Haus von morgen,
das du nicht besuchen kannst,
nicht einmal in deinen Träumen.

Du kannst versuchen, ihnen gleich zu sein,
aber suche nicht, sie dir gleich zu machen.
Denn das Leben geht nicht rückwärts
und verweilt nicht beim Gestern.

Du bist der Bogen, von dem deine Kinder
als lebende Pfeile ausgeschickt werden!

Der Schütze sieht das Ziel
auf dem Pfad der Unendlichkeit,
und er spannt euch mit seiner Macht,
damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Lasst euren Bogen von der Hand
des Schützen auf Freude gerichtet sein.

Denn so wie er den Pfeil liebt, der fliegt,
so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

Khalil Gibran

Lieber Tag, komme was mag... <3
Lieber Tag, komme was mag… <3

Der letzte Tag des Jahres ist da, und ich liege gesundheitlich angeschlagen im Bett. Kopf und Ohren dröhnen und schmerzen, Nase ist dicht, Hals brennt. Blöd!

So kann ich nicht schlafen, aber zum Wachsein bin ich zu schlaff. Ich hänge zwischen den Welten in diesem dösigen Zustand, den man auch oft vor dem Einschlafen hat. Fast wie im Traum tauchen zusammenhängende Bilder und Gedanken vor mir auf. Eine Art Bilanz meiner bisherigen künstlerisch-kreativen Laufbahn von der Oberstufen-Schulzeit übers Studium bis zur Ergotherapie in der Klinik damals.

Immer wieder taucht die Erinnerung an ein Praxisseminar an der Uni vor mir auf. Damals hatte ich ein Seminar zur Einführung in verschiedene Drucktechniken belegt. Der Honorardozent, selber ein bildender Künstler, hatte als frei auslegbares Oberthema „Selbst“ gewählt, das er uns in einer angenehm sachlichen Art in guter Balance zwischen planerischem Denken und Offenheit für Zufallseffekte näherbrachte. Der Kurs hat mir viel Spaß gemacht, denn zu dieser „schwarzen Kunst“ zieht es mich seit der Oberstufenzeit hin.

Besonders eine Technik, die ich bisher nur dieses eine Mal durchgeführt habe, ist mir hängen geblieben: Aquatinta. Eine Ätztechnik, bei der man in mehreren Stufen abwechselnd die Druckplatte imprägniert und in die Ätzlösung legt, sodass durch verschiedene Helligkeitsstufen das Motiv erkennbar wird. Eine für mich recht anspruchsvolle, aber reizvolle Aufgabe, denn hier braucht es eine gut strukturierte und umgekehrt logische Denkweise. Man muss sozusagen negativ denken – alle Stellen, die hell bleiben sollen, müssen mit dem dunklen Lack imprägniert werden.

Es ist das einzige Werk in diesem Kurs, in dem ich mich dazu überwinden kann, mich vor den Spiegel zu setzen und ganz konkret Gesichts- und Wesenszüge einzufangen versuche. Nachdem ich also zögerlich in einigen Strichen mein Gesicht auf ein Blatt Papier skizziert habe, beginne ich mit der Übertragung und Planung für den Druckstock.

Negativ denken macht Spaß! Das Pferd von hinten aufzuzäumen scheint wohl eine Wesensart von mir zu sein, wie ich so im allgemeinen Rückblick feststelle.

Irgendwann schließlich kommt es endlich zum Druck. Gespannt auf das Ergebnis drehe ich das Papier um, nachdem es aus der Druckerwalze kommt, und bin platt. Es ist ein absoluter Wow-Effekt! Aus ein paar eher unmotivierten Linien ist eine verschiedenstufig abgetönte Fläche entstanden. Zufall und Planung haben sich auf wunderbare Weise ergänzt. Ich freue mich riesig, dass ich das Prinzip des Negativdenkens richtig verstanden und angewendet habe. Das Motiv ist zufälligerweise mein Gesicht und eher zweitrangig für mich.

Mit diesem Erfolgsgefühl komme ich einige Zeit später auf Heimatbesuch und präsentiere die Ergebnisse aus diesem Kurs. Wie so oft wird alles mit einem freundlichen Nicken abgetan. Doch bei dem Aquatintaselbst hält meine Mutter kurz die Luft an. Meine Begeisterung kommt nicht richtig an. Ihr Mund wird zu einem Strich. Dann holt sie aus und schlägt mir ein „Die Kinnpartie ist zu breit geworden“ um die Ohren. Das war´s.

Freude und Begeisterung sacken in mir wieder zusammen. Für eine lange Zeit kann ich diesen Druck nicht ohne diesen Schmerz betrachten, bis beides in Vergessenheit versinkt.

