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Helfen ohne Syndrom

Als interessierte Leserin bekomme ich regelmäßig die Neuveröffentlichungen des Carl-Auer-Verlages zugeschickt. Ein Titel hat mich dort besonders assoziativ angesprochen, ohne dass ich das Buch dazu gelesen hätte und auch nicht weiß, ob ich je dazu kommen werde. Der Titel lautet: Bitte nicht helfen! Es ist auch so schon schwer genug. In der letzten Zeit ist er mir wieder vermehrt in den Sinn gekommen. Gerade, weil ich momentan eine Freundschaft sehr hinterfrage und reflektiere, steigt diese Phrase immer wieder in mir auf. Was wird da laufend in mir angetriggert, das diese Freundschaft so anstrengend macht? Was hat damals meine Sympathie und Öffnung für diesen Menschen bewirkt? – Ich spüre hin. Es hat etwas mit der Suche nach Gleichgesinnten, nach Seelenverwandten, zu tun, soviel ist klar. Dann wird es schwieriger und schwammiger. Es hat auch etwas mit helfen Wollen zu tun…etwas zum Guten wenden…zu einer Entwicklung beitragen…. Jeglicher wohl gemeinte Ansatz kommt verdreht und verzerrt bei diesem Menschen an und führt eher noch zu einer Verschlimmerung der Lage. Das wird sehr stark widergespiegelt, sodass ich häufig genug meinen Fuß nur in letzter Sekunde aus der Rechtfertigungsfalle ziehen kann und einmal mehr frustriert das Gefühl habe, gegen eine Wand gelaufen zu sein. Das Letztere ein Gefühl, das ich von ziemlich klein auf kenne. Ganz langsam, wirklich in Trippelschritten, lerne ich nun doch dazu. Ich beginne, bei jedem Hilfeimpuls innezuhalten und mich zu fragen, was mich da gerade wieder angetriggert hat, wofür ich das gerade mache, was ich damit zu bewirken beabsichtige, ob ich es wirklich tun sollte, ob meine Intention auch wirklich klar und rein ist und entsprechend rüberkommen kann, ob ich Erfolg für mich erwarte, oder wirklich frei von Erwartungen und offen für Entwicklung bin. Ein sehr mühseliges Geschäft. Das Wort Helfersyndrom spukt durch meinen Kopf. Was macht echtes Helfen WIRKLICH aus? – Eine Nuss, die es für mich noch zu knacken gilt. Eine Nuss, die meine Lebensträume und –visionen in Frage stellt…

02.11.2015


Update April 2016
Mittlerweile ist ICH etwas gefestigter und klarer abgrenzungsfähig. Doch es bleibt bei mir die Frage: Was macht die Qualität des Helfens eigentlich aus? Wie ist das bei Euch so? Wie seht Ihr das? Ich würde mich über Kommentare freuen!

6 Kommentare
  1. Stella, ad Astra!
    Stella, ad Astra! says:

    Das ist eine gute Frage! Ich glaube, dass man Menschen wirklich oft mehr hilft, wenn man ihnen nicht hilft und sie ihre eigenen Erfahrungen machen lässt- andererseits will man ja nett sein. Ich hatte auch einige Freundschaften, bei denen ich mir dieselben Fragen gestellt habe wie du… Sie sind oder im großen Krach irgendwann auseinander gebrochen oder haben sich langsam aufgelöst.

    LG

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    • christina.d
      christina.d says:

      Mir fällt gerade dieses Zitat von Erich Kästner wieder ein: „Es gibt nichts Gutes außer man tut es.“ 🙂
      Dieses „anpackende“ Helfen, zum Beispiel bei einem Umzug (wenn es also einen konkreten Anlass gibt), verstehe ich darunter. Schwierig ist es wohl, wenn man ständig mit einem Riesen-Apell-Ohr durch die Welt läuft und überall Hilfsbedürftigkeit wahrnimmt und sich dafür verantwortlich fühlt, glaube ich. Da ist ein guter Nussknacker bei mir nötig. 😉 Aber ich arbeite dran… Krach bzw. Ausschleichen sind da jedenfalls auch bei mir angesagt.

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  2. freudenwege
    freudenwege says:

    Vielleicht ist Hilfe zur Selbsthilfe am Sinnvollsten. Aber wie weit geht die? Was ist schon zu viel Hilfe? Ich denke das ist bei jedem Menschen anders. Manche wollen Hilfe ohne sie wirklich zu brauchen. Andere brauchen welche, können aber keine Annehmen..
    Wirklich schwierig, aber ich denke das ist abhängig von Mensch und Situation.
    Der Wunsch zu helfen ist oft groß. Aber leider ist gut gemeint nicht immer zielführend.. Wirklich eine harte Nuss!

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