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Still sein

Gottmutter Maria

Für meinen Vater
+01.10.2011

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Gelassenheit

gelassenheit-nebelquelle

Wie des Teiches stilles Wissen
Über das Vergeh´n der Ringe
Die der Kiesel hinterlässt

Gewissheit unter Wolkenkissen
Über des Himmels treues Blau
Wenn sie der Wind mal nicht wegbläst

Wie der Anblick eines Platzes
Der Geborgenheit verspricht

Wie das Kästchen eines Schatzes
Doch den Inhalt sieht man nicht

Wenn du ihn eifersüchtigt hütest
Verlierst du diesen Schatz im Nu

Wenn du ihn frei, in Demut bittest
Findet er lächelnd in dir Ruh

Findet er lächelnd in dir Ruh

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Gehorsam

Manchmal, da der Schmerz dich fast zerreißt
Kannst du noch immer dankbar sein
Dankbar, dass er sich dir zeigt
Auch wenn du nicht mehr weiterweißt

So lieferst du dich mutig aus
Du gibst dich hin, mit allen Fasern
Und gehst durch ihn hindurch
Bis du wieder nach vorne schaust

Genährt von wundersamer Kraft
Wirst du aus all-einer Quell
Ich schaue zu dir auf
Auch wenn die Wunde in dir klafft

Mein Vertrauen an dich ist hier
Gern lass ich mich von dir führen
Weiß mich ja geliebt
Mein liebes Herz, ich folge dir

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Es ist wie es scheint

Was ist es nur
Was macht es aus
Die Frau, den Mann in dir?

Der Gegensatz
Beherrscht die Sicht
Und Wurzeln bilden sich hier

Des Körpers Eigenschaften
Haben Kulte begründet
Seit früher Menschenzeit

Geben und Nehmen
Erzeugung, Empfängnis
Fortpflanzung gelingt nur zu zweit

Mutter und Vater
In dir leben sie fort
Mit Genen und inneren Werten

Kollektives Gedächtnis
Schlummert tief in dir drin
Mit wehenden Mähnen und Bärten

Was machst du damit?
Was fängst du damit an?
Bekämpfen oder bestärken?

Es macht dich zu dir
Was auch immer geschieht
In Gedanken, Worten und Werken

Die Kräfte in dir
Schau auf sie drauf
Mit weitem Herzen im Blick

Dann eröffnet sich dir
Die kosmische Pracht
Mit staunendem, fühlvollem Glück

Zeig dich darin
Drück dich ruhig aus
Gib dich als Geschenk in die Welt

Ob weiblich, ob männlich
Lass es raus, lass es raus
Unter irdischem Himmelszelt

Mit geschlossenen Augen
Bleibst du noch wach
Und atmest tief in den Raum

Der Kuss auf die Stirn
Kitzelt dich leicht
Und beflügelt den wurzelnden Baum

Er streckt seine Zweige
In den Himmel hinein
Wächst über die Wolken hinaus

Es ist wie es scheint
Das Weltengeflecht
Gleicht männlich und weiblich aus

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Ins Schwarze treffen

Die Gedanken rasen
Sie eilen voraus
Wollen planen
Und verheddern sich dabei
Wie zu viele Pfeile
Von zu vielen Bogen abgeschossen
Lenken sie sich gegenseitig vom Ziel ab

Da hilft nur Innehalten
Augen schließen
Und ins Hier und Jetzt atmen

So wird aus den vielen Pfeilen
Einer

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Ode an meine Hummeln

Ihr brummt so schön
Ein ganzer Schwarm
Wollt endlich los
Ausschwärmen

Eine große Burg
Der Ausgang ist klein
Doch schafft ihr es
Dann könnt ihr euch
Am Tageslicht aufwärmen

Ich streichel euch
Die ihr nicht wisst
Ihr könnt doch gar nicht fliegen
Ihr seid zu dick
Die Flügel klein
Straft ihr althergebrachte Denke Lügen

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Lindenjahr

Wie goldener Honig fließt der Duft der Lindenblüten in die Natur
Weich und warm umschließt er Seelenwunden
Und lässt sie heilen
Es schnuppert mich
Durch beide Nasenlöcher tief in den Körper hinein
Den diese Erde trägt
Und macht ihn leicht und schwer zugleich

Liebe Mutter Erde
Ich mute mich dir zu

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Die Uhr

So laut tickt sie
In meinem Kopf
Und macht mir Druck
Jetzt tu mal was
´s ist spät, ´s ist spät
Die Hähne krähn
Wieviel Zeit habe ich noch?
Was passt noch hinein
In dieses Leben?
Bin ich süchtig nach Glück?
Ich lausche dem Ticken
In der Stille
Es hat auch Beruhigendes
Betont die Stille
Betont die Mitte
Aus der sich ein Lächeln zeigt
Ein Lächeln
Für dieses Geburtsrecht
Ein Lächeln
Für die Vergänglichkeit
Ein Lächeln
Das deutlich macht
Dass so oder so
Ein erfülltes, glückliches Leben da ist
Das zu jedem Schlusspunkt Frieden haben darf

