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Wenn im Herzen
Du dich ins Kindsein versetzt
Wenn kichernd du vor deinem Kind
Dich hinterm Laternenpfahl versteckst
Es darf sein
Wenn vorm geschlossenen Auge
Wildes Farbspiel du siehst
Wenn du vor Freude
Eine Träne vergießt
Es darf sein
Wenn ein Wort dir
Schmerzen zufügt
Wenn du erkennst
Dass dein Verstand dich belügt
Es darf sein
Lass dein Herz sprechen
Dir zeigen, wo´s langgeht
Mit dem Verstand sich verbünden
Mit dem es sich berät
Es darf sein
Es kommt drauf an
Was du draus machst
Und darauf, dass am Ende
Im Herzen du lachst
Es darf sein
Lass es sein
Weg-mit-Herz

ein Beitrag über Psychose und Selbstliebe in Zusammenhang mit der Einnahme von Medikamenten

In seinem Buch „Umgang mit psychotischen Patienten“ beschreibt Thomas Bock sinngemäß eine Psychose als einen anstehenden Entwicklungsschritt, für den ein gangbarer Weg gesucht wird. Da ist auf jeden Fall etwas dran.

Sie ist wieder da. Ich habe sehr gekämpft, aber sie war stärker. Ich nehme wieder mein ungeliebtes Medikament. Ungeliebt wegen der Nebenwirkungen, wie vermindertem Lustempfinden bis hin zu einem leichten Taubheitsgefühl der Haut, verbauter Kreativität und nervigen Minizuckungsgefühlen im ganzen Körper. Und doch ist etwas anders. Es hat sich viel getan in der kurzen Zeit, in der ich dieses Mal medikamentenfrei war. Meine Kehle hat sich geöffnet. Ich kann frei sprechen – zumindest größtenteils! Eine Baustelle wird meine Stimme sicher immer sein, aber ich habe große Fortschritte gemacht. Neben der Sprech-Stimme ist auch die Stimme meines Herzens kräftiger geworden. Ich kann sie besser wahrnehmen. Und so scheint mir auch der anstehende große Entwicklungsschritt recht klar zu sein: auch auf mein Medikamenten-Ich mit mehr Selbstliebe zu schauen. Das fällt mir in seiner Gesamtheit ziemlich schwer. Ich wende alles an Mitteln auf, die ich auf meinem Weg bis hierher erlernt habe und die mir hilfreich erscheinen. Insbesondere Energetisches Klopfen hilft mir eine Menge weiter. Sobald ich auch nur den Hauch eines Hass-, Wut- oder Verzweiflungsgefühls wahrnehme, denke ich mir eine Affirmation und klopfe zumindest mental die verschiedenen Klopfpunkte ab. Nach einigen Durchgängen verspüre ich tatsächlich, wie sich die Gefühle legen und besser integrieren. Nichtsdestotrotz erlaube ich mir auch mal den einen oder anderen Fluch, wenn ich mich eben doch zu sehr ärgere – gefolgt vom energetischen Klopfen. Bisher klappt das ganz gut. Die Nebenwirkungen halten sich im Rahmen und ich habe das Gefühl, zumindest bis jetzt noch einen guten Zugang zu meiner Kreativität zu haben.

Außerdem helfen mir systemische Aufstellungen sehr weiter. Die soll man eigentlich nicht machen, wenn man schizophren ist. Es braucht ein sehr hohes Maß an Bewusstheit und Selbst-Reflektion, das habe ich mittlerweile auch kapiert und würde sie bei anderen in der Situation wohl eher nicht anwenden. Aber mich kenne ich gut genug und weiß, was ich mir zumuten kann. Systemische Aufstellungen helfen mir, mich besser zu sortieren und letzten Endes sogar dabei, meine vielen Ich-Anteile nach und nach mehr in meine Gesamtidentität – in mein ICH – zu integrieren.

Ich bin hoffnungsvoll, dass es gutgeht. Höhen und Tiefen eingeschlossen.

Wenn ich auf meine jetzige Situation schaue und das, was in der nächsten Zeit in meinem Leben so ansteht an beruflichen und persönlichen Umständen, werde ich das Zeug mindestens ein Jahr nehmen müssen. Mein Arzt ist ja der Meinung, ein Leben lang. Das sehe ich anders. Aber selbst wenn es so sein sollte. Wenn es tatsächlich einen Weg geben sollte, mit dem Medikament friedvoll zu leben ohne faule Kompromisse, dann ist es mir fast egal, wie lange. Auch wenn es ohne einfach schöner ist.

