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Das, was jetzt gerade ist

Nachthimmel

Sie ist wieder da, die Psychose. Kam ganz plötzlich dieses Mal, geradezu überfallartig über mich. Ich konnte nichts dagegen tun.

Besonders lyrisch ist sie nicht. Viel Geheule, Selbstzweifel, Zukunftsängste, Sorgen und Selbstvorwürfe, was das wohl alles auch mit meiner kleinen Familie macht. Dazwischen lichte Momente von Hoffnung und Lösungssuche. Das alles klingt eher nach Chaos.

Damit ich im Alltag mit meiner kleinen Sonne und meinem Mann einigermaßen funktionieren kann, muss ich wieder Medikamente nehmen. Ich hasse das. Die Nebenwirkungen sind zwar relativ gering im Gegensatz zu älteren Produkten, aber sie sind da und schränken meine Lebensqualität erheblich ein. Unruhe. Schreiben und ruhige, konzentrierte Arbeiten werden zu einem Kraftakt, einer unglaublichen Willensanstrengung. Schneide da mal einer Zweieinhalbjährigen die Fingernägel…

Schön ist was anderes.

Um nicht im Selbstmitleid unterzugehen, ist guter Rat teuer. Obwohl mir meine kleine Familie glücklicherweise Halt und Liebe gibt. Das anzunehmen fällt oft schwer. Warum? Weil die Selbstliebe in solchen Situationen leidet. Sie ist nur noch auf blankes Überleben programmiert und geht schnell in Abwehr, wenn da mehr kommt. Das ist also der Punkt, denke ich.

Wie kann ich in meiner Selbstliebe bleiben oder sie wiederfinden in all dem Morast?

Hatte ich vorhin „lyrisch“ gesagt? Mir fallen die 5 Rhythmen von Gabrielle Roth ein: Flowing, Staccato, Chaos, Lyrical, Stillness. Wenn man die schon einmal getanzt hat, dann merkt man schnell, was einem liegt, wo Vorlieben und Abneigungen sind. Und das Chaos war mir schon immer suspekt. Chaos ist auch eine Phase in der Kundalini-Meditation von Osho. Bei mehrmaliger Praxis verändert sich die Wahrnehmung. Man kann sich an Chaos ein Stück weit gewöhnen, habe ich gemerkt. Und wenn dann die Angst davor weicht, entsteht Raum für neue Wahrnehmungen. Zum Beispiel auch dafür, Vorteile, Angenehmes, die Schönheit im Chaos zu finden. Vielleicht lässt sich die lyrische Phase und alles andere erst dadurch besonders schätzen und genießen, weil es die Chaos-Phase gibt. Aber – ehrlich gesagt, meine Vorlieben liegen nicht in der Chaos-Phase. Und zu lange sollte sie auch nicht dauern.

Die Medikamente bringen immerhin wieder etwas Ruhe und Struktur. Nun kann ich kurz ausruhen und dann hoffentlich mit dem Nachspüren beginnen, was mich da so aus dem Tritt gebracht haben mag.

Wahrhaft schön ist was anderes.

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Einsamkeit aushalten

wellen

Unglaublich, diese Weite
Unheimlich leer und still
Nicht die nickenden Köpfe der Leute
Sondern Bläue in Hülle und Füll
Die Brust könnt sich endlos dehnen
Beim Atmen Zug um Zug
Keine Säule zum Anlehnen
So verschmelzen Meer und Bug
Und wird dir auch angst und bange
Bist immer noch das Schiff
Im Gedächtnis behalt dies lange
Dann umspülst du jedes Riff
Bist du deiner sicher
Gibt es keine Einsamkeit
Führt das Riff dich hierher
In die große All-Einheit

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Zwiegespräch

Weg-mit-Herz

Der Weg mit Herz soll ein leichter sein
So sagst du mir durch die Blume
Sagst mir damit, mein Weg fühlt sich schwer für dich an
Vielleicht sei ich noch auf der Suche

Doch ich kann dir verraten: mein Weg ist der leichteste
Von allen, die sich mir bieten
Alles andere wiegt viel, viel schwerer
Und bringt mir Unfrieden

Mag sein, dass mancher Weg für dich leichter aussieht
Oder einfach nur bequem?
Mein Herz weiß genau, wohin es strebt
Irgendwann wirst du das auch sehn

So kann ich dich nur drum bitten:
Hab auch du Vertrauen
In mir ist es schon fest verankert
Brauchst nur runter zu schauen

Vertrauen ist auf meine Brust tätowiert
Nun warte ich ganz gebannt
Mög es bald bei dir heimisch sein
Mein lieber, guter Verstand