Mein Traumbewusstsein wandert zur nächsten Station. In der Klinik, in der ersten Zeit auf der Station, hatte ich das kurze Glück, dass die Ergotherapieabteilung relativ spärlich besucht war. So hatte der ehrenamtlich dort arbeitende Künstler dort unten im Keller etwas intensivere Betreuungszeit für mich übrig. Ohne von meiner Vorliebe fürs Drucken zu wissen, schlägt er mir bei meinem ersten Besuch dort unten vor, einen Linolschnitt zu machen. Sehr untypisch, wie spätere Erfahrung zeigt. So kann ich mich dem Thema während meiner Krankheit wieder annähern. Das schrittweise Vorgehen wirkt sehr strukturbildend, was mir in dieser Phase der Psychose mit mangelnder Konzentrationsfähigkeit sehr gut tut, weil es das Tempo aus meinen Gedankenströmen herausnimmt. Es gelingt mir in dieser Zeit, einen Linolschnitt anzufertigen. Schließlich aber füllt sich die Klinik und damit die Ergotherapie wieder nach den Ostertagen. Der Künstler nimmt die scharfen Ausschabewerkzeuge wieder unter Verschluss, hat keine Zeit mehr für mich, der Platz in den engen Räumlichkeiten wird knapper, die Acrylmaler breiten sich mit Staffeleien, Modellen und Betreuungsansprüchen aus. Ich ziehe mich zurück.

Nach einiger Zeit lerne ich doch noch etwas Neues kennen, eine malerische Technik diesmal. Ich fange an, mich ein wenig mit Seidenmalerei zu befassen. Materialbeschaffenheit und Farbgestaltungsmöglichkeiten gefallen mir. Auch hier kann/muss man mit Konturen arbeiten. Auch wenn es aufgrund der Enge in den Räumlichkeiten relativ schwer ist, fertige ich drei sehr verschiedenartige Tücher an. Handwerklich sicherlich noch ausbaufähig – die Gestaltung beruht sehr auf Versuch und Irrtum – gefallen mir die Motive dennoch. An diese drei Tücher denke ich jetzt im Traumbewusstsein. Und ein Geschenk kommt zu mir, eine Erkenntnis: Dieses kreative Tätigsein ist doch eine wunderbare Gabe! Sie ist nicht so selbstverständlich, wie ich sie immer abgetan habe. Und sie ist meiner Wertschätzung würdig. Ich brauche mich nicht mehr mit dem Kämpfen und Resignieren im Wunsch nach einem echten „Das hast du gut gemacht“ meiner Familie abzustrampeln. Ich darf und kann mir selbst ein „Das hast du gut gemacht“ geben. Und genau in diesem Moment spüre ich die Sehnsucht und gleichzeitig die Tatkraft in mir, endlich wieder negativ zu denken und künstlerisch tätig zu werden. Dazu brauche ich nur geeignete Räume und etwas Anleitung. Wieder einmal bin ich so dankbar, in dieser großen, wunderbaren Stadt mit ihren vielfältigen kulturellen Angeboten gelandet zu sein. Mein Tor zur Welt.

31.12.2015
Aquatintaselbstwerdung

Eine sehr auf Äußeres bedachte Kollegin fasst es als Erste in Worte:
„Du siehst irgendwie anders aus. Warst du beim Friseur?“ – „Nein.“

„Hast du neue Ohrringe?“ – „Nein.“
„Hm, komisch.“
Irritiert macht sie sich wieder an die Arbeit.

Mein inneres Lächeln bahnt sich einen Weg in mein Gesicht. Mir dämmert, was sie meinen könnte… Es ist mein erster Arbeitstag nach einem sehr intensiven Ausbildungsmodul. Aus eigenen Beobachtungen weiß ich, dass die ganzheitlichen Selbsterfahrungsübungen, die wir dort durchführen, oft wie eine auch optisch wahrnehmbare Frischzellenkur wirken. Gesichter werden feinporiger, rosiger und glätten sich. Oftmals wird die gesamte Ausstrahlung heller, ganz abgesehen von der körperlichen Seite. – Das dürfte mittlerweile nichts ganz Neues mehr sein. Aber etwas sehr Neues gab es diesmal für mich. Ich habe meine Selbst-Heilung an ganz, ganz tief sitzenden Punkten gespürt und gesehen. Eine Art Verdichtung. Etwas hat sich zusammengefügt und eine klaffende Lücke endlich, endlich dauerhaft und stabil verschlossen. Das erfüllt mich mit einem Frieden, wie ich ihn noch nie verspürt habe.

Ich schaue auf meine Finger. Sie sind nicht mehr durchscheinend. Als wäre der Beam-Vorgang abgeschlossen und mein Körper vollständig materialisiert auf diesem Planeten. Scotty hat gute Arbeit geleistet.

Ich bin angekommen. Endlich kann ich mit den anderen spielen gehen ohne Angst vor den frechen Kindern am anderen Ende der Straße, vor denen meine Eltern mich immer gewarnt haben.