Fast magisch dieser Augenblick
Kommt ein erstes stilles Blättchen
Kristallgefrorenen Regens
Vom Himmel hinunter
Stippelnd, prickelnd
Werden es langsam mehr
Behutsam segelnd, doch zielbewusst
Bahnen sie sich ihren Weg zur Erde
Ein kleiner Windhauch
Spielt mit ihnen
Weht dir die ersten
Zarten Schneeflocken um die Nase
Wie wachgeküsst
Wendet sich dein Blick nach oben
Lässt du dich weiterküssen
Dankbar
Wie verzaubert dieser Augenblick

Hab mit offenen Augen
Mich ins Leben geträumt
Hab die Muschel geöffnet
Perlen aufgesäumt
Und auch wenn der rote Faden
Noch viel Platz lässt an meiner Perlenschnur
Schimmert ihr perfekter Glanz
Jedes Glied für sich ist längst schon ganz

All der Wachheit Träume
Alle Lebendigkeiten
Lassen viele Möglichkeiten für die große Entdeckungstour

Schweift der Blick auch in die Ferne
Sieht in diese Welt hinein
Wie es sein könnte und wie es ist
Lässt sich leiten von des Herzens lila Wärme
Hin zu Horizonten
Die das Herz im Hier und Jetzt vermisst
Hab mit offenen Augen
Mich ins Leben geträumt
Hab geduldig, beharrlich
Was mich hindert aus dem Weg geräumt
Und auch wenn ich weitergehe
Dem großen Ziel entgegen
Sehe ich es vollends klar:
Hey, jetzt bin ich rundum da

All die Hindernisse
All die Horizonte –
Das ist mein Leben

Gerade ist mir ganz feierlich zumute. Das lange Hoffen und die immer wieder beschworene Geduld haben sich gelohnt für diesen Augenblick: Ich bin wieder da! Und wieder ein Stück ganzer.

Seit gut zwei Monaten nehme ich keine Medikamente mehr. Im Urlaub habe ich beschlossen, meinen weiteren Weg einmal wieder ohne Stützkorsett zu wagen. Durch den Tablettenschleier kam einfach zu wenig Lebensfreude durch und nach der habe ich mich gesehnt. Mein Psychiater weiß es bisher noch nicht, aber mit meinem Therapeuten habe ich es thematisiert und er unterstützt mich glücklicherweise auch dabei. Dass ich sehr achtsam mit mir umgehen muss, das weiß ich ja mittlerweile zur Genüge. Dabei spielen Stress, der mein Selbstwertgefühl angreift, aber auch überschwängliche Freude, die in einen Energieüberfluss umschlagen kann, eine wichtige Rolle. Also immer weiter schön am Gleichgewicht üben.

Mit genügend Übung verfeinert sich auch die Selbstwahrnehmung immer weiter. Dranbleiben lohnt sich!

Schon mit Medikamenten habe ich das Rufen der Lebensenergie in meinem Körper leise und eher unangenehm vernommen. Mit dem Absetzen der Tabletten sind die Regungen der Lebensenergie deutlicher geworden. Es kribbelt und kitzelt, aber jetzt auf angenehme Weise, in manchen Körperbereichen deutlich wahrnehmbar. Ich nehme mir immer wieder Zeit, um den Impulsen meines Körpers zu folgen und ihnen möglichst freien Lauf zu lassen. Das Interessanteste dabei ist für mich, dass je mehr Vertrauen ich in die Vorgänge hineingebe, sie mein Vertrauen immer weiter stärken. In mich selbst, wie auch in die kosmische Kraft, die uns alle umgibt und durchdringt. Das heißt nicht, dass es immer einfach ist jetzt. Es gibt ständig Lektionen des Lebens zu lernen und sie passen sich der Leistungsfähigkeit an, habe ich den Eindruck.

Wann immer Zweifel in mir hochkommen und selbst in den dunkelsten Stunden hat mir diese Weisheit aus der berühmten Charlie-Chaplin-Rede Mut gegeben weiterzumachen: „Als ich mich selbst zu lieben begann, verstand ich, dass ich bei allen Gegebenheiten immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und dass alles zu genau dem richtigen Zeitpunkt passiert. Von da an konnte ich gelassen sein. Heute nenne ich das Selbst-Vertrauen.“ Alles, alle Gedanken und Gefühle, alle Worte, auch die holprigen, zur richtigen Zeit und am richtigen Ort, ein Aufatmen geht durch meinen Körper, wann immer ich mir genau das bewusst mache. Trotzdem gibt es noch genügend Momente, wo ich mir mehr Gelassenheit wünsche, aber immer gefolgt von diesem Aufatmen.

Das möchte ich gerne teilen, dieses Aufatmen.

Alles zur richtigen Zeit und am richtigen Ort.

