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Einfach sein

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Wissen ist Macht, Nicht-Wissen macht auch nix

Manchmal schmerzt Erkenntnis sehr. Besonders, wenn es um den Sinn des Lebens geht. Wenn alle Felle davon zu schwimmen scheinen. Meine Lebensvision, sie entweicht. Immer mehr. Und ich kann ihr nur dabei zusehen; kann – will – sie so nicht mehr festhalten.
Was will das Leben (das Unterbewusstsein) mir damit sagen, dass mir immer und immer wieder das gleiche Muster in individuellen Variationen begegnet? Dass ich mir die Zähne ausbeiße? Mich vor allem mit einem Umfeld aus Psycho-Allergikern und bequemen Komfortzonenliebhabern umgebe, an denen jeder Selbstentwicklungsmissionsgedanke vergebene Liebesmüh ist. Wie kommt es, dass ich nicht in das Weitergeben und Anwenden der erlernten Methoden komme, ins Machen? Warum suche ich mir immer wieder die schwersten Ziele dafür aus?

Ja, es beschäftigt mich noch immer, das Helfen-Wollen.

Der kindlich-narzisstische „Ich-mach-meine-Eltern-und-dann-die-Welt-heil“-Gedanke sitzt scheinbar doch tiefer als ich vermutet hatte und hat sich mir in seinem Auflösen nun vollends entblößt. Ich werde wohl langsam erwachsen.

Von der Wahrnehmung über die Erkenntnis und das Wissen um den Schmerz des Gehenlassens bis hin zum Fühlen ist es ein Weg: erst nachdem ich die letzten Male darüber geschrieben habe, kommt hier und jetzt, unter der Dusche, endlich, der Schmerz zu mir. Der Kummer in meinem Herzen, der das Gehenlassen ermöglicht. Der auch das Weitergehen ermöglicht. Auch einen kurzen Moment in der Selbstmitleidsstarre meines Kind-Ichs erlaube ich mir. Doch ehe ich darin zu zerfließen drohe und mich mit dem Duschwasser den Abfluss herunterspüle, konzentriere ich mich wieder auf mein Herz. Auf das Fühlen. Hinter dem Kummer ist noch mehr. Da ist auch Vertrauen. Vertrauen in das Leben. Vertrauen, dass durch dieses Gehenlassen Platz für etwas Neues entsteht. Keine Ahnung, was es sein könnte. Vielleicht etwas komplett Neues, Andersartiges. Vielleicht kehrt die Vision auch in transformierter Form zurück. Ich habe keinen blassen Schimmer. Das Vertrauen hilft mir, dieses Nicht-Wissen, diese Leere, auszuhalten und durch den Schmerz zu gehen.
***
Die Dusche läuft noch immer. Viel länger als gewöhnlich lasse ich das fließende Wasser mich reinigen an Körper und Geist. Es tut so gut und macht mich wieder bereit für das Hier und Jetzt. Was brauche ich jetzt? Wenn ich loslassen will, brauche ich guten Halt, so paradox es auch klingt. Und den hole ich mir jetzt auch.

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Als ich sichtbar wurde

Als ich sichtbar wurde
Als mir ein Rückgrat wuchs
Und ich Gestalt annahm
War es schon spät
Millionen von Jahren waren vergangen
Ganze Erdzeitalter
So kroch ich aus dem Meer
Und erkundete das Land
Manchmal sitze ich am Strand
Kostbar fühlt sich mir der Sand unter den Fußsohlen an
Und blicke voll Liebe und Ruhe
Manchmal auch Sehnsucht
Aufs weite Meer hinaus

 

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Das Meer in uns

Wetter Helgoland Regenschauer

Auge in Auge
So stehen wir

Eine Begegnung hier im Raum

Ich bin da und du bist da

Eine Luke öffnet sich
Ein Blick in die Tiefe

Der weite Ozean
Aus dem wir alle kommen
Ich nehme ihn wahr
Spüre ihn tief in mir
Sehe auch dich darin
Wie kleine Einzeller
Mit dünner, durchlässiger Zellwand
Durchfließen wir die See
Durchfließt die See uns
Und füllt unser Inneres
Gleichzeitig fühle ich
Den Boden unter meinen Füßen
Meinen Körper in diesem Raum
Unseren Blickkontakt
Und wie ich ihn nicht nur aushalte
Sondern erwidere
Von Mensch zu Mensch
Mit einer Fülle von Geschenken:
Bewusstsein, Körper, Wahrnehmung, Persönlichkeit, Kontaktfähigkeit
Lebendige Dankbarkeit und Freude

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Innerer Tanz

Sternenschwester
Die Luft ist klar
Und deine Augen auch
Tief ziehst du den Atem ein
Er füllt dich aus
Nährt deine Lebensflamme

