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Endlich verlieren

Grimmig ging ich zum Ortsamt.
Lokomotivengleich dampfend, stampfend.
Wieder ein Schritt auf die Freiheit zu.
Nach Warten in der Schlange, einer kurzen Änderung, komm ich wieder raus.
Meine Schritte verlangsamen sich. Fühle mich erschlafft. Aller Antrieb dahin.
Hab mich durchgesetzt gegen schlechtes Gewissen. Für mich eingesetzt, für mich, endlich.
Setze mich am Kanal auf eine Bank und atme. Ein…Aus…Lösen…
Geflattere der Wasservögel.
Muttis mit kleinen Kindern.
Liegewiesenhocker.
Werde nie verstehen, wie man sich so direkt in die Sonne knallen kann.
Darf nicht-verstehen-können.
Kein Handy dabei, kein Internet, nur ein leeres Buch.
Verlangsamtes Tempo, tut das gut.
Werde mich jetzt im Augenblick verlieren ~ ~

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Die Wahl

Ich lebe im Jetzt. Es ist alles, was Hier ist.
Leb ich auch in der Vergangenheit,
leb ich auch in der Zukunft,
denn mein Erinnern und Ahnen ist Jetzt.
Worte, Wörter, begrenzen mein Jetzt.
Ist Schweigen und Fühlen, was bleibt.
Und Wissen: ich habe die Wahl.
Brauch Jetzt nicht an der Vergangenheit zu hängen,
brauch Jetzt nicht an Zukünftiges zu denken.
Kann mich entscheiden für den Augenblick,
in dem das alles Eins ist. Ewig.

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Mein Herz ist schwer

Mein Herz ist schwer
Ist ein Stein
Der blutet
Schwarz und öligzäh
Fließt der Strom
Überklebt
Überzieht
Alles was kommt
Mit einem Film

Mit bloßen Händen
Schaufle ich
Wische ich
Hinfort das Zeug
Wohin damit?
Es abschmieren?
Reich mir den Lappen dort
Der Weg ist zu weit für mich
Noch

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Schlange

Eine Schlange
Unter jedem Stein
Wartet
Lauert
Züngelt
Riecht

Gelegenheit

Liegt in der Sonne
Friedlich
Wachsam
Verdauend
Bereitet sich vor
Aufs nächste Warten

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Auf dem Grund fischen

Ich stehe vorm Spiegel
Ganz dicht
Ganz nah
An mir dran
Schaue in meine Augen
Ganz tief
Hinein bis auf den Grund
Ganz klar

Müsst´ ich doch sehen
Die Gedanken
Wie kleine Fische
Blitzen kurz auf im Sonnenlicht
Verschwinden schnell wieder
Im Schatten des Seins
Breit´ ich aus das Netz
Vielleicht
Schwimmt einer hinein

Schau ich mir ihn an
Die anderen
Sind da, ich weiß es
Lass ich sie wachsen
Manche vergehen
Manche schwimmen, wimmeln weiter
Wieder andere werden groß
Werden ruhiger
Und kommen
Von allein ins Netz
Doch es braucht Zeit, Geduld

Wart´ ich schon so lang

Ich stehe vorm Spiegel
Ganz nah
Ganz dicht

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Kastenteufel

Unerwartet springt er hervor,
Wenn man nicht an ihn denkt.
Er öffnet dem Schatten Tür und Tor,
Ist eine Kraft, die dich lenkt.

Er schaut Dich an und lacht und grinst
Und wackelt an seiner Feder.
Drückst du ihn auch weg, das hirnen Gespinst,
Sitzt er doch fest unter deinem Leder.

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Jetzt leben!

Ich spüre den Schmerz
Bis in den tiefsten Muskel,
Vermag mich kaum zu bewegen.
Jeder Atemzug erinnert mich daran:

Dass ich lebe!

Dass ich wie ein Kind
Bis zum Äußersten und darüber hinaus
Auf dem Trampolin gesprungen,
In den Seilen geklettert bin und
Gelacht habe aus tiefster Seele!

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Vertrauen

Ich bin gefallen
Und habe geschrien.

Danach war alles dunkel und leer.
Und leicht. So leicht.
Ungläubigkeit breitet sich aus.
War ich das wirklich?
Habe ich das getan?
Und ihr seid noch hier?
Und habt mich noch lieb?

Ja, haben sie gesagt.
Ja!