Nachthimmel

Sie ist wieder da, die Psychose. Kam ganz plötzlich dieses Mal, geradezu überfallartig über mich. Ich konnte nichts dagegen tun.

Besonders lyrisch ist sie nicht. Viel Geheule, Selbstzweifel, Zukunftsängste, Sorgen und Selbstvorwürfe, was das wohl alles auch mit meiner kleinen Familie macht. Dazwischen lichte Momente von Hoffnung und Lösungssuche. Das alles klingt eher nach Chaos.

Damit ich im Alltag mit meiner kleinen Sonne und meinem Mann einigermaßen funktionieren kann, muss ich wieder Medikamente nehmen. Ich hasse das. Die Nebenwirkungen sind zwar relativ gering im Gegensatz zu älteren Produkten, aber sie sind da und schränken meine Lebensqualität erheblich ein. Unruhe. Schreiben und ruhige, konzentrierte Arbeiten werden zu einem Kraftakt, einer unglaublichen Willensanstrengung. Schneide da mal einer Zweieinhalbjährigen die Fingernägel…

Schön ist was anderes.

Um nicht im Selbstmitleid unterzugehen, ist guter Rat teuer. Obwohl mir meine kleine Familie glücklicherweise Halt und Liebe gibt. Das anzunehmen fällt oft schwer. Warum? Weil die Selbstliebe in solchen Situationen leidet. Sie ist nur noch auf blankes Überleben programmiert und geht schnell in Abwehr, wenn da mehr kommt. Das ist also der Punkt, denke ich.

Wie kann ich in meiner Selbstliebe bleiben oder sie wiederfinden in all dem Morast?

Hatte ich vorhin „lyrisch“ gesagt? Mir fallen die 5 Rhythmen von Gabrielle Roth ein: Flowing, Staccato, Chaos, Lyrical, Stillness. Wenn man die schon einmal getanzt hat, dann merkt man schnell, was einem liegt, wo Vorlieben und Abneigungen sind. Und das Chaos war mir schon immer suspekt. Chaos ist auch eine Phase in der Kundalini-Meditation von Osho. Bei mehrmaliger Praxis verändert sich die Wahrnehmung. Man kann sich an Chaos ein Stück weit gewöhnen, habe ich gemerkt. Und wenn dann die Angst davor weicht, entsteht Raum für neue Wahrnehmungen. Zum Beispiel auch dafür, Vorteile, Angenehmes, die Schönheit im Chaos zu finden. Vielleicht lässt sich die lyrische Phase und alles andere erst dadurch besonders schätzen und genießen, weil es die Chaos-Phase gibt. Aber – ehrlich gesagt, meine Vorlieben liegen nicht in der Chaos-Phase. Und zu lange sollte sie auch nicht dauern.

Die Medikamente bringen immerhin wieder etwas Ruhe und Struktur. Nun kann ich kurz ausruhen und dann hoffentlich mit dem Nachspüren beginnen, was mich da so aus dem Tritt gebracht haben mag.

Wahrhaft schön ist was anderes.

wellen

Unglaublich, diese Weite
Unheimlich leer und still
Nicht die nickenden Köpfe der Leute
Sondern Bläue in Hülle und Füll
Die Brust könnt sich endlos dehnen
Beim Atmen Zug um Zug
Keine Säule zum Anlehnen
So verschmelzen Meer und Bug
Und wird dir auch angst und bange
Bist immer noch das Schiff
Im Gedächtnis behalt dies lange
Dann umspülst du jedes Riff
Bist du deiner sicher
Gibt es keine Einsamkeit
Führt das Riff dich hierher
In die große All-Einheit

Weg-mit-Herz

Der Weg mit Herz soll ein leichter sein
So sagst du mir durch die Blume
Sagst mir damit, mein Weg fühlt sich schwer für dich an
Vielleicht sei ich noch auf der Suche

Doch ich kann dir verraten: mein Weg ist der leichteste
Von allen, die sich mir bieten
Alles andere wiegt viel, viel schwerer
Und bringt mir Unfrieden

Mag sein, dass mancher Weg für dich leichter aussieht
Oder einfach nur bequem?
Mein Herz weiß genau, wohin es strebt
Irgendwann wirst du das auch sehn

So kann ich dich nur drum bitten:
Hab auch du Vertrauen
In mir ist es schon fest verankert
Brauchst nur runter zu schauen

Vertrauen ist auf meine Brust tätowiert
Nun warte ich ganz gebannt
Mög es bald bei dir heimisch sein
Mein lieber, guter Verstand

marotte

Geborgen im Höheren Sein
Nachsehend die menschlichen Marotten
Aus tiefstem Herzen dein
Denn sie füllen alle inneren Grotten
Ergibst du dich mutig dem liebevollen Lichtschein