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Schlange II

Sie windet sich
Sie räkelt und schlängelt sich
Und strömt durch alles hindurch
Es wird hell
Und weit
Wenn man sie lässt
Wenn ich sie lasse
Atmet es durch mich hindurch
Und füllt den Leib mit Wahrheit
Und Liebe

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Gegensätze vereinen

Immer mal wieder ertappe ich mich dabei, dass ich schier Unmögliches von mir verlange. Zum Beispiel erwarte ich gerne mal von mir eine Erwartungslosigkeit, die ich Offenheit nenne.

Diese Paradoxie ist so absurd, dass ich direkt darüber schmunzeln muss. Und merke, wie ich sie ein bisschen kitzeln mag. A propos Erwartungen und Kitzeln, sofort fällt mir das gemeinsame gequälte Raunen im Kinosaal bei dem meisterhaften Ende von Inception ein. Dieses Raunen klingt mir gerade wieder im Ohr. Wie schön, dass nicht nur ich Erwartungen habe!

Erwartungen haben in gewissen Stadien auch etwas mit Beziehungen, mit Verbindungen, zu tun. Darüber sinniere ich gerade ein bisschen öfter nach. Ich freue mich festzustellen, dass ich Erwartungen habe…

Uns Menschen macht es wohl unter anderem aus, dass wir in der Lage sind, in verschiedenster Weise und auf verschiedenen Abstraktionsebenen Beziehungen herzustellen. Von ganz nah und gegenständlich bis ziemlich abstrakt. Das zeigt sich auch in unserer Sprache. Die Fähigkeit, eine Bezeichnung – ein Symbol aus Buchstaben – für Gegenstände oder Tätigkeiten, sogar für Gefühle, zu finden, die wir einigermaßen einheitlich in unserem kulturbedingten Wirklichkeitskonstrukt verwenden können, macht es uns möglich, uns über größere räumliche Distanzen auch ohne die räumliche Anwesenheit dieses Gegenstands zu verständigen. Tische können noch so unterschiedlich aussehen; wenn wir darüber reden, ist den meisten doch irgendwie klar, um was es da geht.

In unserer Veranlagung ist diese Beziehungs- und Abstraktionsfähigkeit ganz tief verankert. Das zeigt sich schon bei kleinen Kindern, wenn sie lernen, die Welt zu verstehen und sich zu verständigen. Bei „schau mal, da“ wird in sich weitenden Kreisen sehr schnell nicht mehr auf die Fingerspitze geschaut, sondern in die Richtung des Gezeigten. Um weiter zu gehen, benennen es die Erwachsenen dann näher, und so lernt das Kind immer mehr an Wörtern und Beziehungen in der Welt.

In meinem Empfinden wird das meiste Leid in unserer Welt und in uns selbst dadurch verursacht, dass unsere Fähigkeit, Beziehungen herzustellen, durch innere und/oder äußere Umstände in irgendeiner Form ver-/gestört wurde. Diese klaffende Lücke versuchen wir dann durch irgendwelche schrägen Ansichten auf die Welt und uns selbst auszugleichen. Und Weltsichten beeinflussen unsere Taten. Im schlimmsten Fall macht es unseren Blick und unsere Seele ver-rückt.

Diese Herumsinniererei führt mich an einen Punkt, wo ich sehr stark spüre, dass dieses Erwartungsding sehr eng mit dem Thema Co-Abhängigkeit zusammenhängt. Neben der Entwicklung eines besseren Abgrenzungsvermögens, was ich eher mit Enge verbinden würde, ist gleichzeitig auch eine Weitung erfahrbar.

Für mich begreife ich, dass Erwartungslosigkeit nichts damit zu tun hat, mir Erwartungen zu verbieten, sondern vielmehr, Erwartungen zuzulassen und wahrzunehmen. Erst dann ist es möglich, die Antwort des Lebens oder meines Gegenübers auf diese Erwartung, egal ob Ja oder Nein, zu umarmen. Und damit entsteht eine echte Offenheit.

Die Enge der Abgrenzung und die Weite der Offenheit sind nur scheinbare Gegensätze. In dem Raum, der jenseits der Worte ist, sind sie in einem wunderbaren Liebesspiel vereint. Beim Spielen lässt sich vieles ausprobieren. Mal klappt es besser, mal schlechter… Wie gut, dass sich jemand das Konzept des lebenslangen Lernens ausgedacht hat und wir nicht mehr bei Hänschen und Hans stehen. 😉