Wetter Helgoland Regenschauer

Auge in Auge
So stehen wir

Eine Begegnung hier im Raum

Ich bin da und du bist da

Eine Luke öffnet sich
Ein Blick in die Tiefe

Der weite Ozean
Aus dem wir alle kommen
Ich nehme ihn wahr
Spüre ihn tief in mir
Sehe auch dich darin
Wie kleine Einzeller
Mit dünner, durchlässiger Zellwand
Durchfließen wir die See
Durchfließt die See uns
Und füllt unser Inneres
Gleichzeitig fühle ich
Den Boden unter meinen Füßen
Meinen Körper in diesem Raum
Unseren Blickkontakt
Und wie ich ihn nicht nur aushalte
Sondern erwidere
Von Mensch zu Mensch
Mit einer Fülle von Geschenken:
Bewusstsein, Körper, Wahrnehmung, Persönlichkeit, Kontaktfähigkeit
Lebendige Dankbarkeit und Freude

Sternenschwester
Die Luft ist klar
Und deine Augen auch
Tief ziehst du den Atem ein
Er füllt dich aus
Nährt deine Lebensflamme

Du schaust in diese Welt
Freundlich und unverstellt
Sternenschwester
Komm, tanz mit mir
Lass uns sprühende Bahnen ziehen
Im Kosmos die fernen Sonnen sehen

Geblendet von Allumfassenheit
Setzen wir Sonnenbrillen auf
Und unseren Weg auf dieser Erde fort
Doch erhellt uns innerlich
Unser eigenes Lebenslicht
Sternenschwester

Eines meiner Lieblingsbilder hat mich schon durch mehrere Wohnungen begleitet. Jetzt hängt es in unserer Küche. Es ist gerade mal postkartengroß, bereits etwas verblichen und stammt aus einem Kunstkalender. Ich glaube, von 1994.
Es zeigt einen Wecker, der auf kurz nach 11 steht, ein Buch, eine Kokosnuss im Hintergrund, zwei Apfelsinen am linken Rand und eine angeschnittene Melone, von der eine Scheibe saftig dem Betrachter ins Auge lacht und die mich nicht nur an die Freuden des Gaumens denken lässt. Unter allem verläuft ein Banner: „Qué bonita es la vida, cuando noi da de sus riguezas“. Ich kann kein Spanisch, aber soviel verstehe ich. – Wie schön das Leben ist, wenn es uns von seinen Reichtümern schenkt.
Ein Blick auf dieses Bild lässt mir immer wieder Kummer und Sorgen vergehen. Vergänglichkeit kann auch tröstlich sein. Vorhandener Kummer und Sorgen werden vergehen. Und machen Platz für die schönen Seiten des Lebens. Ich spüre, wie mir schon beim Schreiben dieser Worte Tränen in die Augen steigen, weil mich die Schönheit des Lebens so überwältigt. Was braucht es mehr? Muße, etwas Zeit, vielleicht eben gerade das Bewusstsein der Vergänglichkeit, damit wir das Leben auch genießen können. Ein gutes Buch. Leckere, frische Köstlichkeiten, die uns nähren. Und was ist köstlicher als die Sinne genießen zu lassen? Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen. Etwas Grundlegendes scheint das Bild zunächst nicht zu zeigen: Freunde, Beziehungen, Seelenverwandte. Aber selbst das können diese paar abgebildeten Früchte versinnbildlichen. Jeder Mensch so unterschiedlich wie die Früchte hier und doch vereint. Essen als geselliger Akt. Ein Buch kann man vorlesen. Das Buch des Lebens wird von vielen Menschen mitgeschrieben. Sinnlichkeit zu mehreren genießen. Und so finde ich hier alles vereint, das mich durch dunkle Zeiten trägt. In einem kleinen Bildchen, einem Abdruck von einem Kunstwerk. Danke, Frida Kahlo.

 

Still, nur das Rauschen
Von Wellen und Wind
Ein wenig Möwengeschrei
Und Mauersegler jagen weit oben
Landeinwärts
Lichtreflexe
Zitternd
Flimmernd
Von den Wellen
Spielen in deinem Gesicht
Zeichnen
Ihre Schrift auf deine Netzhaut
Geheime Zeichen
Von Kommen und Vergehen
Die Finger im Sand
Stellen von Kies
Du lässt einen flachen Stein über die Wellen springen
Zieht er zwei Kreise oder fünf
Ehe er untergeht
Um sich weiter runden zu lassen
Von der beständigen Kraft
Dem Atem der Erde

Gingkoherz

Glück, Gesundheit, Freude, Liebe & ein bisschen zauberhaften Glitter

Glück, Gesundheit, Freude, Liebe & ein bisschen zauberhaften Glitter