Du schaust in diese Welt
Freundlich und unverstellt
Sternenschwester
Komm, tanz mit mir
Lass uns sprühende Bahnen ziehen
Im Kosmos die fernen Sonnen sehen

Geblendet von Allumfassenheit
Setzen wir Sonnenbrillen auf
Und unseren Weg auf dieser Erde fort
Doch erhellt uns innerlich
Unser eigenes Lebenslicht
Sternenschwester

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Stärke tanken

Ich war ein Baum
Gut verwurzelt mit der Erde
Spürte ich die Säfte, die mich nährten,
in mir aufsteigen
Mein Stamm war fest und stark
Stabil in seinen Jahresringen
Die von Vergangenem erzählten
Nur ein Astloch war da
Dort, wo ein Ast ausgefallen war
In diesem Astloch hauste eine Eule
Die mochte ich sehr

Ich war ein Bison
Ich rannte mit der Herde
Etwas einzeln, für mich, doch rannte ich mit ihr
Ich rannte durch die Steppe, bis ich mich erhob
In den Himmel hinein rannte ich
Immer weiter
Ich sah die Herde unter mir, wie sie sich immer neu formte
Einzelne vergingen, andere kamen dazu
Ich sah sie rennen

Ich schwebte in das Blau des Himmels hinein
Ich ging auf im Blau
Und es war gut~~

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Erdung

Ein Leben wie freihändig Fahrrad Fahren
Den Schal immer flatternd hinterher
Die Balance halten in all den Jahren
Damit es rollt, immer mehr
Das Rad dreht sich, und ich dreh mich mit
Manchmal halt ich mich am Lenker fest
Der Himmel ist blau und die Wolken ziehen schnell
Und ich schau dorthin, wo du gerade stehst
Erst durch dich kann ich mich richtig sehen
So bin ich und so bin ich nicht
Aber das verschwimmt alles in den tiefen Seen
Des Bewusstseins tiefes Licht
Grenzen ziehen und Grenzen lösen
Schreiend, rufend, im freien Fall
Zieh ich die Schnürsenkel durch ihre Ösen
Damit ich sicher stehe, drunten im Tal

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Ein Tag am Meer

Still, nur das Rauschen
Von Wellen und Wind
Ein wenig Möwengeschrei
Und Mauersegler jagen weit oben
Landeinwärts
Lichtreflexe
Zitternd
Flimmernd
Von den Wellen
Spielen in deinem Gesicht
Zeichnen
Ihre Schrift auf deine Netzhaut
Geheime Zeichen
Von Kommen und Vergehen
Die Finger im Sand
Stellen von Kies
Du lässt einen flachen Stein über die Wellen springen
Zieht er zwei Kreise oder fünf
Ehe er untergeht
Um sich weiter runden zu lassen
Von der beständigen Kraft
Dem Atem der Erde

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Abendspaziergang

Mit schimmernden Augen schauen wir
Auf die elektrisch leuchtende Bahn
Und danach, mit schimmerndem Blick,
Schauen wir uns zärtlich an.
Du küsst mir sanft auf die Stirn,
Reibst deinen Bart an mir.
Eine Mücke führt ihren Tanz
Um uns herum.
Wir verharren als Naturdenkmal
Für diesen Augenblick.
Die Feldlerche singt
Letzten Gruß für heute
Im Dämmerlicht.
Die meisten Flieger schlafen schon.

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Morgenröte

Wie friedlich der Morgen ist
In aller Stille gehst du
Die Straße entlang
Noch unsortierte Vögel
Zwitschern ihren Gesang
Ein einsames Blinken
Am Tiefgaragentor
Als erstes Indiz, dass du nicht alleine bist
(Dass du nicht alleine bist)

Wie friedlich der Morgen ist
Wenn du auf der Brücke stehst
(wenn du auf der Brücke stehst)
Und die Sonne hat sich gerad erhoben
Blinzelt verschlafen durch Weidenäste
Kämmt sich das wellengekrauste Haar
Wischt sich die Reste der Nacht
Aus dem freundlichen Gesicht
Und küsst dich warm mit ihrem Licht
(mit ihrem Licht)

Wie friedlich der Morgen ist
Du schließt die Augen
Doch das Bild bleibt stehen
Wechselt die Farben
Zieht in dich hinein, bis in dein Herz
(bis in dein Herz)
Und der Moment hält inne
Noch ein tiefer Atemzug
Dann gehst du weiter
Die Vogelstimmen begleiten dich
Auf einem Fahrrad kommt eine Frau vorbei
Mit Brötchentüte und rosa Schal
Der Schal, der flattert im Morgenwind
(im Morgenwind)

Auf einem Ast
Zuckt ein Eichäffchen mit seinem Schwanz
Du freust dich drüber
Ganz wie ein Kind
Und es weiß tief in dir drin:
Der Frieden ist da
Der Frieden ist da
Heute, jetzt, in dir.