Einleitung
Kundalini – das ist die Kraft der Schlange, die in jedem von uns schlummert und die uns mit ungeahnten Kräften und Fähigkeiten erfüllen kann. Wenn man vorbereitet ist…
Als ich zum ersten Mal von diesem Phänomen erfuhr und was es bedeutete, bin ich aus meiner Psychose-Wolke gefallen. Auch wenn ich innerlich das Gefühl hatte, dass in mir etwas Größeres und wohl auch Gutes in Gang war, so war ich vorher insbesondere damit befasst, mich mit meiner Krankheit auseinanderzusetzen. Denn so wurde ich in meinem Umfeld gesehen: als krank. War ich hauptsächlich dabei, mich selbst zu bemitleiden und mit dem Kranksein irgendwie ein Stück Lebensfreude zu haben, so rückte dieses Phänomen alles wieder gerade in mir. Nicht, dass die durchaus krankhaften Züge in mir völlig weggeblasen wären. Aber ein tiefes Verstehen und Staunen setzte ein. Ein „Ach-soooo-Gefühl“. Den Blick auf die Schätze zu werfen, die da in uns vorhanden sind, ist doch viel erfreulicher und sowieso auch effektiver. Zum Beispiel habe ich in der letzten Zeit viel über Chakras gelernt. Und dass viel Wahrheit in der Chakrenlehre steckt. Und ich hatte zuvor überhaupt keine Ahnung davon. Wirklich null.

Wofür steht Kundalini?
Das Wort „Kundalini“ kommt aus dem Sanskrit. „Kundala“ bedeutet soviel wie „gewunden, gerollt.“ Kundalini ist ein Aspekt der indischen Göttin Shakti.
In tantrischen Schriften ist von der Kundalini-Kraft die Rede, die in jedem Menschen schlummert. Dazu gibt es das Bild der im Beckenbereich (dem untersten der sieben Hauptchakras) zusammengerollten, schlafenden Schlange.

Was passiert mit dieser Kraft?
Durch verschiedene Übungen des Geistes und des Körpers (insbesondere Yoga) kann man die schlafende Schlange wecken und ihre Kräfte durch die Energiezentren (Chakras) nach oben aufsteigen lassen. Erreichen diese Kräfte das oberste Chakra, so vereinigen sie sich mit der kosmischen Seele. Dies äußert sich in der Wahrnehmung von starken All-Einheitsgefühlen mit unterschiedlichen Begleiterscheinungen (Erleuchtungserlebnis).

Was bedeutet Kundalini-Erwachen?
Das Praktizieren von Yoga oder Meditation kann die Kundalini-Kraft wecken. Man spricht dann von Kundalini-Erwachen. Es kommt aber auch vor – und das immer häufiger –, dass die Kundalini-Kraft schlagartig und eher nicht wissentlich erwacht und aufsteigt.
An sich wird das Kundalini-Erwachen von sehr angenehmen Gefühlen und Wahrnehmungen begleitet. Es kann jedoch sein, dass die Intensität für den Betroffenen zu stark ist und die Wahrnehmungen nicht einzuordnen sind. Besonders dann, wenn das Kundalini-Erwachen nicht wissentlich erfolgt. Das kann sehr beängstigend wirken und krankhafte Züge annehmen. In unserer Welt der Diagnosen ist dann von Kundalini-Syndrom die Rede.

Entwicklungschancen und Risiken des Kundalini-Erwachens
Das Kundalini-Erwachen zählt zu den sogenannten spirituellen Krisen, denn es ist ein bahnbrechendes Erlebnis, das zu einem starken Überdenken und Veränderung des bisherigen Lebens(stils) führt.
Die aufsteigenden Energien wirken reinigend auf Körper und Geist und bereiten den Menschen auf die Vereinigung mit der kosmischen Seele vor.
So gut diese Wirkung ist, so gibt es doch verschiedene Gefahren dabei.
Die Energien, die aufsteigen, können wirklich sehr stark sein. Manchmal können Geist und Körper den Veränderungen nicht ganz folgen. So kann es zu verschiedenartigen körperlichen Beschwerden kommen und leider auch zu geistiger Verwirrung oder psychoseartigen Zuständen. In solchen Situationen steht dann im Vordergrund, dass die unangenehmen Begleiterscheinungen gelindert und behandelt werden.
Es ist ungemein hilfreich, eine angemessene Begleitung durch einen Lehrer, Therapeuten, Heiler zu haben. Außerdem hilft es immer wieder, die Situation so anzunehmen, wie sie gerade ist und die Gefühle und Wahrnehmungen zuzulassen.

Link-Tipps und Literatur

http://www.senev.de/index.htm – Anlaufpunkt und Hilfestellung bei spirituellen Krisen, SEN Deutschland
http://www.caringnet.de/ – Informationen rund um das Thema spirituelle Krise
http://ourlightbody.com/ – Erfahrungsbericht zum Kundalini-Erwachen in Zusammenhang mit zeitgenössischer Forschung
https://de.wikipedia.org/wiki/Kundalini – Wikipedia-Artikel

Grof, Stanislav und Grof, Christina (1990): Spirituelle Krisen. Chancen der Selbstfindung. München: Kösel.
Hofmann, Liane und Heise, Patrizia (Hg.) (2017): Spiritualität und spirituelle Krisen. Handbuch zu Theorie, Forschung und Praxis. Stuttgart: Schattauer.