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Gnade

marotte

Geborgen im Höheren Sein
Nachsehend die menschlichen Marotten
Aus tiefstem Herzen dein
Denn sie füllen alle inneren Grotten
Ergibst du dich mutig dem liebevollen Lichtschein

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Kundalini – die Kraft der Schlange

Kundalini-Schlange

Kundalini – das ist die Kraft der Schlange, die in jedem von uns schlummert und die uns mit ungeahnten Kräften und Fähigkeiten erfüllen kann. Wenn man vorbereitet ist…
Als ich zum ersten Mal von diesem Phänomen erfuhr und was es bedeutete, bin ich aus meiner Psychose-Wolke gefallen. Auch wenn ich innerlich das Gefühl hatte, dass in mir etwas Größeres und durchaus Gutes in Gang war, so war ich vorher insbesondere damit befasst, mich mit meiner Krankheit auseinanderzusetzen. Denn so wurde ich in meinem Umfeld gesehen: als krank. War ich hauptsächlich dabei, mich selbst zu bemitleiden und mit dem Kranksein irgendwie ein Stück Lebensfreude zu haben, so rückte dieses Phänomen alles wieder gerade in mir. Nicht, dass die durchaus krankhaften Züge in mir völlig weggeblasen wären. Aber ein tiefes Verstehen und Staunen setzte ein. Ein „Ach-soooo-Gefühl“. Den Blick auf die Schätze zu werfen, die da in uns vorhanden sind, ist doch viel erfreulicher und sowieso auch effektiver. Zum Beispiel habe ich in der letzten Zeit viel über Chakras gelernt. Und dass viel Wahrheit in der Chakrenlehre steckt. Und ich hatte zuvor überhaupt keine Ahnung davon. Wirklich null…
Mehr zur Kundalini-Kraft erfahrt Ihr hier.

Echter Mut

himmel mit wolken

Wo hat echter Mut seinen Platz?
Ist das Vertrauen in die Wurzel der Schatz?
Ist er bei der Lebensfreude, im Bauch?
Braucht es dafür den Willen auch?
Liegt er vielleicht auf der Zunge, im Mund?
Oder tut ihn die innere Stimme kund?
Ich find ihn im Herzen
Das ist der Ort
Sich einzulassen
Auf Vertrauen, Freude, Willen und Wort
Die Grenzen zu fühlen
Und in ihnen zu bleiben
Oder zu spüren
Es zu wagen, sie zu weiten
Die eigenen Hürden zu überwinden
Mit noch mehr Vertrauen den Weg zu finden

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Novembersonne

novembersonne kopfweide
novembersonne kopfweide

…ich atme ein…
…ich atme aus…

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Gegensätze vereinen

Immer mal wieder ertappe ich mich dabei, dass ich schier Unmögliches von mir verlange. Zum Beispiel erwarte ich gerne mal von mir eine Erwartungslosigkeit, die ich Offenheit nenne.

Diese Paradoxie ist so absurd, dass ich direkt darüber schmunzeln muss. Und merke, wie ich sie ein bisschen kitzeln mag. A propos Erwartungen und Kitzeln, sofort fällt mir das gemeinsame gequälte Raunen im Kinosaal bei dem meisterhaften Ende von Inception ein. Dieses Raunen klingt mir gerade wieder im Ohr. Wie schön, dass nicht nur ich Erwartungen habe!

Erwartungen haben in gewissen Stadien auch etwas mit Beziehungen, mit Verbindungen, zu tun. Darüber sinniere ich gerade ein bisschen öfter nach. Ich freue mich festzustellen, dass ich Erwartungen habe…

Uns Menschen macht es wohl unter anderem aus, dass wir in der Lage sind, in verschiedenster Weise und auf verschiedenen Abstraktionsebenen Beziehungen herzustellen. Von ganz nah und gegenständlich bis ziemlich abstrakt. Das zeigt sich auch in unserer Sprache. Die Fähigkeit, eine Bezeichnung – ein Symbol aus Buchstaben – für Gegenstände oder Tätigkeiten, sogar für Gefühle, zu finden, die wir einigermaßen einheitlich in unserem kulturbedingten Wirklichkeitskonstrukt verwenden können, macht es uns möglich, uns über größere räumliche Distanzen auch ohne die räumliche Anwesenheit dieses Gegenstands zu verständigen. Tische können noch so unterschiedlich aussehen; wenn wir darüber reden, ist den meisten doch irgendwie klar, um was es da geht.

In unserer Veranlagung ist diese Beziehungs- und Abstraktionsfähigkeit ganz tief verankert. Das zeigt sich schon bei kleinen Kindern, wenn sie lernen, die Welt zu verstehen und sich zu verständigen. Bei „schau mal, da“ wird in sich weitenden Kreisen sehr schnell nicht mehr auf die Fingerspitze geschaut, sondern in die Richtung des Gezeigten. Um weiter zu gehen, benennen es die Erwachsenen dann näher, und so lernt das Kind immer mehr an Wörtern und Beziehungen in der Welt.

In meinem Empfinden wird das meiste Leid in unserer Welt und in uns selbst dadurch verursacht, dass unsere Fähigkeit, Beziehungen herzustellen, durch innere und/oder äußere Umstände in irgendeiner Form ver-/gestört wurde. Diese klaffende Lücke versuchen wir dann durch irgendwelche schrägen Ansichten auf die Welt und uns selbst auszugleichen. Und Weltsichten beeinflussen unsere Taten. Im schlimmsten Fall macht es unseren Blick und unsere Seele ver-rückt.

Diese Herumsinniererei führt mich an einen Punkt, wo ich sehr stark spüre, dass dieses Erwartungsding sehr eng mit dem Thema Co-Abhängigkeit zusammenhängt. Neben der Entwicklung eines besseren Abgrenzungsvermögens, was ich eher mit Enge verbinden würde, ist gleichzeitig auch eine Weitung erfahrbar.

Für mich begreife ich, dass Erwartungslosigkeit nichts damit zu tun hat, mir Erwartungen zu verbieten, sondern vielmehr, Erwartungen zuzulassen und wahrzunehmen. Erst dann ist es möglich, die Antwort des Lebens oder meines Gegenübers auf diese Erwartung, egal ob Ja oder Nein, zu umarmen. Und damit entsteht eine echte Offenheit.

Die Enge der Abgrenzung und die Weite der Offenheit sind nur scheinbare Gegensätze. In dem Raum, der jenseits der Worte ist, sind sie in einem wunderbaren Liebesspiel vereint. Beim Spielen lässt sich vieles ausprobieren. Mal klappt es besser, mal schlechter… Wie gut, dass sich jemand das Konzept des lebenslangen Lernens ausgedacht hat und wir nicht mehr bei Hänschen und Hans stehen. 😉

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Präsent Sein

„…ähm, ich war auf der Bühne und M. hat hinter mir gestanden und war mein Echo…“ – Innerlich kringele ich mich fast vor Lachen, so sehr freue ich mich, dass meine Selbsteinschätzung so dermaßen mit der Außenwahrnehmung eins ist. Beides ist jetzt ziemlich deckungsgleich. So lässt sich mit der Außenwelt kommunizieren. Es ist alles goldrichtig, wie es ist.
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Eine Freundin und ich sitzen gemütlich am Kaffeetisch und tauschen uns über unsere beruflichen Wünsche und Ziele aus, die deutlich in Richtung Selbstverwirklichung gehen. Gerade habe ich ihr von meinen Zukunftsplänen erzählt und was und wie die nächsten Schritte sind. Nämlich erstmal mehr Beschäftigung mit Selbst-Marketing und –Präsentation. Damit will ich auf der Bühne des Lebens stehen und vor allem beruflich mehr in meine Präsenz kommen. Ich will selbstständig sein, wenigstens teilselbständig. Ich will schreiben und sprechen. Und ich will damit auch mal vor einem – wie auch immer gearteten – Publikum rüberkommen können. Und ich will diese Ziele auch in meinem jetzigen Job umsetzen können, wenn ich nach der Elternzeit wieder einsteige. Auch das ist die Bühne des Lebens.

In dem spürbaren Wunsch, mich zu ermuntern und gleichzeitig bereits jetzt erzielte Erfolge besser wertzuschätzen, erwähnt sie den internen bunten Abend während unserer Ausbildung, an dem M. mein Gedicht vorgetragen habe. Und dass das doch schon super sei, dass ich mich damit an die Öffentlichkeit getraut hätte. Das nächste Mal würde ich auch selber auf die Bühne treten damit… – „…ähm, ich war auf der Bühne und M. hat hinter mir gestanden und war mein Echo…“ – „Äh, wie, du warst da…? Das muss ein anderes Mal gewesen sein. Daran würde ich mich doch erinnern… äh, wie jetzt…???“ Sie blinzelt verwirrt.

Ich platze fast innerlich vor Lachen und könnte sie gerade knutschen!!! Noch habe ich Hemmungen, das auch tatsächlich zu tun. Aber es wird. Immer. Besser.

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Ein Unterschied

Noch immer tanze ich allein
Doch ist das Gefühl ein anderes
Es ist ok, ich zu sein

Inmitten einer Gruppe
Beobachte ich
Andere
Mich
Uns

Es ist ok, ich zu sein
Noch immer tanze ich allein

6.4.2016